Seit Jahresbeginn macht Lübbe Schlagzeilen: Der „Illuminati-Deal“ [mehr…], [mehr…] brachte das Sortiment auf, EVs wurden angedroht – und Buy local drohte nicht nur mit Liebesentzug, sondern kündigte gleich die Geschäftsbeziehungen auf. Lübbe sucht nun das Gespräch mit dem Sortiment – und da geht es nicht nur um die E-Book-Verschenkaktion, sondern auch um ein neues Konditionenmodell und künftig glatte Preise.
Lübbe-Vorstand Klaus Kluge jetzt also hier im Sonntagsgespräch über diesen ganzen Strauß an unterschiedlichen Themen:
BuchMarkt: Ich kann mich kaum erinnern, dass es jemals einen Verlag gegeben hat, über den der Buchhandel so hergefallen ist wie über Lübbe…

„Eigentlich wollen wr alle Dinge,
die wir machen, stets ein bisschen besser machen“
(c)Tobias Vollmer
Klaus Kluge: Ja, das hat uns in der Tat kalt erwischt. Denn Aktionen dieser Art sind im digitalen Vertrieb nichts Ungewöhnliches. Aber ich gestehe, dass wir das Reizwort Amazon in diesem Zusammenhang unterschätzt haben.
Das verstehen wir wiederum nicht – jede Kooperation mit dem erklärten Feind des althergebrachten Buchhandels muss leidenschaftliche Buchhändler treffen, die zu Recht ihre Existenz bedroht sehen…
Ich bin zwar kein Buchhändler, aber leidenschaftlicher Verlagsmann. Leidenschaft, für das, was wir tun, eint uns also. Unsere Aufgabe sehe ich darin, die Dinge, die wir machen, stets ein bisschen besser zu machen, und das aus dem Blickwinkel der Kunden. Ich hatte das Vergnügen, am zurückliegenden Freitag auf einem Fachkongress der Retail Academy in Berlin unsere verlagseigene Buchhandlung „Siebter Himmel“ als gelungenes Beispiel eines modernen Concept Stores vorzustellen. Die anschließende Diskussion war hoch interessant – und für alle Beteiligten, die ausnahmslos aus dem Handel kamen, von großem Gewinn. Ich glaube, hier aktiv zu werden und Neues auszuprobieren und die Erfahrungen daraus miteinander zu teilen, hilft weiter, als Feindbilder zu pflegen und Ausgrenzung zu betreiben.
Der Handel hält die Kooperation mit Amazon auch für kurzsichtig aus Verlagssicht, die Sortimenter stellen mit ihren Läden einen kostenlosen Showroom für die Verlagsprodukte zur Verfügung, den Verlagen ist aber egal, wo die Umsätze gemacht werden….
Es ist völlig unstrittig, dass das Engagement des Sortimentsbuchhandels überlebensnotwendig ist für die gesamte Branche. Das stellt doch niemand in Frage. Entscheidend für uns als Verlag, der – mit Ausnahme von Eichborn und Quadriga – mit Genrestoffen handelt, ist die Frage, wie motiviere ich den Handel, gerade unsere Inhalte, unsere Autoren wert zu schätzen, und nicht nur auf unsere Topautoren wie Ken Follett, Dan Brown oder Rebecca Gablé zu setzen, sondern auch neuen Autoren eine Chance zu geben und auf unsere Expertise zu vertrauen.
Aber der Handel fühlt sich für sein Engagement nicht immer entsprechend gewürdigt.
Ja, das muss ich in der Tat einigen der Mails und Briefen, die uns dieser Tage in großer Zahl erreichen, entnehmen. Andererseits gibt es auch viel Lob für den Außendienst, der nun ‚unverschuldet‘ die Konsequenzen aus dem Illuminati-Deal zu tragen hat. Das bestärkt mich darin, an Zahl und Qualität unserer Reisenden über den Tag hinaus festzuhalten.
Der Buchhandel steht vor schier unlösbaren Problemen: Die Konditionen reichen immer weniger, um die steigenden Kosten aufzufangen, und noch weniger, um den schleichenden Preisverfall bei den Büchern zu kompensieren. Man misstraut dem neuen Bastei Lübbe Konditionenmodell.
