Die Verleger-Blicke in den Editorials der aktuellen Vorschauen wollen wir weiter mit Ihnen teilen, die Serie „Aus der Werkstatt der Verlage“ geht deshalb in loser Folge weiter. Heute das Editorial von Christof Blome und Jana Fröbel, der beiden neuen Programm-Macher vom Ch. Links Verlag:

Im Verlauf des letzten Jahres haben wir uns nicht nur räumlich, sondern auch strukturell in die Aufbau Verlagsgruppe integriert. Der Name, das Team und die Programmlinien des Ch. Links Verlages bleiben erhalten. Unser Credo wird weiterhin sein, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu beleuchten, politische Diskussionen anzustoßen und historische Themen sorgfältig aufzuarbeiten.
Dabei freuen wir uns, die bewährte Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren unseres Verlages fortsetzen zu können. So wird sich Christoph Dieckmann in seinem neuen Buch auf die Suche nach der deutschen Identität machen und wichtige Gedächtnisorte besuchen. Und angesichts von »Querdenker« oder »Hygiene«Demonstrationen zeigt Rechtsextremismusexperte Andreas Speit in »Verqueres Denken«, dass auch in alternativen Milieus Werte und Vorstellungen kursieren, die alles andere als progressiv sind.
Zwei Novitäten blicken indes auf die internationalen Beziehungen. Norbert Mappes-Niediek beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Osteuropa. In »Europas geteilter Himmel« erklärt er, woher die bis heute andauernden OstWestGegensätze rühren, und eröffnet Wege zur besseren gegenseitigen Verständigung. Und Thomas Seibert weist mit »Machtkampf am Mittelmeer« darauf hin, dass es im östlichen Mittelmeerraum eine alarmierende Ballung von Krisenherden gibt, die sich gegenseitig befeuern und in neue Kriege zu münden drohen. Zwei weitere Bücher beschäftigen sich mit grundlegenden Fragen unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Gerd Nickoleit, einer der Gründerväter des »Fairen Handels«, fragt zusammen mit seiner Tochter Katharina, wie viel dieser Ansatz zu einer gerechteren Welt beitragen kann und ob er den Anforderungen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz standhält. Und aus dem hohen Norden weht ein optimistischer Wind zu uns herüber: Die beiden Norweger Wegard Harsvik und Ingvar Skjerve argumentieren in »Homo Solidaricus«, dass ein Sinn für Fairness und Zusammenarbeit dem Menschen durchaus angeboren ist. Und sie zeigen, wie Gesellschaften beschaffen sein müssen, damit unsere guten Anlagen zum Tragen kommen können.

Von Anfang an sind die Transformationsprozesse in Ostdeutschland ein Schwerpunkt unseres Verlagsprogramms gewesen. 30 Jahre nach dem Mauer fall steht die Lausitz durch den Braunkohleausstieg abermals vor einem Strukturwandel. Wie die Menschen in der Region damit umgehen, ergründet der von Johannes Staemmler herausgegebene Band »Wir machen das schon«. 1981 wurde an dem StasiHauptmann Werner Teske das letzte Todesurteil der DDRGeschichte vollstreckt – Gunter Langes Buch »Der Nahschuss« bringt Licht in den rätselhaften Fall
Benjamin Dürr schließlich erinnert an einen der einflussreichsten Politiker des Kaiserreichs und der Weimarer Republik: Matthias Erzberger. Wegen seines Einsatzes für Demokratie, Frieden und Völkerverständigung wurde er vor rund 100 Jahren von Rechtsradikalen ermordet. Höchste Zeit, ihm einen würdigen Platz im öffentlichen Bewusstsein zu verschaffen.
Auch wenn die Corona-Pandemie und die damit verbundene Krise für unsere Branche noch nicht überwunden sind, hoffen wir, mit unseren Frühjahrstiteln die Aufmerksamkeit von Lesepublikum und Medien zu finden und zu einem aufklärerischen Diskurs beizutragen. Die programmatische Vielfalt des Ch. Links Verlages wollen wir künftig gemeinsam fortführen.
Mit herzlichen Grüßen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Ihr
Christof Blome (Programmleitung)
und
Ihre Jana Fröbel (Leitende Lektorin Ostdeutschland und Wissenschaft)
Zuletzt brachten wir das Editorial von Claudia Romeder.







