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Der Internationale Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt 2012 an Mircea Cărtărescu

Der Internationale Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt 2012 [mehr…] geht an den rumänischen Autor Mircea Cărtărescu für den Roman Der Körper, erschienen 2011 im Paul Zsolnay Verlag, Wien, sowie an die Übersetzer Gerhardt Csejka und Ferdinand Leopold für ihre gemeinsame deutsche Erstübersetzung.

Der Autor erhält 25.000 Euro, die Übersetzer 10.000 Euro. Der mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Preis wird 2012 zum vierten Mal verliehen.

Die Jury begründet ihre Wahl so: „Dem rumänischen Autor Mircea Cărtărescu ist mit Der Körper ein fulminanter Roman und sprachlich elektrisierendes Kunstwerk von seltener Intensität und Leuchtkraft gelungen. Die Selbsterkundung des Ich-Erzählers Mircea wird zur Welterkundung und breitet ein literarisch vernetztes Denken aus, das kleinste und größte Elemente der Existenz zusammenführt, das Denken und Sprechen in neuronaler Metaphorik mit dem Kosmos verwebt. ‚Der Körper’ gleicht einem grellbunten Kaleidoskop aus Bewusstseinssplittern und Kindheitserinnerungen, familiengeschichtlichen Episoden und Bildern des unter Ceauşescu in großen Teilen zerstörten Bukarests, aus politischen Momentaufnahmen seiner Herrschaftszeit und phantastischen, elektrisierenden Gedankenflügen. Gerhardt Csejka und Ferdinand Leopold haben den bilderreichen, aberwitzig surrealen Stil des Buches und die innovative Sprachpotenz dieses faszinierenden Textgewebes meisterhaft ins Deutsche übertragen, indem sie die eigene Imaginationskraft der deutschen Sprache neu und schöpferisch ausloteten.“

Die Jurymitglieder des Jahres 2012:
Egon Ammann (ehemaliger Verleger), Haus Christoph Buch (Schriftsteller), Kersten Knipp (Kulturjournalist, Literaturkritiker), Marie Luise Knott (Kritikerin, Übersetzerin), Claudia Kramatschek (Literaturkritikerin, Kulturjournalistin), Ricarda Otte (Kulturredakteurin Deutsche Welle), Ilma Rakusa (Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin)

Mircea Cărtărescu wurde 1956 in Bukarest geboren und veröffentlicht seit 1978 Gedichte und Prosa. Zahlreiche Aufenthalte im Westen (u. a. in Berlin, Stuttgart, Wien). Seit 1991 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für rumänische Literaturgeschichte der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität von Bukarest, zwischen 1994 und 1995 unterrichtete Cărtărescu als Gastprofessor an der Universität in Amsterdam. Der Autor lebt heute wieder in Bukarest.
Sein Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wie etwa mit dem Vilencia-Literaturpreis (2011) oder dem Preis der rumänischen Schriftstellervereinigung (2000).

Gerhardt Csejka wurde 1945 im rumänischen Zăbrani geboren. Er studierte Germanistik und Romanistik. 1986 war er DAAD-Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms. Seit 1989 lebt er in Frankfurt am Main. 1990 bis 2003 hatte Csejka Lehraufträge für rumänische Sprache und Landeskunde an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne. 2008 erhielt er den Übersetzerpreis der Kulturstiftung NRW für die Übersetzung des ersten Trilogie-Bandes „Die Wissenden“ von Mircea Cărtărescu. Ferdinand Leopold wurde 1960 in Bukarest geboren. Er studierte Indologie, Philosophie und Tibetologie an der Universität Hamburg. Seit 1988 ist er als freier Übersetzer literarischer und philosophischer Texte tätig.

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 6. Juni um 20 Uhr, im Haus der Kulturen der Welt statt. Der von der Stiftung Elementarteilchen und dem Haus der Kulturen der Welt verliehene Preis wird von seinem Stifter Jan Slovak und vom Intendanten des Hauses Prof. Dr. Bernd M. Scherer überreicht. Die Festrede hält Péter Esterházy. Nina Petri liest aus der deutschen Übersetzung, der Autor aus dem Originaltext. Die Verleihung moderiert Sigrid Löffler.

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