
Jeden Monat fragen wir Menschen aus der Buchbranche nach ihrem Monat. Dieses Mal: die Buchhändlerin und Verlegerin Martina Tittel, die im Oktober den Verdienstorden des Landes Berlin erhalten hat für ihr langjähriges Engagement in der Kultur- und Buchhandels- wie Verlagsbranche.
BuchMarkt: Welcher Tag war ihr schönster im vergangenen Monat?
Martina Tittel: Der erste Oktober war ein sehr besonderer und schöner Tag, als mir in einer feierlichen Zeremonie der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen wurde. Besonders schön war daran, dass ich diesen Orden mit der Haupt-Begründung bekommen habe, die Buchkultur der Stadt bewahrt zu haben. Die Erhaltung der ältesten Buchhandlung Berlins, den Rückkauf des Nicolaiverlags, dem ältesten Verlag Berlins (beide gegründet 1713), um diese beiden wieder zur Nicolaischen Verlagsbuchhandlung zu vereinen. Gut für die Sichtbarkeit des Buches!
Worauf freuen Sie sich im kommenden Monat am meisten?
Darauf, dass das Weihnachtsgeschäft beginnt und nach Totensonntag die Buchhandlungen weihnachtlich schimmern. Meist bekommt man schon in den ersten Tagen eine Ahnung, wie es werden wird.
Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?
Bei mir liegt das Buch auf dem Lesetisch, da ich im Bett nicht lesen mag. Mein aktueller Titel ist ‚2033‘ von Bijan Moini. Eine Dystopie über die mögliche Machtergreifung einer rechten Partei und die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie, verlegt im Atrium Verlag.
Wären Sie ein Buch, welches wäre es?
Ich glaube, ich würde gern ein Buch sein, welches die Sinne froh macht! So wie ein gutes Kochbuch, aus welchem man die Rezepte einfach nachkochen kann, wie bei Donna Hay beispielsweise.
Welches Buch haben außer Ihnen alle gemocht?
Patrick Süskind – Das Parfüm. Ich konnte es nicht lesen, die Beschreibungen verursachten mir Übelkeit.
Über welches Thema wollen Sie im kommenden Monat mehr lesen?
Ein wichtiges Thema unserer Zeit ist die Selbstwirksamkeit, gerade in diesen Zeiten der überwältigenden Krisen, die einem suggerieren, ohnmächtig zu sein. Rutger Bregmann hat in ‚Moralische Ambition‘ dazu Beispiele von Menschen aufgezeigt, die in der Geschichte ihre deutlichen und nachhaltigen Spuren hinterlassen haben. Ich bin gespannt, welche Wege er möglicherweise aufzeigt, wie auch in diesen Tagen Einzelne den Unterschied machen können.
Von wem würden Sie gerne mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Jessy Wellmer oder Ingo Zamperoni.
Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie eigentlich gern beantwortet?
Welche Strategien sollte der Börsenverein entwickeln, um weiterhin stabil die Mitglieder im Kampf an der ‚Lesefront‘ zu unterstützen und die Vielfalt der Titel zu erhalten?
Und wie lautet Ihre Antwort darauf?
Alle, die im ‚Auftrag des Buches‘ unterwegs sind, sollten gemeinsam daran arbeiten, die Lesefähigkeit der Bevölkerung zu befeuern und zu verbessern! Außerdem tragen alle Marktplayer, große wie kleine, Verantwortung für den Erhalt der Vielfalt und damit für die Absicherung des Buchpreisbindungsgesetzes!






