Politische Entscheidungen prägen die Zukunft der deutschen Buchbranche – da will gerade der Nachwuchs, der die ganze Zukunft noch vor sich hat, wissen, wem er durch seine Stimme die politische Macht verleiht. Deswegen haben Lisa Maria Keil und Jana Zawadzki, die beiden Nachwuchssprecherinnen des Börsenvereins, zusammen mit ihrem Vorgänger Tony Stubenrauch Wahlprüfsteine verfasst und diese an die etablierten Parteien geschickt. Diese Initiative war Anlass für ein paar Fragen.
BuchMarkt: Wie sind Sie auf die Idee der Wahlprüfsteine gekommen?

© Monique Wüstenhagen
Tony Stubenrauch: Als wir uns zu dritt zum Übergabegespräch für das Amt des Nachwuchssprechers auf dem mediacampus getroffen haben, erfuhren wir von der Idee von Matthias Ulmer, der Nachwuchs könnte doch Fragen zur kommenden Bundestagswahl formulieren. Wir waren sofort begeistert von dem Vorschlag und haben beschlossen, das als Projekt zu dritt zu initiieren.
Für Sie das Abschlussprojekt als Nachwuchssprecher…
Genau, das noch gemeinsam mit meinen Nachfolgerinnen auf die Beine zu stellen, war für mich persönlich dann auch ein schöner Schlusspunkt meiner zweijährigen Arbeit als Nachwuchssprecher und eine gute Möglichkeit, Jana und Lisa durch die Zusammenarbeit ganz nebenbei den Beginn ihrer Amtszeit etwas zu erleichtern.
Aber wieso wollten Sie mit den eigenen Wahlprüfsteinen überhaupt die Initiative ergreifen?

Lisa Maria Keil (r.)
© Monique Wüstenhagen
Jana Zawadzki: Politik geht jeden etwas an und wenn man die Möglichkeit bekommt, Politiker so direkt zu Themen zu befragen, die einen selbst betreffen, aber in den Wahlkampf eher keinen Eingang finden, dann sollte man sie nutzen. Außerdem möchten wir eine Lanze für unsere Generation brechen und zeigen, dass entgegen der weitläufigen Meinung durchaus auch junge Menschen Interesse an der Politik haben.
Interessieren sich junge Menschen denn wirklich für Politik? Sonst ist ja eher von Politikverdrossenheit bei jungen Menschen die Rede…
Lisa Maria Keil: Das stimmt, in den Medien wird oft von der Politikverdrossenheit der jungen Generation gesprochen. Das Problem liegt aber unserer Meinung nach eher darin, dass diese jungen Menschen oftmals keine Möglichkeit sehen, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen oder dass sie sich von der Politik nicht ernst genommen fühlen. Wer von vornherein denkt, dass seine Stimme sowieso nichts bewirken kann, der geht natürlich nicht zur Wahl…
…Und dem wollen Sie entgegen wirken?
Ja, wir hoffen, dass wir mit unserem Projekt ein Zeichen setzen können für diejenigen, die Politik und ihre Akteure als unerreichbar und fern der eigenen Lebensrealität sehen.
Mit Erfolg?
Jana Zawadzki: Die Rückmeldungen des Nachwuchses zu unserem Projekt zeigen auf jeden Fall, dass politisches Interesse da ist und dass die Relevanz politischer Entscheidungen für unsere Zukunft auch erkannt wird.
Wie sind Sie bei der Entwicklung der Wahlprüfsteine vorgegangen?
Tony Stubenrauch: Zunächst haben wir uns gemeinsam zusammengesetzt und überlegt, welche Themen wir ansprechen möchten. Diesen ersten Entwurf haben wir dann über unseren Newsletter an über 1.000 Nachwuchskräfte mit der Bitte verschickt, uns einerseits Feedback zu unseren Überlegungen zu geben – haben wir die richtigen Fragen richtig gestellt? – und uns andererseits weitere Themen als Ergänzung zu nennen. Diese zahlreichen Rückmeldungen haben wir dann in unseren Fragenkatalog aufgenommen und diesen somit auf ein breiteres Fundament gesetzt. Bevor wir dann unsere Wahlprüfsteine an die Parteien verschickt haben, warfen sowohl Herr Ulmer als Ideengeber, Frau Kolb für die Berufsbildung und Frau Reuß vom Berliner Büro noch einen Blick darauf und standen uns mit Rat zur Seite.
Es haben ja schon viele Institutionen und Medien Prüfsteine zur Bundestagswahl entworfen u.a. auch BuchMarkt. Was ist das Besondere an Ihren?
Lisa Maria Keil: Unsere Wahlprüfsteine sind auf einer basisdemokratischen Ebene entstanden und drücken dadurch das politische Interesse der gesamten jungen Branchengeneration aus.
An wen haben Sie Ihre Fragen gerichtet?
Tony Stubenrauch: Wir haben die Fragen des Nachwuchses direkt an die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien sowie den der Piratenpartei gerichtet und verschickt.
Warum insbesondere an die Piratenpartei, obwohl sie nicht im Bundestag vertreten ist?
Jana Zawadzki: Gerade die Piratenpartei findet großen Zuspruch bei jungen Wählern. Und sie ist die Partei, die sich in der Öffentlichkeit am provokantesten zu Themen wie dem Urheberrecht äußert. Als Branchennachwuchs ist es uns wichtig, zu wissen und zu zeigen, was diese Partei vorhat.
Haben Sie schon Antworten von den Parteien erhalten? Wie beurteilen Sie diese?
Lisa Maria Keil: Wir haben schon von fast allen Parteien Rückmeldung erhalten und sind sehr erfreut über die klaren und präzisen Antworten.
Jana Zawadzki: Zu vielen Fragen waren uns die Standpunkte der Parteien gar nicht bekannt, da sie in der breiten Öffentlichkeit keine Rolle spielen. In diesen Fällen helfen die Antworten auf jeden Fall dabei, sich ein Bild von der jeweiligen Partei zu machen.
Können die Wahlprüfsteine eine sinnvolle Orientierung für die Wahlentscheidung bieten?
Lisa Maria Keil: Die Wahlprüfsteine können und sollen nur ein kleines Interessenfeld abdecken. Für jeden gibt es ganz individuell viele solcher Interessenfelder, die ihm oder ihr wichtig sind. Jeder muss selber entscheiden, welche Themen ausschlaggebend für die Wahlentscheidung sein sollen. Zumindest aber auf diesem einen Gebiet haben wir ganz klare Antworten der Politiker.
Wie wollen Sie weiter vorgehen?
Tony Stubenrauch: Wir möchten die Ergebnisse unseres Projektes möglichst transparent machen und werden sowohl die Wahlprüfsteine als auch die Antworten der Parteien im Nachwuchsblog veröffentlichen. Außerdem wollen wir die Standpunkte der Parteien über den Nachwuchsnewsletter verschicken und werden bei Veranstaltungen in der kommenden Zeit, zum Beispiel beim Nachwuchstreffen in Berlin am 14. September, erneut aufmerksam machen.
Werden Sie am 22. September selbst wählen?
Alle: Natürlich!
Was sind nach den Wahlprüfsteinen Ihre nächsten Projekte, Frau Keil und Frau Zawadzki?
Wir werden an der Zukunftskonferenz in Frankfurt am 12. und 13. September teilnehmen. Danach geht’s nach Berlin zum Nachwuchstreffen, um nochmal Werbung zu machen für das Nachwuchsparlament und unser Amt.







