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Jahreshauptversammlung des Verbands in Berlin

Götz Grauert, Mathias Gehle (v. l.)

Zwei Tage lang tagt der Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt in Berlin. Bei der Mitgliederversammlung, die gestern zum vierten Mal in Folge in Berlin stattfand, wurde Mathias Gehle (Valora Retail) zum neuen Vorsitzenden des Verbandes gewählt. Sein Vorgänger Götz Grauert stand nach über acht Jahren nicht mehr für das Amt zur Verfügung. Neuer zweiter Vorsitzender ist Friedrich Hacker, Geschäftsführer von Schmitt & Hahn. Im Amt bestätigt wurden Schatzmeister Michael Falter und Rechnungsprüfer Daniel Seidl.

Die Bahnhofsbuchhändler haben im vergangenen Jahr 12 Millionen Euro in die Renovierung und Erweiterung Ihrer Standorte investiert, betonte Götz Grauert heute bei der öffentlichen Jahreshauptversammlung. Der Bahnhofsbuchhandel bleibe damit ein nicht austauschbares Qualitätsmerkmal für die Bahnhöfe und bereichere sie als willkommene Oase der Kultur. Insgesamt blicke die Branche auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Zwar sei der Absatz von Zeitungen und Zeitschriften leicht zurückgegangen, die Bereitschaft der Kunden, für hochwertige gedruckte Inhalte einen angemessenen Preis zu zahlen sei aber gestiegen. Ihr Hauptgeschäft hätten die Buchhändler vor allem mit Special-Interest-Titeln gemacht. Kreative anspruchsvolle Printtitel hätten heute gute Chancen, so Grauert.

André Zeug, der Vorstandsvorsitzende der DB Station & Service hob die wichtige Rolle des Bahnhofsbuchhandels mit einem Jahresumsatz von rund 400.000 Euro hervor und kündigte Investitionen der Bahn in Großprojekte wie Stuttgart, Dresden und Frankfurt am Main an.

Giovanni di Lorenzo

Flughäfen und Bahnhöfe würden in Zukunft die neuen Shoppingcenter, sagte Mathias Gehle in seiner Antrittsrede. Den Kunden müsse mit Design und Ladenbau, mit klaren Strukturen, einer übersichtlichen Gestaltung und einem ansprechenden Ambiente ein Anreiz geboten werden.

Gastredner Giovanni di Lorenzo zeigte „Warum es sich lohnt für Qualität zu kämpfen“, wenn es keinen Qualitätsjournalismus mehr gebe, sterbe auch die Lesekultur. Der Chefredakteur der ZEIT warnte davor, aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen. Hochwertige Produkte bedürften gerade jetzt der Pflege und es sei gefährlich dem Leser zu vermitteln, die Zukunft liege woanders. In Zeiten der Krise suchten die Menschen nach Beständigkeit, so di Lorenzo. „Die Zeitungen der Zukunft sind nicht der Fluss, sie sind das Ufer“, sagte er und entwarf zehn Gebote für die Zukunft der Printmedien, die das Publikum mit lang anhaltendem Applaus quittierte.

Marc Sasserath

Marc Sasserath, Gründungspartner der Musiol Munziger Sasserath – Gesellschaft für umsatzorientierte Markenberatung und –entwicklung, sprach über das „Glück der Marke“. Qualität, Nachhaltigkeit und Nähe bekämen künftig ein neues Geweicht. Die Kunden seien bereit für guten Service und Beratung mehr Geld auszugeben. Es gelte daher Vertrauen aufzubauen. Dazu trügen auch die Kompetenz und die Freundlichkeit der Mitarbeiter bei. Forschungen seines Instituts haben ergeben, dass Tageszeitungen ein hohes Vertrauen genießen, gefolgt von Brauereien und Lebensmitteldiscountern. Als relevante Kriterien für eine Marke mit Manifestationscharakter nannte Sasserath: nützlich, interessant und interessiert.

Benjamin von Stuckrad Barres Vortrag unter dem Motto „www – wenn ich auf das Ende seh‘. Warum Papier auch 2010 noch toll und wichtig ist“ wurde zu einer äußerst humorvollen

Benjamin von Stuckrad-Barre

Liebeserklärung an die gedruckte Zeitung. Trotz IPad werde er jeden Tag in den Laden gehen und sich „einen Stapel Papier“ holen. Statt Angst vor der Digitalisierung zu haben, sollten die Verlage selbstbewusst hinter ihrem guten Produkt stehen und nicht verschämt mit ihrer Kernkompetenz umgehen. Es komme einem Platzverweis gleich, wenn Zeitungen ihre Leser ins Internet locken, das Stuckrad-Barre als nimmersatte Fund- und Müllgrube bezeichnete. An die Buchhändler appellierte der Schriftsteller: Machen Sie Ihre Läden schöner! Stellen Sie Sofas auf! Und schenken Sie Ihrem Personal Bücher! Denn die Mitarbeiter sollten sich mit Literatur auskennen und das Gespräch mit den Kunden suchen.

ML

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