Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Anpassung nützte wenig“: Während Alexander Solschenizyn zu Weltruhm gelangte, konnte Warlam Schalamow seine Werke nicht veröffentlichen und starb verbittert. Franziska Thun-Hohenstein beschreibt sein lebenslanges Ringen um literarische Form. „(…) sachlich und historisch fundiert, aber doch mit Empathie geschrieben, aus einer Haltung, die Bewunderung mit kritischer Reflexion verbindet.“
- Franziska Thun-Hohenstein, „Das Leben schreiben“. Warlam Schalamow – Biographie und Poetik. (Matthes & Seitz Verlag)
„Auf der Suche nach der erfüllten Zeit“: Lob der Begrenzung: Eva von Redecker hält ein Plädoyer für die Freiheit, an einem Ort zu bleiben. „Dennoch verlieren sich die Ausführungen häufig in persönlichen Erlebnissen, Anekdoten und Begegnungen. Diese sind für sich genommen durchaus interessant, stehen der Entfaltung eines in sich zusammenhängenden Gedankens teilweise jedoch eher im Weg.“
- Eva von Redecker, Bleibefreiheit. (S. Fischer Verlag)
„Das Meistschlimme“: Der Roman In der Tiefe der Wurzeln beginnt ein Singen der Neuseeländerin Tina Makereti rührt an Fragen von Schuld und Identität, die nicht nur in ihrer Heimat aufkommen. „In Tina Makeretis Roman In der Tiefe der Wurzel beginnt ein Singen hat das Gebein eine Stimme. Es ist der Oberschenkelknochen eines der vermutlich mehr als tausend Opfer eines historisch realen Völkermordes im Jahr 1835, den man auch und vielleicht gerade im modernen Neuseeland gerne verdrängt, wo Kultur und Sprache der Māori, der polynesischen Erstbesiedler des Landes, sich eines wachsenden Interesses auch seitens der Pākehā erfreuen, der Nachfahren europäischer Einwanderer.“
- Tina Makereti, In der Tiefe der Wurzeln beginnt ein Singen. Roman. (aus dem Englischen von Friederike Hofert; Verlag w_orten & meer)
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„Die Angst, die bleibt“: In ihrem Roman Augustblau fängt Deborah Levy nicht nur meisterhaft die psychisch-mentalen Folgen der Pandemie ein, sie betrauert auch das Ausbleiben einer Erlösung danach. „Die britische Schriftstellerin paart den bewusstseinserweiternden Überschwang ihrer Ich-Erzählerin mit kühnen, dichten Bildern, die manchmal hell erstrahlen, das andere Mal Energie absorbieren wie Schwarze Löcher. Von Lewis Carrolls Alice im Wunderland bis hin zu Motiven von Agnès Varda, von Marguerite Duras bis Alain Resnais und den Filmen der Nouvelle Vague reaktiviert sie Stilmittel, die das Imaginäre stärken, ohne das Reale zu verleugnen.“
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Deborah Levy, Augustblau. Roman. (aus dem Englischen von Marion Hertle; AKI-Verlag)
„Kratzt uns nicht“: Kathrin Rögglas misslungener Roman über den NSU-Prozess. „Was uns hier gegenübertritt, das ist – 200 Seiten lang fast unverändert – eine larmoyante, streckenweise geradezu spöttische NSU-Prozess-Beobachterin, die an kaum einer Stelle echtes Interesse am Gegenstand ihrer Betrachtung, den Menschen hier im Saal, vermittelt.“
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Kathrin Röggla, Laufendes Verfahren. Roman. (S. Fischer Verlag)
„Dieser ewige Selbstbetrug“: Wolfgang Kemp hat ein Buch über barocke Täuschungen geschrieben – und den Versuch, ihnen etwas entgegenzusetzen. „Von barocken Täuschungen handelt ein kleines Buch, das der Hamburger Kunsthistoriker Wolfgang Kemp vor Kurzem veröffentlichte, vom Verlust der Gewissheiten und dem Versuch, dagegen die Realität eines ‚Ich‘ zu behaupten.“
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Wolfgang Kemp, Die ehrbaren Täuscher. Rembrandt und Descartes im Jahr 1641. (Schlaufen-Verlag)
„Eine tragische Liebe“: Charles Foster folgt in Der Ruf des Sommers den Mauerseglern durchs Jahr und beschenkt uns mit Einsichten über das eigene Dasein. „Die Informationen und die Rätsel über die Evolution dieser Vogelart, ihre Orientierungs- und Navigationsgaben, die Beschaffenheit des Schnabels, des Kehlsacks und der Füße, über die Geschmacksvielfalt von Insekten, die zurückgelegten Distanzen und Routen, über Aerodynamik, Wetter und Literatur sind allesamt erstaunlich und hochinteressant.“
- Charles Foster, Der Ruf des Sommers. Das erstaunliche Leben der Mauersegler. (a. d. Engl. v. G. Schermer-Rauwolf / R. A. Weiß; Malik)