Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Ohne Code durch Zeit und Raum“: Wer im Paradies weilt, soll jenen helfen, die unverschuldet nicht im Paradies sind: Ilija Trojanows verschachteltes Zeitreisenwerk Tausend und ein Morgen ist ein Roman des Versagens. „Freilich ist das Scheitern an der „Geschichtsschreibung“ programmatischer Bestandteil jedes Zeitreiseromans. Wer aber von vornherein schon ohne Code, Eigeninteresse und ideologischen Standpunkt in die Vergangenheiten schweift, kehrt immer mit leeren Händen zurück.“
- Ilija Trojanow, Tausend und ein Morgen (S. Fischer)
„Die Berufsunfähigkeit zu trauern“: Bov Bjergs neuer Roman Der Vorweiner führt in eine beklemmend bekannt erscheinende resteuropäische Zukunftsgesellschaft. „Bjergs ‚hohe Kunst der Verknappung‘ (Jan Wiele) wird angesichts der thematischen Fülle einer dystopischen Welt zum Hemmschuh, und dem barocken Text fehlt eine ebenbürtige Fabulierlust. Oft gerinnt die Lakonie zum Aperçu, und die satirischen Skizzen im letzten Drittel bremsen den Text dabei aus, von der hellsichtigen, aber auch durchsichtigen Allegorie auf unsere Gegenwart zu einem seiner Poetik ebenbürtigen Menetekel zu werden.“
- Bov Bjerg, Der Vorweiner (Claassen Verlag)
„Nur eine Sache ist beständig“: Der Roman Die Brücke über die Drina steht zwischen Multikulti und Gewalt. Er erzählt von einem Gefühl, das es in Bosnien nicht mehr gibt. „Ist das überhaupt ein Roman? Andrić hat eine vordergründig nüchterne Chronik geschrieben, über fünf Jahrhunderte vom Bau der Brücke bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs – Geschichten, die man sich immer noch erzählt, auch wenn sich alles ändert: wenn man Rum statt Rakija trinkt und die Österreicher auf einmal mit der Eisenbahn kommen und Annexionserklärungen verlesen.“
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„‚Dieses Land muss sich dringend verändern’“: Michel Friedman warnt in seinem neuen Buch vor Bequemlichkeit als Gefahr für die Demokratie. Ein Gespräch über die Bundesrepublik als Schlaraffenland in Flammen.
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Michel Friedman, Schlaraffenland abgebrannt. Von der Angst vor einer neuen Zeit (Berlin Verlag)
„Tschefuri und Janezi“: Goran Vojnovic schimpft und lässt schimpfen und setzt einem Wohnblockviertel ein Denkmal. „Für den geschickten Übersetzer Klaus Detlef Olof muss das eine Herausforderung gewesen sein. Eine gemeisterte: In Zeiten von Wertschätzungsgesäusel und verpflichtender Achtsamkeit können die brutalen Sätze wie eine Erholung wirken. Allerdings ist das Kolorit wiederum so dick aufgetragen, dass man sich unwillkürlich wünscht, es würde wenigstens einmal ein paar Seiten lang keine Schlampe gefickt und niemand in die Fotze seiner Mutter zurückgeschickt.“
- Goran Vojnovic, 18 Kilometer bis Ljubljana (a. d. Slow. v. Klaus Detlef Olof; Folio Verlag)
„Die große Offline-Lüge“: Eine digitale Entgiftung wird zum Trip in die Einsamkeit – das hochaktuelle Roman-Debüt der Berlinerin Jenifer Becker. „„Zeiten der Langeweile“ ist ein wahnhafter, ein technologie- und gesellschaftskritischer Roman, der einem elegant die Frage unterjubelt: Wer zieht eigentlich die absurdere Show ab? Die Protagonistin – oder die ständig postende, scrollende, swipende und hetzende Community? Ein Verdacht liegt nah: Die Paranoia ist nicht weniger als Futter einer durchdigitalisierten Gesellschaft. Die Menschheit: gefangen in den Netzen von Datenspinnen – und in ihrer eigenen digitalen Abhängigkeit. Ein Entrinnen? Unmöglich. Langeweile? Keine Chance.“
- Jenifer Becker, Zeiten der Langeweile (Hanser Berlin)