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Im April auf Platz 1: Julia Schoch: „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“

Die unten aufgeführten 30 Literaturkritikerinnen und -kritiker nennen monatlich – in freier Auswahl – vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie „möglichst viele Leser und Leserinnen“ wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3). Die Addition ergab für den April folgendes Resultat:

1. JULIA SCHOCH: Mit der Geschwindigkeit des Sommers
Roman. Piper Verlag, 160 Seiten, € 14,95
Alles beginnt mit dem Selbstmord der Schwester in New York. Nach der Wende war sie im Osten geblieben, im alten Leben. Der Traum von Freiheit war plötzlich keiner mehr, sondern Wirklichkeit. Aber das Leben darum ohne Sehnsucht.

2. PER OLOV ENQUIST: Ein anderes Leben
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt.
Carl Hanser Verlag, 544 Seiten, € 24,90
Eine Autobiographie, ein dokumentarischer Roman über Per Olov Enquist. Ein Drama in drei Akten: die Kindheit in einem abgelegenen Dorf, die religiöse Mutter, der fehlende Vater, dann der Erfolg als Sportler, der schriftstellerische Durchbruch und schließlich der Absturz in die Alkoholsucht.

3. WALTER KAPPACHER: Der Fliegenpalast
Residenz Verlag, Band I: 176 Seiten, € 17,90
„Wie Walter Kappacher diese Gedanken, Assoziationen und Übersprungshandlungen zu Ketten und Sätzen verwebt, in die sich jemand immerfort verheddert, ohne dass der Leser, dem das alles klar und stark vor Augen steht, je in Mitleidenschaft gezogen würde, ist großartig, … Walter Kappacher gibt Hugo von Hofmannsthal eine Stimme, einen Ton, als dieser selbst keinen hat – ein faszinierendes literarisches Solo.“ (Felicitas von Lovenberg)

4. HÉLÈNE BERR: Pariser Tagebuch 1942 – 1944
Aus dem Französischen von Elisabeth Edl.
Carl Hanser Verlag, 320 Seiten, € 21,50
Paris im Frühjahr 1942: Hélène Berr ist 21, sie liebt Literatur, Musik. Und dann ist sie plötzlich nur noch Jüdin. Sie führt Tagebuch über das Unrecht, das um sie herum geschieht. 1945 wird sie im KZ Bergen-Belsen sterben – kurz vor der Befreiung.

5. REINHARD JIRGL: Die Stille
Roman. Carl Hanser Verlag, 536 Seiten, € 24,90
Einhundert Fotografien, zwei Familien, ein Jahrhundert: Reinhard Jirgl entwirft ein monumentales Panorama deutscher Unheilsgeschichte – ohne Ausweg, ohne Hoffnung. „Leben ist eine ansteckende Krankheit, zu heilen durch Nichts,“ heißt es am Ende.

6. THOMAS KLUPP: Paradiso
Roman. Berlin Verlag, 208 Seiten, € 18,00
Ein Blender, der sich alles glaubt, einer, der verachtet und denkt, er würde lieben: Eigentlich will Alex Böhm nach München zum Flughafen, aber dann landet er unversehens in seiner Heimatstadt. Auch kein Problem. Das Paradies bin doch ich.

7. – 8. SIBYLLE LEWITSCHAROFF: Apostoloff
Roman. Suhrkamp Verlag, 245 Seiten, € 19,80
„Ein Buch, das man, wenn man will, durchaus als literarisches Roadmovie lesen kann – falls man sich erinnert, wie gar nicht selten in der deutschen Literatur unserer Zeit das Unterwegssein als Katalysator für Vorgänge der Entledigung gedient hat. Die Erzählerin in „Apostoloff“ entledigt sich des Vaters oder doch zumindest seiner Überreste.“ (Julia Schröder)

RALF ROTHMANN: Feuer brennt nicht
Roman. Suhrkamp Verlag, 304 Seiten, € 19,80
Alina und Wolf, sie Buchhändlerin, er Schriftsteller, ziehen fort von Berlin an den Müggelsee. Alles scheint seinen Beziehungsgang zu gehen. Dann trifft Wolf Charlotte wieder, eine frühere Geliebte. Aber ist Sex die Antwort auf die Frage: Wer bin ich?

9. 100 Gedichte aus der DDR
Herausgegeben von Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach.
Wagenbach Verlag, 176 Seiten, € 16,90
„Es ist ein (lyrischer) Grabstein für eine deutsche Volksdemokratie, die vor zwanzig Jahren vom eigenen Volk gestürzt worden ist. Die Poesie, die dort entstanden war, zeigt noch einmal Angst und Schrecken, Anspruch und Wirklichkeit der DDR, das heißt den ganzen „Wahnsinn“.“ (Martin Lüdke)

10. ALEKSANDAR HEMON: Lazarus
Roman. Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein.
Knaus Verlag, 352 Seiten, € 19,95
„Hemon gelingt mit „Lazarus“ so etwas wie die Quadratur von Susan Sontag und Jonathan Safran Foer. Autobiografische Fiktion multipliziert mit historischer Rekonstruktion plus Exkurs über fotografisches Erzählen mal philosophischer Ausfahrt ins Wesen des Erzählens.“ (Elmar Krekeler)

Persönliche Empfehlung im April von Martin Lüdke (Frankfurt):

PETER ALTENBERG: Das Buch der Bücher
Zusammengestellt von Karl Kraus
Herausgegeben von Rainer Gerlach.
Wallstein Verlag, 3 Bände, 1006 Seiten, € 49,00
„Der Caféhaus-Literat Peter Altenberg war ein großer Meister der kleinen Form. Das, was am Rande liegen geblieben war, hat er ins Zentrum gerückt. Seine Poesie des Alltags bezaubert auch heute noch, eine Jahrhundertwende später. Karl Kraus, sein lebenslanger Freund, hat dieses „Buch der Bücher“ zusammengestellt.“(Martin Lüdke)

Diskussionssendung zur „Bestenliste“ im Hörfunk:
SWR2 Literatur
Dienstag, 7. April um 22.05 Uhr
über Bücher der April-Bestenliste diskutieren
Martin Ebel, Peter Hamm, Kirsten Voigt; Moderation: Eberhard Falcke

Literatur im Fernsehen:

Freitag, 3. April um Mitternacht im SWR Fernsehen
Wiederholung am Sonntag, 24. Mai um 10.15 Uhr in 3sat
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
Gast: Wolf Biermann

Sonntag, 5. April um 10.15 Uhr in 3sat
(Wiederholung vom 20. März, SWR Fernsehen)
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
„20 Jahre Mauerfall – ein literarischer Rückblick“
Gäste: Claudia Rusch, Susanne Schädlich und Jutta Voigt

Freitag, 17. April um Mitternacht im SWR Fernsehen
Wiederholung am Sonntag, 26. April um 10.15 Uhr in 3sat
„Literatur im Foyer“ mit Felicitas von Lovenberg
„Lyrik“ mit Nico Bleutge, Ulrike Draesner, Peter von Matt,
Albert Ostermaier, Marcel Reich-Ranicki

Freitag, 24. April um Mitternacht im SWR Fernsehen
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
Gäste: Joachim Gaertner u.a.

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