Die Lüthy + Stocker AG in Solothurn ist die Preisträgerin des Solothurner Unternehmerpreises 2013 (BuchMarkt berichtete [mehr…]). In den Augen der Jury erfüllt die vor 175 Jahren in Solothurn gegründete Buchhandlung das Jahreskriterium „Bewährtes erfolgreich im Wandel der Zeit“ am eindrücklichsten, da „das Unternehmen seit seiner Gründung sowohl die Änderungen der Kundenbedürfnisse wie auch den technologischen Wandel stets rechtzeitig erkannt und sich erfolgreich immer wieder neu rund um das
Kulturgut Buch auf den Markt ausgerichtet hat.“ Grund genug für BuchMarkt mit Simone Lüthy, die die Buchhandlung nun schon in der 4. Generation führt, über diesen Erfolg zu sprechen.
BuchMarkt: Frau Lüthy, haben Sie mit dem Preis gerechnet?

Simone Lüthy: Nein, das kam völlig unerwartet. Wir fühlen uns geehrt!
Ihre Buchhandlung ist heute eine der größten Buchhandlungen der Schweiz. Sie haben es geschafft, ein bewährtes Geschäftsmodell immer wieder neuen Umständen anzupassen. Verraten Sie uns, wie Sie es schaffen, auch in turbulenten Zeiten für Buchhandlungen erfolgreich zu sein?
Wir versuchen rechtzeitig, Entwicklungen vorauszusehen und Trends zu erkennen. Vor 20 Jahren haben wir erkannt, dass es an der Zeit ist, aus der Regionalität auszubrechen: Wir haben expandiert und uns flächenmäßig vergrößert. Auch die Ladengestaltung wurde verändert, die Bücher anders präsentiert. Besonders wichtig war, dass wir das Thema Internet früh genug erkannt und entsprechende Investitionen gemacht haben: Bereits 1996 haben wir die Online Buchhandlung www.buchhaus.ch gegründet.
Was waren denn Veränderungen in jüngerer Vergangenheit?
Wir haben vor allem in den Online-Shop investiert und E-Books integriert. Die Nachfrage nach E-Books ist da und der Kunde soll diese auch über uns beziehen können. Wir haben viele Reader getestet und bieten unseren Kunden verschiedene Modelle wie zum Beispiel den Cybook Odyssey mit eigenem Shop oder den Sony Reader an. Wichtig ist es, den Kunden auch beraten zu können. Denn das erwartet er von seiner Buchhandlung! Außerdem gibt es bei uns seit kurzem auch elektronische Geschenkkarten, die der Kunde auch ganz bequem zuhause am PC einlösen kann.
Spielt auch mobile Commerce bei Ihnen eine Rolle?
Na klar, da mittlerweile fast jeder ein internetfähiges Handy besitzt, realisierten wir auch eine mobile Version unseres Online-Shops für das Smartphone. All diese Programmierungen kosten natürlich erst einmal und werden sich noch bewähren müssen. Wir glauben aber, dass es nötig ist, erste Schritte zu tun und Wissen aufzubauen.
Wie schaffen Sie diesen Spagat zwischen Tradition und Wandel?
Wir sind offen gegenüber neuen Entwicklungen und Veränderungen. Wir versuchen, diese nicht als Bedrohung zu sehen und auch mal Investitionen zu wagen – diese dürfen natürlich keine Schnellschüsse, sondern wollen gut überlegt sein. Dabei ist es uns ein Anliegen, unsere Verbundenheit mit dem Buch nicht aus den Augen zu verlieren. Unser buchhändlerisches Wissen wollen wir weiter pflegen und dabei die neuen Möglichkeiten nützen.
Ihr Tipp lautet daher wie?
Nie stehen bleiben, aber gleichzeitig auch nicht das aufgeben, was man gut kann! Besonders wichtig ist auch, die Mitarbeiter auf diese Reise mitzunehmen und das Verständnis für Neues zu wecken. Denn sie sind es, die ihre Begeisterung für Bücher auf den Kunden überspringen lassen. Gut ausgebildete Mitarbeiter, die Spaß an ihrem Job haben, und sich immer auf dem Laufenden halten – das streben wir an.
Was würden Sie als Ihre Stärken bezeichnen?
Auf jeden Fall unsere Mehrgleisigkeit, wir versuchen den Kunden auf vielfältige Art und Weise anzusprechen und zu beraten, ob in der Buchhandlung, im Online-Shop, per Mail oder am Telefon. Wir sind offline wie online auf den ’social media‘ Plattformen präsent.
Das Preisgeld beträgt 20.000 Franken, also umgerechnet circa 16.000 Euro. Wissen Sie schon, was Sie damit machen?
Mit dem Geld möchten wir im Rahmen des 175-Jahr-Jubiläums ein Firmenfest organisieren. Doch dabei gibt es noch ein kleines Problem: Wir kriegen wohl nie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einem Ort zusammen. Der Laden am Bahnhof Aarau zum Beispiel hat 7 Tage pro Woche geöffnet…