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Das Ende einer Ära. Zum Tode von Verleger Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt

Dr. Gabriele Hefele arbeitete neun Jahre bei Langenscheidt. Sie würdigt in einem Nachruf ihren verstorbenen Ex-Chef Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt. Die gemeinsame Zeit in den 80er Jahren sei nicht nur von Büchern, sondern auch von in der Welt einmaliger Technikunternehmungen wie etwa dem elektronischen Wörterbuch Alpha 8 und dessen Nachfolgegenerationen geprägt.

Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt, am 27. Juli 1921 in Berlin geboren, war der Urenkel des Verlagsgründers Gustav Langenscheidt. Er trat 1948 nach Abschlüssen als Bauingenieur und Betriebswirt in den Sprachkurs- und Wörterbuchverlag ein und baute das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten auf verschiedenen Gebieten ganz erheblich aus, etwa durch eine 1988 erworbene Mehrheitsbeteiligung am Verlag Bibliographisches Institut und F. A. Brockhaus AG. Tielebier-Langenscheidt war 1956 Initiator des gelb-blauen Langenscheidt-Verlagslogos, das bis heute unter dem Dach der Klett-Gruppe Verwendung findet. Er engagierte sich ehrenamtlich für die Branche und den Börsenverein, war von 1973 bis 1979 Vorsitzender des Verbands Bayerischer Verlage und Buchhandlungen e.V. (seit 2003: Börsenverein des Deutschen Buchhandels).

Überschriften wie die obige zum „Ende einer Ära“ sagen sich oft so leicht, doch hier trifft es wirklich zu:

Am 30. September 2025 starb Verleger Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt, die Trauerfeier fand am 31. Oktober in München statt. Er wurde unglaubliche 104 Jahre alt. Ich fühle mich schon berufen zu einer persönlichen Würdigung dieses Urgesteins von Verleger, denn ich war seine PR-Chefin für neun Jahre im Verlag in München Nordschwabing, die besten Jahre meiner festangestellten Tätigkeiten.

Zwei Jahre zuvor konnte ich ihn noch persönlich besuchen und war beeindruckt von seiner geistigen Fitness. Wir schwelgten beide in Erinnerung dieser 80er Jahre, die so viele verlegerische Neuigkeiten hervorbrachten, von denen das erste elektronische Wörterbuch der Welt, der Alpha 8, zu meinem ersten großen publizistischen Erfolg führte. Es tat mir gut, bei diesem Treffen von ihm zu hören, dass es „eine Sternstunde der Langenscheidt-Verlagsgruppe“ war, mich als erste leitende Frau einzustellen. Bei ihm lernte ich, für meine oft ungewöhnlichen Ideen mit guten Argumenten zu kämpfen, und wenn ich eines mehr als er hatte, dann konnte ich von ihm hören: „Ich bin zwar noch nicht überzeugt, aber probieren Sie es mal“ Das war die berufliche Freiheit, die lange Leine. die ich für meine Kreativität von einem Chef brauchte!

Eine der letzten großen Verleger:innenpersönlichkeiten

Er war ein Verleger mit Spürnase, oft seiner Zeit voraus mit der Entwicklung von Sprachkursen auf Bildplatte im damals noch so technikfeindlichen Deutschland, dessen fatale Auswirkungen bis heute spürbar sind, mit Navigationsversuchen im Verlag Polyglott, der auch zur Verlagsgruppe gehörte, mit einem der ersten Großscanner, der vom MIT in Massachussetts kam. Es machte so viel Spaß, in diesem Jahrzehnt dabei zu sein! Ich durfte Verlagsjubiläen mit eigenen Kabarettauftritten veranstalten, Pressekonferenzen mehr als Restaurantfeten gestalten (Tls -(seine offizielle Verlagsabkürzung – Kommentar: ´Wenn es mal nicht so laufen sollte, dann eröffne ich mit Ihnen ein Restaurant!`), Tag der offenen Tür mit hochmotivierten Redaktionen ins Leben rufen etcetera, um nur ein paar meiner beruflichen Highlights dort zu erwähnen. Übrigens hat er auch nach meiner Auswanderung nach Andalusien nie vergessen, mir zu Weihnachten eine Karte zu schreiben oder auch kurz vor den Feiertagen, wenn es ganz still geworden war im Verlag , persönlich auch anzurufen.

Ich werde ihn nie vergessen und sein Andenken in Ehren bewahren. Und mit ihm geht wahrhaftig die Ära der großen Verlegerpersönlichkeiten zu Ende, oft nur ersetzt von den üblichen Nadelstreifenmanager:innen.

Gabriele Hefele schreibt u.a. für das onlinemagazinspanien und hat hier diesen Nachruf verfasst.

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3 Antworten

  1. Einer dieser wunderlichen Nachrufe, in denen die Autorin mehr Eitles über sich berichtet, als den verstorbenen zu würdigen.

  2. Hier würdigt eine Wegbegleiterin aus bedeutenden Zeiten des Verlagswesens einen großen Mann. Ihm verdankt die deutsche Sprache viel.
    Ich persönlich verdanke als jetzt 80jähriger nach 57 Berufsjahren als Redakteur und Autor „dem Langenscheid“ seit Schülertagen viel an Sprachbildung und Kultur!

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