
Der unabhängige Hörbuchverlag Supposé erweitert sein Programm um Printausgaben. Die ersten vier Titel sind Übertragungen bereits als Audio veröffentlichter Erzählungen. Weitere Bücher sind bereits in Arbeit. Für Verleger Klaus Sander geht es in Zeiten des Streamings vor allem um eine Formatfrage.
Der Weg vom Buch zum Hörbuch ist im Verlagsgeschäft längst etabliert. Interessant ist, dass der Verlag Supposé nun den umgekehrten Weg geht: Vier ursprünglich als Audio produzierte Erzählungen erscheinen erstmals als gedruckte Bücher:
- Ans Ende kommen. Dieter Wellershoff erzählt über Altern und Sterben
- Da fährt mein Zug. Peter Kurzeck erzählt
- Mein wildes Herz. Peter Kurzeck erzählt
- Leben im Fisch. Kristín Steinsdóttir erzählt das Island ihrer Kindheit
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um neue Stoffe, die zusätzlich für den Buchmarkt entwickelt wurden. Ausgangspunkt bleibt immer die Audioaufnahme, in diesem Fall freie mündliche Erzählungen statt vorgelesener Texte.
Vom Master zum Manuskript

Supposés Vorgehen ist daher auch ein anderes: Die Gespräche werden nicht zunächst verschriftlicht und dann nach einem fertigen Manuskript produziert, sondern Gespräch, Aufnahme und Schnitt erfolgen akustisch. Erst anschließend dient die Transkription des fertigen Audio-Masters als Grundlage für das Buch. Für die Buchausgaben wurde der Text anschließend behutsam bearbeitet. Das Lektorat sollte sich dabei möglichst eng an der gesprochenen Sprache orientieren, nur an einzelnen Stellen sei geglättet worden, erläutert Sander im Gespräch.
Das sei auch deshalb wichtig gewesen, weil die Bücher für sich funktionieren müssten. „Leserinnen und Leser sollen die Audiofassung nicht kennen müssen, gleichzeitig soll das Buch aber auch das parallele Hören ermöglichen“, so Sander.
Physisches Buch als Gegenpol zum Streaming
Der Schritt ins gedruckte Buch hat für Supposé auch eine medienpolitische und wirtschaftliche Dimension. Der Verlag nutzt zwar auch Streaming, ist aber stark mit physischen Audioeditionen verbunden, doch die CD ist als Trägermedium zunehmend unter Druck geraten. Beim Streaming hingegen verschwänden wesentliche Elemente der ursprünglichen Produktionen.
Gerade bei den Supposé-Produktionen gehe dabei mehr verloren als nur der physische Tonträger, sagt Sander: Auch Booklets und die Dramaturgie mehrteiliger CD-Boxen seien im Streaming nicht mehr in gleicher Form vorhanden. „Da habe ich mich nie so wiedergefunden und gedacht, es wäre schön, wenn das Physische auch überleben würde.“
Das Buch ist für ihn dabei kein Ersatz für das Audio. Im Gegenteil: Der Verleger sieht die unterschiedlichen Medien als eigenständige Formen. Die Stimme transportiere beispielsweise Herkunft, Tempo, Betonung und Persönlichkeit – Aspekte, die im gedruckten Text verloren gingen. Gleichzeitig habe das Buch eigene Vorteile: „Man kann seinen eigenen Rhythmus bestimmen.“
Dass es für die gedruckten Ausgaben ein Publikum geben könnte, hat der Verleger auf Buchmessen selbst erlebt. Besucher:innen hätten die physischen Audioeditionen interessant gefunden, anschließend aber häufig gesagt: „Ich lese lieber.“ Früher habe er darauf geantwortet, dass die entsprechenden Titel eben nicht als Bücher existierten. „Diese Möglichkeit haben wir jetzt“, sagt er.
Buchhandel als wichtiger Vertriebspartner
Für den Vertrieb der neuen Bücher setzt Supposé auch auf den stationären Buchhandel. Gestalterisch bleiben die Printausgaben eng mit den bisherigen Ausgaben verbunden: Die Cover greifen die Bildmotive der ursprünglichen CD-Ausgaben auf, an den Angaben der Urheber:innen inklusive „Konzeption und Regie“ und „Erzähler“ ist das ursprünglich andere Format weiterhin erkennbar.
Das Experiment ist zunächst bewusst klein angelegt: Die ersten vier Bücher sind schmale Bände, die einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglichen sollen.