Hier bahnt sich offensichtlich ein großes Missverständnis an. Unser neues Konditionsmodell basiert keineswegs auf Kürzungen, vielmehr wurden die Konditionen leistungsgerecht ausdifferenziert. Wir belohnen mit dem neuen Modell Leistung und Engagement des Handels, ein Modell, das unsere Vertriebsleiterin Stefanie Folle nach intensiven Gesprächen mit zahlreichen Buchhändlern entwickelt hat, denn völlig zu Recht erwartet der Sortimenter, dass nicht nur reine Größe, sondern dass auch und wesentlich Engagement honoriert wird. Damit ist das neue Konditionenmodell individuell auf den einzelnen Händler und seine Bedürfnisse zugeschnitten – was doch eigentlich jedem zu Gute kommen sollte.
Auch mit der neuen Preispolitik gehen Sie auf Wünsche des Handels ein?
Mit dem Verlassen der ungeliebten 99-Cent Endungen [mehr…], vor allem aber mit dem wo immer möglichen Anheben der Zahlen vor dem Komma wollen wir zur Renditeverbesserung des Handels beitragen. Und wie schmal hier die Marge ist, weiß ich als Verantwortlicher unseres Concept Stores in Köln nur zu gut.
Und ich möchte noch mal ganz deutlich die Wichtigkeit des flächendeckenden Sortimentsbuchhandels hervorheben: Die Sichtbarkeit von Büchern an möglichst vielen Orten in dieser Republik sichert das Auskommen unserer Autoren, Mitarbeiter, der gesamten Branche.
Lassen Sie uns über Ihre Einladung zum offenen Gespräch in Ihrem Verlagshaus sprechen [mehr…] – wen haben Sie überhaupt eingeladen, nach welchen Kriterien?
Unser Wunsch ist, noch verstärkter ins persönliche Gespräch zu kommen und Missverständnisse auf beiden Seiten auszuräumen, kein Bußgang, keine Rechtfertigung, sondern offener Austausch der Positionen. Dazu schien uns eine Abendeinladung ins Verlagsfoyer angemessen.
Wir haben diese Einladung zum Gedankenaustausch an ca. 100 Buchhändler geschickt, darunter sind Buchhändler, die der Vereinigung Buy Local angehören, Buchhändler, die sich in mündlicher oder schriftlicher Form bei uns im Haus oder via unseren Außendienst beschwert haben, aber auch Mitglieder der LG-Buch. Den Vertrag mit der LG Buch haben wir vor geraumer Zeit gekündigt, was nicht bei allen Kunden auf Zustimmung traf, somit ist die Kritik seitens dieser Händler teilweise besonders ausgeprägt, aber auch dieser Thematik möchten wir uns offen stellen und diskutieren.
Buchhändler, die bislang keine persönliche Einladung bekommen haben, aber an unserem Gespräch interessiert sind, sind natürlich herzlich willkommen. Dienstag, 16. Februar 2016 ab 19.30 Uhr im Verlagsfoyer in Köln.
Und wie ist das im Handel angekommen?
Die Einladungen sind gerade erst verschickt, da können wir noch nicht viel über die Resonanz sagen. Für die Händler aus dem näheren Umkreis ist es sicher leichter nach Köln zu kommen, wobei wir wissen, dass man nicht mal so eben den Laden zusperren kann. Wir würden uns über eine möglichst große Teilnahme, auch ganz besonders der kritischen Buchhändler freuen. Mir war wichtig, diese Einladung auszusprechen. Wir haben das Privileg, in einer Branche zu arbeiten, in der das Wort als Argument, nicht als Waffe zählt. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele dieses Angebot wahrnehmen.
Was werden Sie Ihren Gästen dann sagen?
Ich werde die Position des Verlages darlegen, aber auch das, was wir aus dieser aufbrandenden Diskussion als Verlag und auch als Branche lernen können. Und ich werde mich allen Fragen stellen, aber vor allem kommt es mir auf das Zuhören an.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz