
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Man könne über die literarische Zukunft der Autorin nur das Beste annehmen“, orakelt Barbara von Becker heute über Alina Bronsky und ihren Roman Scherbenpark (Kiepenheuer & Witsch). Denn da gibt es charmante Chuzpe, in einem mal rotzigen, mal sensiblen Ton, kurz: eine „Überdosis Realität“.
Preise des Tages hat die FR in Lob I-III gepackt: Jenny Erpenbeck erhält den Heimito von Doderer-Preis, Katja Lange-Müller den Gerty Spies-Preis, und Michael Brocke den Moses Mendelssohn-Preis.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Groß unter der Überschrift „Die Lust am Alleinsein“ eine Rezension von der Neuübersetzung Cesare Paveses Roman Die einsamen Frauen (Übersetzung von Maja Pflug bei Claassen). Was allerdings an der Neuübersetzung nun bemerkenswert ist, verrät Rezensentin Anja Hirsch nicht.
Camilla Blechen rezensiert den Band Josephine Gabler August Gaul. Das Werkverzeichnis der Skulpturen (Jaron): Gablers Werkverzeichnis trenne die Spreu der Reproduktionen vom Weizen der gesicherten Originale.
Annotationen
Klaus Heilmann Kikis nützlicher Kinderratgeber (Knaur) und Dies ist mein Leib. Philosophische Texte zur Eucharistie-Debatte im 17. Jahrhundert (Wissenschaftliche Buchgesellschaft).
Systemvergleich: „Die Mängel der DDR waren wirklich lustig“, titelt Ulf Erdmann Ziegler über Hans-Ulrich Wehlers Deutsche Gesellschaftsgeschichte, deren fünften Band C.H. Beck jetzt herausgebracht hat. Dass die Bürger der DDR das auch sooo lustig fanden, darf positiv bezweifelt werden.
Wolfgang Günter Lerch schreibt einen Nachruf auf Ilhan Berk, den 1916 (oder 1918) geborenen türkischen Lyriker, der als Walt Whitman der Türkei galt.
Noch ein Literaturpreis: Gerhard Falkner erhält den Kranichsteiner Literaturpreis des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt.
Jürg Altwegg findet, dass der französische Literaturbetrieb wieder Fahrt aufnimmt. Er berichtet vom „Damenduell“ zwischen Christine Angot und Catherine Millet. Nun ja. Saša Stanišić mit seinem Wie der Soldat das Grammophon repariert ist in Frankreich zum Shooting-Star geworden.
Die Welt
Siedler blamiert sich mit einem fehlerhaften Buch über die September-Verschwörung gegen Hitler von 1938, schreibt Sven Felix Kellerhoff. Es geht um das Buch Die vergessene Verschwörung des US-Historikers Terry Parssinen – aber vergessen „kann man Osters Pläne vom September 1938 kaum nennen. In buchstäblich allen Standardwerken zum Widerstand gegen Hitler werden die Aktivitäten seines Kreises gegen den heraufziehenden Krieg erwähnt… Selbst im Siedler-Verlag sind mindestens drei Bücher erschienen, in denen die vermeintlich ‚vergessene’ Verschwörung … breit behandelt wird.“ Aber es kommt noch schlimmer: „Doch nicht nur sind Parssinens wesentliche Gewährsleute in Wirklichkeit äußerst fraglich – ihm fehlt offenbar auch die Sachkompetenz. Da heißt Gestapo-Chef Heinrich Müller auf einmal ‚Hermann Müller’“, und so geht es weiter. Klingt irgendwie ein bisschen nach einem neuen Historikerstreit.
Süddeutsche Zeitung
Gemeldet wird auch hier, dass Jenny Erpenbeck den Kölner Heimito-von-Doderer-Preis erhalten hat, siehe oben.
„Der alte Pferdefutterspeicher“: Der Burgschreiber von Beeskow Ralph Hammerthaler schreibt über die Kunst in der DDR am Beispiel des Archivs Beeskow. Im Frühjahr 2009 soll sein dritter Roman Katharina (41x) bei Matthes & Seitz erscheinen.
„Ein wenig fassungslos“, Alexander Kissler hat sich den Briefwechsel Margret Boveri, Ernst Jünger angesehen, der im Landtverlag erschienen ist. Außerdem hat er gleich Der stille Bürgerkrieg. Ernst Jünger und Carl Schmitt von Martin Tielke dazugenommen, dessen Verdienst die scharfe Konturierung einer „wechselseitigen Blindheit“ sei.
„Oasen im bedrohten Alltag“, Thomas von Steinaecker hat sich das Graphic Novel von Rutu Modan, Blutspuren aus der Edition Moderne vorgenommen, die geschickt kriminalistische und dokumentarische Elemente verbinde.
Annotiert wird unter „Seltsame Vögel, wahnwitzig“ John Keay Mit dem Kanu durch die Wüste. Sieben seltsame Forschungsreisen, für das Buch aus der Edition Tiamat hat sich Harald Eggebrecht begeistert.
„Schwarze Strümpfe, rote Fingernägel“, heißt Hannelore Schlaffers Rezension über Nora Iuga Gefährliche Launen bei Klett-Cotta. „Nora Iuga könnte man einen Artaud der Lyrik nennen“, befindet die Rezensentin.
Neue Zürcher Zeitung
Das Schweizer Blatt kümmert sich heute um die Junge Zielgruppe
„Zugestochen – tot und bum“, genauso dümmlich seien die Texte in dem Comic-Potpourri über Gewalt von Pernilla Stalfelt (Text und Bild) in Ich mach dich platt! Das Kinderbuch von der Gewalt im Moritz-Verlag. Rezensentin Angelika Overath findet: „In der Diskrepanz von pseudonaivem Text, der oft satirisch wirkt, und drastisch dargestellter Gewalt laviert das Buch zwischen Tabubruch und schlechtem Gewissen. Ob Kindern das gut bekommt, ist fraglich.“
„Ein knallharter Thriller“, findet Thomas Binotto zwar in dem Buch von Kevin Brooks: The Road of the Dead, (Deutscher Taschenbuchverlag), aber ist davon nicht begeistert. Das außergewöhnliche Motiv in dem Buch diene nur als dramaturgischer Kniff.
„Die Sehnsucht, ein anderer zu sein“, unter diesem Titel erkennt Andrea Lüthi in dem „packenden“ Künstlerroman von Floortje Zwigtman Ich, Adrian Mayfield aus dem Gerstenberg-Verlag ein rundherum gelungenes Buch.
Annotiert werden unter „GEOAI“ drei ausdrückliche Empfehlungen: Marjaleena Lembcke (Text), Heike Ellermann (Illustration): Der Gänsegeneral aus dem Hinstorff-Verlag, ebenso wie Martin Ebbertz (Text), Christine Brand (Illustration): Pech und Glück eines Brustschwimmers beim Sauerländer-Verlag, sowie Heinz Janisch (Text), Aljoscha Blau (Illustration), Das Kopftuch der Grossmutter aus dem Bajazzo-Verlag.
Unter „Bingokugeln im Kopf“, beschreibt Anja Knabenhans einen „perfekten Lesegenuss“, den sie in Andreas Steinhöfels Kinderroman Rico, Oskar und die Tieferschatten beim Carlsen-Verlag gefunden hat. „Andreas Steinhöfel hat ein berührendes Buch geschrieben, das beweist, wie verkehrt der Begriff ‚geistig behindert’ ist.“
Unter „Ein cooler Hahn namens Elvis“ zeichnet sgl seine/ihre Eindrücke des unkonventionellen Bilderbuchs Der Sonnenwecker von Martin Baltscheit (Text), Christoph Mett (Illustration) auf. Sgl ist angetan von dem Buch aus dem Bajazzo-Verlag: „Für eine gute Illustration muss ich nicht gut Hühner zeichnen können, sondern ich muss alles gut in Szene setzen.“
„Der Mensch Mohammed und seine Wirkung“, unter dieser Überschrift kommen dann noch drei Bücher für Erwachsene zur Sprache. Lukas Wick hat sich Titel angeschaut, in denen sich westliche Islamwissenschaftler mit dem Bild des Religionsgründers auseinandersetzen. Dazu gehören Hans Jansen, Mohammed – Eine Biografie. Verlag C. H. Beck und Tilman Nagel: Mohammed – Leben und Legende, Oldenbourg-Verlag, sowie Tilman Nagel: Allahs Liebling – Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammedglaubens, ebenfalls bei Oldenbourg.







