Im Ranking Die 100 größten Verlage des Börsenblatts zeigt sich, dass der zu Bonnier gehörende Verlag Adrian & Wimmelbuch die vergangenen Jahre stark aufgeholt hat und heute bei einem Umsatz von 12 Mio Euro liegt. Woran liegt das?, haben wir Verleger und Gesellschafter Dr. Walter Unterweger gefragt.
BuchMarkt: Adrian & Wimmelbuch gehört seit einigen Jahren zur Bonnier Books. Wie hat sich der Verlag seitdem verändert?
Unterweger: Wir sind im Laufe der Jahre in vielerlei Hinsicht stark gewachsen, aber immer noch dieselbe kleine Truppe wie beim Start und freuen uns immer noch genauso über jeden neuen Adrian Titel und jedes neue Wimmelbuch, das wir in den Händen halten.
Wofür soll Adrian & Wimmelbuch heute stehen?
Der Verlag entwickelte sich vom Kinderbuchverlag zum Publikumsverlag, der sich in vielen Genres neu positioniert hat. Heute veröffentlichen wir neben Kinderbüchern vor allem Neuerscheinungen in den Bereichen Belletristik, High Fantasy, Young Adult und New Adult. Dieser Schritt war aber nicht Ergebnis langfristiger, strategischer Planung, sondern vielmehr eine organische Reaktion auf besondere Titel mit dem Potenzial, neue Marktsegmente zu erschließen – ähnlich wie wir es bereits zuvor im Bereich Comics („Dog Man“-Reihe von Dav Pilkey) und dem Genre Graphic Novels („Amulett“-Reihe von Kazu Kibuishi) gemacht haben.
Von außen betrachtet hat der Verlag sein Programm deutlich verbreitert und seine Sichtbarkeit erhöht. Was waren die wichtigsten Wachstumstreiber?
Hätte uns jemand gesagt, dass sich unsere ersten beiden Belletristik-Titel – Der verschwundene Buchladen von Evie Woods und Der gefrorene Fluss von Ariel Lawhon – über 400.000 Mal verkaufen würden, hätten wir das nicht für möglich gehalten. Aber auch der Einstieg ins Young Adult-Segment mit der „Boys of Tommen“-Reihe, die sich bisher ebenfalls über 400.000 Mal verkauft hat, hat uns darin bestärkt, weiterhin einfach offen zu bleiben. Sowohl der unabhängige Buchhandel als auch die großen Filialisten haben uns bei dieser Reise mit komplett unbekannten Autorinnen und teilweise für Deutschland untypischen Themen (die „Boys of Tommen“ spielen Rugby, kein Fußball weit und breit in Sicht) so wunderbar begleitet, dass es uns auch nicht wirklich schwer fällt, mutig zu bleiben.
Gab es Bereiche, in denen die Anbindung an eine größere Verlagsgruppe neue Möglichkeiten eröffnet hat?
Der Austausch mit den vielen anderen Bonnier-Geschäftsführern und Mitarbeitern ist sehr inspirierend und deckt immer wieder Synergien auf. Und wie sehr hätte ich mir schon früher jemanden gewünscht, der mich bei Themen wie Quellensteuer und Co unterstützt! Aber auch sonst finden sich ganz konkret immer neue Möglichkeiten, wie exemplarisch bei den Themen Nebenmärkte, Auslieferung und Buchdruck.
Wie groß ist das Team heute bzw. wie werden Aufgaben verteilt? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Berlin, München und der Verlagsgruppe? Wie viel Eigenständigkeit besitzt der Verlag innerhalb des Konzerns?
Bonnier legt sehr viel Wert auf die Eigenständigkeit seiner Verlage, so ist es auch bei uns. Unser Team von vier Personen ist immer wieder im Austausch mit der Bonnier Zentrale in München, vor allem zu Themen im Bereich Vertragswesen und Buchhaltung und mit dem Bonnier-Verlag arsEdition tauschen wir uns in vertrieblichen Fragen sehr eng aus.
Wo sehen Sie im Kinder- und Bilderbuchmarkt derzeit die größten Chancen?
Obwohl gerade in diesen Segmenten sehr viel KI-generierter Slop den Markt flutet, sehen wir weiterhin große Chancen für besondere Texte und Illustrationen, wie bei Kobi Yamada, Dav Pilkey, Alexandra Helm oder Max Walther. Sie werden weiterhin ihren Weg zu vielen Leser:innen finden und wir werden diese außergewöhnlichen Inhalte auch weiterhin möglichst hochwertig ausstatten, um sie so deutlich wie nur irgendwie möglich von den oft lieblosen KI-Publikationen unterscheidbar zu halten.
Welche Ziele verfolgen Sie für die kommenden Jahre?
Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber wir wollen einfach weiterhin besondere Bücher finden, auf die hoffentlich viele Leser:innen und der Handel warten. Für diese Schätze wollen wir dann mit unserer Stärke im gezielten Direktmarketing so viel Sichtbarkeit und Kund:innenbindung wie nur irgendwie möglich erzeugen, um weiterhin viele Menschen davon zu überzeugen, wie wunderschön es ist, sich in einem Buch zu verlieren.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg





