
Das soll schon wieder zehn Jahre her sein, daß die Literaturhandlung Müller & Böhm ins Heine Haus umgezogen ist und seither in Düsseldorf als eine Art Literaturhaus fungiert? Die Kunden hatten damals beim Umzug als Menschenkette [mehr…] Tausende von Büchern vom alten in den neuen Laden transportiert, und die Eröffnung [mehr…] wurde mit drei tollen Tagen gefeiert.
Drei hochliterarischen Tagen natürlich, um gleich von Anfang an klar zu machen, daß mit dem Umzug der Literaturhandlung in Heines Geburtshaus ein „Angriff der Kultur auf die Bolker Straße“ erfolgte, wie Selinde Böhm es gestern Abend zu Eröffnung des kulinarisch-literarischen Abends mit Karl-Heinz Ott nannte. Für nicht Ortskundige sei hinzugesetzt, daß die Bolker Straße der Eingang zu einer der größten Saufmeilen Deutschlands geworden ist – das Feuilleton nennt’s „längste Theke der Welt“.
Baß erstaunt war das Buchhändlerehepaar Selinde Böhm und Rudolf Müller dazumal denn auch, daß es ein Jahr hartnäckigen Kampfes bedurfte, um mitten in dieser Saufmeile eine Lizenz für längere Öffnungszeiten zu bekommen – die Behörden stellten sich erstmal quer und taub. Aber Müller & Böhm wären nicht Müller & Böhm, hätten sie sich nicht doch durchgesetzt: Das literarische Leben der Stadt hat denn auch seither eine spürbare Bereicherung erfahren, oder, wie es der Kulturdezernent Hans-Georg Lohe in seinem Grußwort sagte: „Die Größen der internationalen Literaturszene gehen hier ein und aus.“
Nun also das Zehnjährige in der erklärten Lieblingsbuchhandlung von Cees Nooteboom. Lesung, Gespräch und Weinprobe mit Karl-Heinz Ott, der aus eigenen und fremden Büchern las und mit Moderator und Rheinische Post-Redakteur Lothar Schröder kurzweilig plauderte über trink- und untrinkbare Weine (das „Farbenspiel im Mund“) und daß man „Kutteln wenigstens einmal im Leben probiert haben sollte“. Leider sei er mit diesem Vorschlag nur sehr selten durchgedrungen; die Abenteuerlust der Zeitgenossen sei wohl doch ein wenig limitiert…
Mut brauchte man keinen, um das kleine Catering von Olga Lina Knoebel zu genießen – eher Glück, an die kulinarischen Köstlichkeiten überhaupt heranzukommen, denn wie immer war das Heine Haus knüppeldicke voll. Künstler, Stammkunden, Freunde des Hauses waren alle vereint, und eigentlich wäre ein nächster Umzug in einen noch größeren Laden unumgänglich, um auf den immer weiter anwachsenden Zulauf zu reagieren…