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Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Die Literaturszene betrat der gesuchte Verleger – gerade 21-jährig – unter einem weiblichen Pseudonym als Redakteur einer Frauenzeitschrift. Als Familiennamen wählte er den des Verlegers, dem er den Vornamen Meta voranstellte.

Seine eigene verlegerische Laufbahn startete er in Berlin mit einer Liebhaberbibliothek und der Übernahme eines im 73. Jahrgang erscheinenden Magazins, das er zusammen mit einem aus dem Elsass stammenden Autor herausgab. Finanziert hatte der gebürtige Österreicher – übrigens ein Klassenkamerad von Stefan Zweig – den Verlagsstart, indem er sich sein Erbteil auszahlen ließ.

Aber nicht in Berlin, sondern in einer gerade gegründeten Gartenstadt in einem benachbarten Königreich kam für ihn der verlegerische Kairos. Dort wandelte er seinen französischen Vornamen in dessen deutsche Form um, und unter diesem Namen ging er in die Verlags- und Typografiegeschichte ein.

Er begeisterte sich so für einen französischen katholischen Dramatiker (der von Hauptberuf Diplomat war), dass er dessen Werke übersetzte, verlegte und für die spektakuläre, europaweit beachtete deutsche Uraufführung eines seiner Hauptwerke sorgte – ein knappes Jahr, ehe in Europa die Lichter ausgingen. Auch einige andere zeitgenössische französische Autoren wurden von ihm als Übersetzer und Verleger für den deutschen Sprachraum entdeckt.

Aber ebenso bekannt wie als Verleger wurde er als Drucker, der einen eigenen typografischen Stil schuf, von einem bekannten Goldschmied und Metallhandwerker eine eigene Satztype entwickeln ließ und mit einem der begabtesten Buchbinder seiner Zeit – der seine Werkstatt gleich in der Nachbarschaft hatte – zusammenarbeitete. Der Sohn des Goldschmieds wurde übrigens – unter leichter Veränderung seines Familiennamens – als Essayist, Romancier sowie Chronist eines der bekanntesten deutschen Publikumsverlage (s. Heinold fragt, BuchMarkt 4/2008) und Biograf eines der großen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts bekannt, nachdem er aus der Emigration heimgekehrt war. Er hat in verschiedenen Erinnerungstexten ein anschauliches Bild des Verlegers hinterlassen, den er als Freund seines Vaters als Jugendlicher erlebt hat.

Der Verleger musste die Gartenstadt aus wirtschaftlichen Gründen, den grafischen Großbetrieb in Leipzig, der ihn aufnahm, aus rassistischen Gründen verlassen. Über Wien und London führte ihn sein Weg in die Schweiz, wo er nach dem Krieg als Imprint-Verleger unter seinem noch immer bekannten Namen im Rahmen einer Schweizer und einer deutschen (katholischen) Verlagsgruppe wieder verlegerisch tätig werden konnte. Buchmessebesucher pilgerten zum Stand seines Verlages, nur um ihn – inzwischen eine „Verlagslegende“ – munter plaudernd am Stand sitzen zu sehen.

17 Jahre nach Kriegsende starb er unmittelbar nach der Rückkehr von einer Buchmesse in seiner Schweizer Wahlheimat. Der nach ihm benannte Verlag mit Sitz in einer großen Verlagsstadt am Rhein gehörte zu den Gründungsgesellschaften eines bedeutenden Gemeinschaftsverlages (s. Heinold fragt, BuchMarkt 3/2008), ist aber heute nicht mehr verlegerisch, sondern als Beteiligungsgesellschaft tätig.

Heinold fragt: Um welchen Verleger handelt es sich (Vor- und Familienname)?

Senden Sie die Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 16. März 2009. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ von Wolfgang E. Heinold, 5. neubearbeitete Auflage, 239 S., Bramann 2007.}

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