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Die Vermutung war richtig: Was eine neue Studie über KI-Bücher auf Amazon beweist

Patrick Meier (Foto: privat)

Im November 2025 habe ich an dieser Stelle beschrieben, wie KI-generierte Bücher den Selfpublishing-Bereich von Amazon KDP überfluten und was das für Selfpublisher:innen bedeutet. Damals stützte sich meine Analyse auf die Mechanik des KDP Global Fund, auf steigende Werbepreise und auf die schlichte Beobachtung, dass etwas nicht mehr zusammenpasst zwischen wachsender Auszahlungssumme und sinkendem Ertrag pro Autor:in. Es war eine Vermutung, aus der Distanz eines Praktikers heraus formuliert, ohne einen Zugriff auf harte Marktdaten.

Diese Distanz ist jetzt kleiner geworden. Tuhin Chakrabarty, Xinyue Liu, Jane C. Ginsburg und Paramveer Dhillon, ein Forschungsteam aus Stony Brook University, Columbia Law School und der University of Michigan, haben in der Studie «Generative AI floods and dilutes the market for books» 14.419 selbstveröffentlichte Genre-Fiction-Titel auf Amazon untersucht, jeden einzelnen Text per KI-Erkennung geprüft und mit echten Verkaufsdaten von 2023 bis Juni 2026 verknüpft. Die Arbeit ist im Juli 2026 als Preprint erschienen (arXiv:2607.20349). Die Datenbasis stammt aus einem proprietären Panel eines der «Big Five»-Verlage, das nach Angaben der Autor:innen etwa 95 Prozent des täglichen E-Book-Absatzvolumens auf Amazon abdeckt. Was dabei herauskommt, ist keine Vermutung mehr. Es ist eine Zahl.

Die Marktverwässerung ist real belegbar

Zwischen Januar 2023 und März 2026 wuchs der kumulierte Titelkatalog um das 38,3-Fache. Die Zahl der Bücher, die in einem Quartal überhaupt Umsatz machten, wuchs um das 19,2-Fache. Der Umsatz selbst wuchs nur um das 8,9-Fache. Der Markt hat also deutlich schneller Titel produziert, als er Kaufkraft dafür hervorgebracht hat, und der Umsatz pro verkauftem Buch ist in den meisten Genres gesunken.

Entscheidend ist dabei ein Detail, das meine ursprüngliche These bestätigt und zugleich präzisiert: Der Rückgang trifft nicht nur die KI-Bücher selbst, die im Schnitt ohnehin schwach verkaufen. Er trifft auch die Bücher ganz ohne erkennbaren KI-Anteil. Deren Umsatz pro verkauftem Titel fiel zwischen den Erscheinungsjahrgängen 2023 und 2025 in sieben von acht untersuchten Genreclustern, im Schnitt um gut ein Fünftel. Das lässt sich nicht damit erklären, dass der Katalog einfach mit vielen schwach verkaufenden KI-Titeln aufgefüllt wurde und den Durchschnitt nach unten zieht. Es ist ein Verlust, den auch die «guten Schüler» der Klasse spüren, wie die Studie es selbst pointiert formuliert.

Wo Kindle Unlimited ist, ist der Effekt am stärksten

Für mich als jemanden, der seit Jahren auf die Dynamik von KDP Select und dem Global Fund schaut, ist ein anderer Befund besonders interessant. In Genres mit hoher Kindle-Unlimited-Verfügbarkeit fällt der Vorsprung, den Bücher ohne KI-Anteil gegenüber KI-lastigen Büchern haben, um 8,5 Prozentpunkte kleiner aus als in Genres mit geringerer KU-Abdeckung. Das deckt sich genau mit dem Mechanismus, den ich im letzten Jahr beschrieben habe: Wenn alle Leser:innen aus demselben Abo-Topf schöpfen, konkurriert jedes neue KI-Buch unmittelbar um dieselben gelesenen Seiten. Der Fund mag wachsen, aber die Quote pro Autor:in verwässert sich in genau den Bereichen, in denen die Flut am größten ist.

Auch die Verschiebung an der Spitze des Marktes ist belegt. Der Anteil der Top-25-Ranking-Plätze, den Bücher mit substanziellem KI-Anteil einnehmen, ist über den Beobachtungszeitraum stetig gestiegen, in jedem einzelnen Genrecluster. Gleichzeitig sank die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bestseller ohne KI-Anteil im nächsten Quartal noch in den Top 25 steht, zeitweise auf einen Tiefpunkt von 28 Prozent.

Wer wirklich profitiert

Die Studie zeigt auch, wer diese Entwicklung antreibt, und hier wird es konkret genug, um von einer Handvoll Fällen zu einem Muster zu werden. Von 385 Autor:innen-Identitäten, die nach ihrer ersten Veröffentlichung mit substanziellem KI-Anteil weitere solche Bücher publizierten, steigerten 287 ihre monatliche Produktion. Eine kleine Gruppe von Vielschreiber:innen erreichte dabei Ausstoßraten von mehreren Dutzend Büchern pro Jahr, fast ausschließlich KI-generiert. Die fünfzehn umsatzstärksten Identitäten unter ihnen erwirtschafteten zusammen einen siebenstelligen Betrag allein aus KI-lastigen Titeln.

Bemerkenswert ist zudem ein Befund zur Textebene: Erfolgreiche KI-Bücher enthalten überdurchschnittlich viele seltene, mehrwortige Ausdrücke, die auch in einer kleinen Zahl existierender Bücher vorkommen, und dieser Anteil steigt mit dem Umsatz des Buches. Bei Büchern ohne KI-Anteil lässt sich dieser Zusammenhang nicht nachweisen. Die Autor:innen der Studie lesen das als Hinweis auf einen Rekombinationsmechanismus, ohne daraus eine Aussage über Urheberrechtsverletzung im Einzelfall abzuleiten.

Danny Walther hat die Erkenntnisse in der folgenden Grafik zusammengefasst:

Die juristische Wendung

Was den Text über eine reine Markbeobachtung hinaushebt, ist die Verbindung zum Verfahren Kadrey v. Meta. Richter Chhabria hatte dort die Theorie der «Marktverwässerung» als möglicherweise entscheidendes Kriterium für die Fair-Use-Verteidigung ins Spiel gebracht, allerdings ohne dass die klagenden Autor:innen damals belastbare Daten dafür vorlegen konnten. Genau diese Lücke schließt die neue Studie, wenn auch nicht für den konkreten Fall, sondern für den Buchmarkt im Allgemeinen. Sie zeigt an einem realen, beobachtbaren Markt, dass Verwässerung tatsächlich stattfindet und dass sie unabhängig von der Qualität der KI-Bücher wirkt. Volumen allein reicht.

Ein Jahr später

Als ich im November 2025 schrieb, dass Amazon formal reagiert habe, aber die Kennzeichnung für Leser:innen unsichtbar bleibe, war das eine Kritik an einer Plattformlogik, die ich aus der Nähe beobachten, aber nicht beziffern konnte. Jetzt liegt die Zahl auf dem Tisch, und sie ist größer als die meisten Prognosen aus der Branche. Keines der 14.419 untersuchten Bücher trug eine Kennzeichnung, ob es KI-Text enthält oder nicht. Die Leser:innen kauften im Blindflug, die Autor:innen ohne KI verloren trotzdem an Boden, und die Plattform sah bei alldem zu.

Patrick Meier (Autor und Berater)

Quelle: Tuhin Chakrabarty, Xinyue Liu, Jane C. Ginsburg, Paramveer Dhillon: «Generative AI floods and dilutes the market for books», arXiv:2607.20349, Juli 2026.

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