
Vandenrath, Aino Kelle, Julia Cloot, Kristina Köhler,
Hermann Kretzschmar, dahinter Harry Oberländer,
Markus Huber, Christina Mohr, Martin Piekar,
Felix Semmelroth und Edith Koesoemawiria
Vom 10. bis zum 20. Juni 2015 findet in Frankfurt und erstmals auch im Rhein-Main-Gebiet das vierte Lyrik-Festival statt. Die Frankfurter Lyriktage werden seit 2007 im Zweijahresrhythmus veranstaltet und wechseln sich mit dem Festival literaTurm ab.
Mit zehn Veranstaltungstagen ist das Lyrikfest 2015 länger geworden, die Zahl der Events hat sich mit 23 fast verdoppelt. 65 Beteiligte aus mehreren Ländern treten an 19 Orten in und um Frankfurt in Lesungen, Performances, Konzerten und Diskussionen auf.
Die Frankfurter Lyriktage sind ein Projekt des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main in Kooperation mit 30 Partnern. Heute wurde in der Buchhandlung Lesecafé in Frankfurt-Sachsenhausen das vielseitige Programm vorgestellt. „Dieses Café mit der Buchhandlung daneben ist der richtige Ort für die Präsentation der vielen Veranstaltungen“, äußerte Kulturdezernent Felix Semmelroth. Mit dem Festival wolle man der weit verbreiteten Ansicht, dass Lyrik schwierig zugänglich und wenig verkäuflich sei, entgegentreten. Es gehe darum, einer Gattung Raum zu verschaffen, die sonst nicht in dem Maß das breite Publikum erreiche, Verlage und Buchhandlungen zu fördern, die sich mit Lyrik beschäftigen.
„Es gab Kritik, dass das Kulturamt zu viel mache – ich entschuldige mich nicht für unsere Arbeit“, setzte Semmelroth in Anspielung auf die vergangenen Diskussionen in Frankfurt hinzu. „Das Festival ist jedoch ein Gemeinschaftsprojekt“, unterstrich der Dezernent und betonte besonders die Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Frankfurt.
Während auf den drei vorangegangen Lyrikfestivals bestimmte Themen im Fokus standen, geht es diesmal um Gegenwartslyrik in ihrer breiten Vielfalt.
Julia Cloot, stellvertretende Geschäftsführerin des Kooperationspartners Kulturfonds Frankfurt RheinMain, unterstrich: „Der Kulturfonds begleitet die Literatur gerne und fördert im Rahmen der Lyriktage sieben Veranstaltungen in Eppstein, Kronberg, Hanau, Oberursel, Usingen, Wiesbaden und Hofheim am Taunus.“
Programmleiterin Sonja Vandenrath, Kulturamt, wies auf das Besondere der Lyrik hin: „Gedichte zwingen zu einer anderen Art des Lesens, Augen und Ohren lesen mit. Die vierten Frankfurter Lyriktage stellen wichtige Positionen der deutschsprachigen und internationalen Gegenwartslyrik vor, die eine Kunst auf der Höhe der Zeit zeigen.“ Lyrikblogs fielen im Internet zunehmend auf, man könne die weitere Entwicklung mit Spannung beobachten.
Außerdem bemerkte Vandenrath: „Wir haben die Gespräche zur Vorbereitung der Lyriktage im Dezember 2014 aufgenommen. Die Partner waren sich einig: Dieses Festival ist eine Chance für alle.“
Die Lyriktage beginnen am 10. Juni mit einem Lesekonzert, auf dem Marcel Beyer eigene Gedichte und Lyrik anderer Autoren vorträgt, zwölf Musiker des Ensemble Modern verknüpfen die Texte mit einer Auswahl musikalischer Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert – eine Uraufführung. Ensemble-Mitglied Hermann Kretzschmar sagte dazu: „Diese Verbindung mit Lyrik stellt schon noch einmal andere Anforderungen.“
Nicht um Lutz Seilers Roman Kruso, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2014, geht es im Gespräch zwischen dem Autor und Lothar Müller am 11. Juni, sondern vielmehr um Seilers Gedichte, die er seit 1995 veröffentlicht.
Ein neues Format der Dichtungsfans, Lyrik an der Theke, erlebt ebenfalls am 11. Juni seine Premiere.
Aus Mazedonien wird Nikola Madzirov anreisen, aus Slowenien Aleš Šteger. Ilma Rakusa, Tochter eines Slowenen und einer Ungarin, vervollständigt die internationale Runde um Moderator Gregor Dotzauer unter dem Titel Kreuzungen und Kartierungen am 12. Juni.
Bernd Begemann, Vater der Hamburger Schule und Bandleader von Die Befreiung, spürt am 13. Juni im Gespräch mit Heinz Drügh, Mitherausgeber der Zeitschrift POP – Kultur und Kritik, sowie Liedermacherin Maike Rosa Vogel die Zusammenhänge zwischen Pop und Poesie auf und wird dabei auch musikalische Akzente setzen.
Ein Abend in Erinnerung an Thomas Kling wird am 14. Juni stattfinden, Akteure sind dabei Hans Jürgen Balmes, Marcel Beyer und Peer Trilcke.
Am 15. Juni wird sich Harry Oberländer mit Michael Krüger und Jan Wagner unterhalten.
Die Tiefen und Untiefen zwischen Kitsch und Gefühl loten Carolin Callies und Christina Mohr mit Wolfgang Buschlinger, Dagobert, Swantje Lichtenstein und Ulrike Almut Sandig ebenfalls am 15. Juni aus.
Indonesische Lyrik spielt am 16. Juni bei der lyrisch-musikalischen Veranstaltung mit Avianti Armand, Goenewan Mohamad, Agus Sarjono und dem Ensemble Modern die Hauptrolle und verweist so auf den Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Übrigens wird es zur Messe ein Sonderheft mit indonesischer Lyrik geben.
Die lange Nacht der Lyrik setzt am 20. Juni den Schlusspunkt unter das Festival.
Das detaillierte Programm ist unter www.frankfurter-lyriktage.de zu finden. Der Kartenverkauf (einige Veranstaltungen sind auch eintrittsfrei) hat heute begonnen.
JF