
bei der Beantwortung der Fragen
Seit dem Nikolaustag und noch bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) befragen wir täglich in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantworten Argon-Programmleiterin Heike Schmidtke und Argon-Vertriebs-und Marketingleiter Kilian Kissling (Foto) unseren „anderen“ Fragebogen.
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Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Heike Schmidtke: Es war wohl die Vertreterkonferenz am 30. März. Selten zuvor haben wir bei der Vorstellung unseres Programms soviel Zuversicht gespürt. Am Abend haben wir die Vertreter und die Vertriebs- und Marketingkollegen zum Essen in das Literaturhaus Frankfurt eingeladen, um mit ihnen auf unsere fünf ersten Jahre als Hörbuchverlag anzustoßen.
Kilian Kissling: Es war ein wunderschöner Abend. Wenn es einen Moment in diesem Jahr gab, an dem der große Schritt nach vorne für uns besonders spürbar war, dann war es dieser Tag.
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Worüber haben Sie sich 2010 am meisten geärgert?
HS: Über die Berichterstattung einiger Branchenmedien als die Hörbuch-Marktdaten für 2009 veröffentlicht wurden. Da ist das Jahr 2009 sowohl im Umsatz als auch im Absatz das bisher stärkste Jahr seitdem es deutsche Hörbücher gibt und nur weil das Wachstum nicht mehr zweistellig ist wie in besten Potter– und Kerkeling Jahren, lese ich da von „Krise“ und „Stagnation“. Noch was: Die Helene-Hegemann-Debatte. Mir fällt bei bestem Willen kein anderes Thema in den letzten Jahren ein, bei dem so die Begrifflichkeiten durcheinandergeraten sind.
KK: Wir bieten seit Jahren auf unserer Internet-Seite einen Gratis-Download an und es deprimiert mich, mit welchem Ton sich manche Kunden beschweren, wenn etwa das für Tag x angekündigte Kapitel nicht um 0:01 Uhr, sondern erst um 9:11 Uhr online ist.
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Was war 2010 Ihr schönster Erfolg?
KK: Eine dieser Beschwerden haben wir – natürlich anonymisiert – mal auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht und es war eine wahre Freude, wie der Kleingeist des Nörglers von unseren „Gefallern“ zerpflückt wurde.
HS: Ich habe mich besonders über den Erfolg von Morgan Callan Rogers‚ Rubinrotes Herz, eisblaue See gefreut, ein wunderbares Hörbuch, an dessen Umsetzung wir alle mit viel Herzblut gearbeitet haben.
KK: Der Erfolg von Hummeldumm war natürlich auch ein Traum, schließlich war er vor allem in dieser Dimension nicht zu erwarten.
HS: Es hat mich sehr, sehr gefreut, wie das Publikum sich von Tommy Jaud als Sprecher hat überzeugen lassen. Hummeldumm ist das erfolgreichste Hörbuch unserer Verlagsgeschichte – und zu Recht!
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Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
KK: Die Verkaufszahlen unserer LYX-Hörbücher. Traurig, weil wir zu keiner anderen Serie mehr Zuschriften erhalten haben und es die Reihe im Buchhandel dennoch so schwer hat.
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Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
HS: Ines Krüger von der Buchhandlung am Baumschulenweg hat mich als engagierte und kreative Buchhändlerin zutiefst beeindruckt.
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Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
KK: Außer über „Krise“ und „Stagnation“ auch nichts mehr über „Preisverfall“, einer der Fälle, wo ich für sprachliche Abrüstung plädiere. Hörbücher sind im Vergleich zu vor 5 oder 10 Jahren preiswerter geworden, klar. Es werden aber auch etwa 4 mal mehr Hörbücher verkauft als vor 10 Jahren, also eigentlich ein recht natürlicher Prozess nicht unähnlich dem bei Flachbild-Fernsehern oder Handy-Tarifen.
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Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
KK: Schreib doch mal einer: Noch nie gab es soviel gutes Hörbuch fürs Geld wie heute!
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Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
KK: Nicht direkt ein Fehler aber ein Projekt, das nicht so ausgegangen ist, wie wir gehofft haben, war unsere „Little-Brother-Befreiung“. Wir haben sehr viel Energie in dieses Projekt investiert und mussten uns nachher von Menschen beschlaumeiern lassen, die das ganze noch nicht mal richtig verstanden haben.
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Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
HS- Wir werden sicher immer wieder Neues ausprobieren, auch bei ungewissen Erfolgsaussichten. Bei Little-Brother haben wir eine Menge gelernt. Und obendrein hat es Spaß gemacht.
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Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
HS: Deine Juliet von Mary Ann Shaffer ist mir so nahegegangen, dass wir es im Frühjahr als Hörbuch (mit 18 verschiedenen Sprechern, u.a. Luise Helm, Johannes Steck, David Nathan und Helmut Krauss) umsetzen werden, obwohl das Buch bereits 2008 erschienen ist und erst als Taschenbuch den wirklich verdienten Erfolg erfährt.
KK: Vor etwa zwei Jahren haben es mir die Kollegen von Rotbuch nebenan geschenkt, jetzt im Urlaub hatte ich die Muße: Der König von Albanien von Andrea Izqierdo. Ein herrlicher Schelmenroman! Und aus Marketing-Sicht: Stricken mit Magdalena Neuner von Frech. Tolle Idee!
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Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
HS: Da gibt es so viele: Deine Juliet habe ich bereits erwähnt, Siri Hustvedts neuer Roman Der Sommer ohne Männer ist ein Traum (gelesen von der wunderbaren Eva Mattes), Peter Wawerzineks Rabenliebe, der neue Roman von Simon Beckett …
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Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
KK: Von Toni Mahoni, der jetzt auch Buchautor ist…
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Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
HS: Bei wem möchten Sie sich für dieses tolle Jahr besonders bedanken?
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Hier können Sie die auch beantworten…
HS: In diesem Jahr ganz besonders bei unseren Vertretern.
KK: Sie waren mit starken Programmen von Fischer und Argon unterwegs und hatten bei all den großen Themen die Kraft, unseren Backlist-Umsatz im Sortiment zu verdoppeln.
Zum vorigen Beitrag [mehr…]. Morgen antwortet Monika Kolb-Klausch.