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Heinold fragte im April nach Karl May Verlag

bild(26626)Hier die komplette Lösung des Rätsels [mehr…]: Die Arbeit dieses Verlages ist in erster Linie dem Leben und Werk des Schriftstellers Karl May gewidmet. Karl Friedrich May wurde 1842 in Ernstthal (heute Hohenstein-Ernstthal) geboren und starb 1912 in Radebeul bei Dresden. Nach Verbüßung von Haftstrafen wegen Betrugs und Hochstapelei gelang ihm der Aufstieg vom Kolportage- zum angesehenen Erfolgsautor. Der nach ihm benannte Verlag wurde am 1.7.1913 in Radebeul unter der Bezeichnung „Verlag der Karl-May-Stiftung Fehsenfeld & Co.“ gegründet. 1915 wurde er in „Karl-May-Verlag Fehsenfeld & Co.“ umbenannt. Gründungsgesellschafter waren:

> Klara May geb. Bleibler verw. Plöhn (1864 – 1944), Karl Mays zweite Frau
> der Freiburger Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld (1853 – 1933)
> der Jurist Dr. Euchar Albrecht Schmid (1884 -1951)

Als Grundstock übernahm das neue Unternehmen die bis 1910 erschienenen 33 Bände der „Gesammelten Reiseromane“, die so genannte Grüne Reihe aus dem Fehsenfeld Verlag. Es entwickelte daraus zwischen 1913 und 1939 die Radebeuler Ausgabe „Gesammelte Werke“. Dies geschah u. a. durch Übernahme der Jugenderzählungen aus der Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, durch Zusammenfassung von Lieferungsromanen und zerstreuten Texten sowie Aufnahme von autobiografischen Schriften in die Reihe. Die „Gesammelten Werke“ werden vom Verlag bis heute fortgesetzt und sind bei Band 93 angelangt.

Eine Rufmord-Kampagne gegen den Autor ging vornehmlich auf den Journalisten Rudolf Lebius (1868 – 1946) zurück, der von dessen Vorstrafen erfahren und ihn zu erpressen versucht hatte. Auch seinerzeit maßgebliche Literaturkritiker griffen ihn an, so der Feuilleton-Redakteur der „Frankfurter Zeitung“ Fedor Mamroth (1851 – 1907) und der Gründer des Dürerbundes und „Kunstwart“-Herausgeber Ferdinand Avenarius (1856 -1923).

Mit dem Verlag H.G. Münchmeyer in Dresden, für den Karl May nach der Haftentlassung Kolportageromane geschrieben und verschiedene volkstümliche Zeitschriften redigiert hatte, kam es zu langwierigen urheberrechtlichen Auseinandersetzungen. Der Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer (1836 – 1892) war von Hause aus Zimmerergeselle und Dorfmusikant und hatte sich auf Trivialliteratur spezialisiert. Im Jahre 1901 hatte Adalbert Fischer (1855 – 1907) den Verlag erworben und ursprünglich anonym erschienene Romane von May gegen dessen Willen unter dem Namen des nunmehr berühmt gewordenen Autors wieder aufgelegt. Der Karl-May-Verlag Radebeul beendete die gerichtlichen Auseinandersetzungen, stellte den Ruf des Autors wieder her und führte dessen Werke zu ungeahnten Auflagehöhen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergaben die Karl-May-Verleger, die in Radebeul keine Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Produktion erhalten hatten, von 1948 bis 1954 Lizenzen an die Globus Verlagsgesellschaft Hamburg, die Bayerische Verlagsanstalt Bamberg, die Keysersche Verlagsbuchhandlung Heidelberg und den Verlag Carl Ueberreuter in Wien.
Alle Rechte an den Werken von Karl May lagen ab 1.1.1950 beim Bamberger Verlag Joachim Schmid (einem Sohn des Gründers) und ab 1.1.1952 beim USTAD-Verlag Gebr. Schmid in Bamberg, benannt nach einer Figur im Spätwerk von Karl May (Ustad = Meister; ein eindeutiges Selbstporträt).

An den USTAD-Verlag gingen nach Ablauf der Lizenzverträge Herstellung und Vertrieb der Karl-May-Titel über. Erst am 1.8.1959 konnte der Verlag offiziell seinen Sitz von Radebeul nach Bamberg verlegen und wieder unter seinem Namen auftreten. Nach Mays testamentarischem Willen war nämlich 1913 eine Karl-May-Stiftung u. a. zur Unterstützung bedürftiger Schriftsteller, Journalisten und Redakteure errichtet worden, der das gesamte Vermögen Karl Mays, später auch Klara Mays und die aus der Nutzung der Werkrechte entstandenen Gewinne zuflossen. Die Stiftung stand unter dem Vorstand des Kgl. Sächsischen Kultusministeriums und seiner Nachfolge-Institutionen. Sie übernahm 1944 Klara Mays Verlagsanteil, bestand in der DDR weiter und schied 1959 als Gesellschafterin des Verlages aus. Sie übernahm die Radebeuler Immobilien und erhielt eine Entschädigung von 50.000 DM.

Die Stiftung ist heute Eigentümerin der Karl May Museum gGmbH Radebeul. Ein vom Karl-May-Verlag mit Teilen aus dem Nachlass des Autors in Bamberg gegründetes Museum wurde 1995 aufgelöst, die Exponate wurden von der Stiftung zurückgekauft und gingen nach Radebeul zurück. In anderer Trägerschaft befindet sich ein weiteres Karl-May-Museum im Geburtshaus in Hohenstein-Ernstthal.

1987 begannen Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger mit der Herausgabe einer Historisch-Kritischen Ausgabe „Karl Mays Werke“ im Franz Greno Verlag Nördlingen. Sie ging für kurze Zeit an den Haffmanns Verlag in Zürich über, wurde von 1993 bis 2007 im Bücherhaus Bargfeld verlegt und wird seit 2008 gemeinschaftlich von der Karl-May-Stiftung, der Karl-May-Gesellschaft und dem Karl-May-Verlag betreut. Sitz der Karl-May-Gesellschaft ist Radebeul. Ihre Jahrbücher erscheinen im Hansa-Verlag Ingwert Paulsen jr. in Husum.
Meine Angaben zur Verlagsgeschichte stützen sich auf die umfangreiche ältere und jüngere Sekundärliteratur zu Karl May, vor allem aber auf:

Hartmut Borchert: Karl-May-Straße 8 –eine Verlags-Chronik. In: 75 Jahre Karl-May-Verlag. Bamberg: Karl-May-Verlag 1988

Jürgen Wehnert: Zur abenteuerlichen Textgeschichte Karl Mays. In: Helmut Schmiedt (Hrsg.): Karl May. Frankfurt/Main: Suhrkamp 1983

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