
In unserem Autor*innen-Special sprechen wir in dieser Woche von Montag bis Samstag mit Autorinnen und Autoren zum neuen Buch. Heute: Julia Hoch
„Nehmen Sie einmal das ‚W‘ aus dem Titel ‚LebensWende‘ heraus … So wie ein einziger Buchstabe die Bedeutung eines ganzen Wortes verändern kann, verändert ein unvorhergesehenes Ereignis das Leben der beiden Frauen in meinem Roman komplett“ – Anlass für Fragen an Autorin Julia Hoch, deren Roman Lebenswende im Ulrike Helmer Verlag erschienen ist:
BuchMarkt: Diese Frage, stellen wir immer zuerst: Worum geht es in dem Buch?
Julia Hoch: In meinem Roman LebensWende – Die Schwestern Brüggemann bleiben am Ball erfahren die 82-jährigen Zwillingsschwestern Hilde und Lore aus der Zeitung, dass ihre stillgelegte Kneipe abgerissen und auf dem Grundstück ein Einkaufszentrum errichtet werden soll. Die beiden werden aktiv und versuchen, diesen Abriss irgendwie zu verhindern. Dabei treffen sie alte Bekannte wieder und schließen neue, für sie vielleicht ungewöhnliche Freundschaften. Sie müssen einige Rückschläge und Diskriminierung in Kauf nehmen, denn viele nehmen die beiden alten Damen, von denen die eine im Rollstuhl sitzt und die andere selten spricht, nicht ernst.

In welches Genre würden Sie Ihr Buch denn einordnen?
Ich würde es im Bereich der Gegenwartsliteratur ansiedeln. Mit deutlicher Tendenz zur gehobenen Unterhaltung. Ein Kollege verglich den Humor im Roman mit Loriot, was natürlich ein riesiges Kompliment ist.
Es ist aber nicht unbedingt ein lustiges Buch, oder?
Thematisch ist das Buch nicht lustig, einige Szenen und Dialoge sind aber durchaus humorvoll. Manche Leser:innen berichten mir, dass sie während der Lektüre gelacht und geweint haben, dass ein großes Spektrum an Emotionen in ihnen ausgelöst wurde. Viele sagen, das Buch sei zuweilen kafkaesk.
Ich frage, weil vor allem auch die Themen Macht und Diskriminierung im Fokus stehen …
Das stimmt. Mein Ziel ist es, diese Themen in angenehmer, gut verträglicher Verpackung an die Leserschaft zu bringen, durch Humor und Skurrilität, aber auch durch nahbare Figuren. Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger.
Gibt es denn ein Happy END?
Das Ende erwartet wahrscheinlich niemand auf diese Weise. Ob es ein Happy End ist oder nicht, darf am Ende jede:r selbst entscheiden. Als Happy End im klassischen Sinne würde ich es auf jeden Fall nicht bezeichnen. Ich will an dieser Stelle aber auch nicht zu viel verraten.
Was hat Sie als Autorin selbst so an der Geschichte dieser zwei Frauen beeindruckt?
Nehmen Sie einmal das »W« aus dem Titel »LebensWende« heraus … So wie ein einziger Buchstabe die Bedeutung eines ganzen Wortes verändern kann, verändert ein unvorhergesehenes Ereignis das Leben der beiden Frauen in meinem Roman komplett. Es reißt sie heraus aus der Alterserstarrung und katapultiert sie zurück ins Leben. Auch die Frauenfiguren selbst sind beeindruckend. Hilde und Lore sind sehr unterschiedlich, verstehen das Denken und Handeln der anderen nicht immer, akzeptieren einander aber meist, mit all ihren Stärken und Schwächen. Sie sind einander die wichtigsten Personen, niemand konnte sie je trennen, sie wohnten sogar stets zusammen. Was nicht unbedingt dem klassischen Lebenslauf von Frauen entspricht, die Mitte/Ende der 30er-Jahre geboren wurden. Beide wachsen in diesem Roman zeitweise über sich hinaus. Am Ende haben sie eine deutliche Entwicklung durchgemacht.
An welche Leserschaft richtet sich das Buch?
An Leser:innen, die gerne Lekys Was man von hier aus sehen kann oder Oskamps Marzahn, mon amour gelesen haben, die Küngs Fremde Freunde oder Rammstedts Kaiser von China mochten. An solche, die sich eine leichte, dennoch literarische Sprache, verbunden mit einer nachvollziehbaren, spannenden Handlung und gut ausgearbeiteten Figuren wünschen.
Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch im Laden gut verkaufen?
Wenn Sie zwei schrullige, alte Heldinnen dabei begleiten möchten, wie sie durch Vertrauen und Solidarität ins Leben zurückfinden, sie ganz nah durch kafkaeske Räume und zu alten wie neuen Bekannten begleiten und dabei erfahren möchten, welche Rollen ein Pfannenwender, eine Flöte und ein Flummi spielen können, werden Sie eine gute Zeit mit diesem Buch haben.
3 Wörter, die das Buch gut beschreiben:
Skurril, laut und leise.
Gestern sprachen wie mit Gloria Gray zu ihrem Buch „Zurück nach Übertreibling“ (dtv)