Die Medienunternehmen Die Welt, Radio 3 RBB, Neue Zürcher Zeitung und ORF-Radio Österreich 1 stellen monatlich die „Sachbücher des Monats“ zusammen. Dieses Mal dabei:
1. Sigmund Freud: Dich so zu haben, wie Du bist. Die Brautbriefe, Band 5, herausgegeben von Gerhard Fichtner, Ilse Grubrich-Simitis und Albrecht Hirschmüller, S. Fischer Verlag. 716 Seiten, € 78,00
2.. Sven Beckert: Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution. Übersetzt von Helmut Dierlamm, Werner Roller, Sigrid Schmid und Thomas Stauder, Rowohlt Verlag, 1279 Seiten, € 42,00
3. Gabriel Zuchtriegel: Pompejis letzter Sommer. Als die Götter die Welt verließen, Propyläen Verlag, 320 Seiten, € 33,00
4. Giuliano da Empoli: Die Stunde der Raubtiere. Macht und Gewalt der neuen Fürsten. Übersetzt von Michaela Meßner, C. H. Beck Verlag, 127 Seiten, € 15,00
5. Annekathrin Kohout: Hyperreaktiv. Wie in sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft wird, Verlag Klaus Wagenbach, 160 Seiten, € 18,00
6.-7. Florence Gaub: Szenario. Die Zukunft steht auf dem Spiel, Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), 507 Seiten, € 25,00
Christoph Safferling: Ohnmacht des Völkerrechts. Die Rückkehr des Krieges und der Menschheitsverbrechen, Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), 314 Seiten, € 25,00
8. Katja Gloger / Georg Mascolo: Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik, Ullstein Verlag, 496 Seiten, € 26,99
9. Bernd Greiner: Weißglut. Die inneren Kriege der USA. Eine Geschichte von 1900 bis heute, C. H. Beck Verlag, 464 Seiten,
€ 32,00
10. Birgit Aschmann: Die Deutschen und die Natur. Eine andere Geschichte des 19. Jahrhunderts, Propyläen Verlag,714 Seiten, € 38,00
Besondere Empfehlung des Monats Dezember: Prof. i. R. Dr. Konrad Paul Liessmann (Universität Wien): Peter Hoeres: Rechts und links. Zur Karriere einer folgenreichen Unterscheidung in Geschichte und Gegenwart. Zu Klampen Verlag, 216 Seiten, € 24,00
Im Kampf gegen Rechts kennen wir keine Gnade – auch nicht die Gnade einer begrifflichen Differenzierung. Von gewaltbereiten Neonazis über identitäre Remigrationstheoretiker bis zu plakativen Populisten und zum CDU-Kanzler, von bürgerlichen Konservativen über migrationsskeptische Wissenschaftler bis zu Kritikern des Gendersternchens gilt alles als rechts und damit verwerflich. Zwar fiele es aus guten Gründen niemandem ein, nach linksextrem motivierten Attacken auf Politiker oder islamistisch motivierten Gewalttaten zu einem Kampf gegen Links oder den Islam aufzurufen, für das rechte politische Spektrum gilt diese vornehme Zurückhaltung aber nicht. Grund genug, sich einmal der Geschichte dieser politischen Verortungen im Links-rechts-Schema zu vergewissern. Der Würzburger Historiker Peter Hoeres legt nun eine kompakte und luzide Studie zu dieser Frage vor, die einen weiten Bogen schlägt: von den anthropologischen Fundamenten von Rechts und Links, der Bedeutung dieser Unterscheidung in den Religionen und im Straßenverkehr – der Rechtsverkehr geht auf Napoleon zurück! – bis zur Politisierung dieser Orientierungshilfen seit der Französischen Revolution. Hoeres macht kein Hehl aus seiner Ansicht, dass er die pauschale Denunziation und Verdächtigung der Rechten für einen demokratiepolitischen Fehler hält und dass er auf die Rückkehr von „Rechts“ in die politische „Normalsprache“ hofft, denn für ihn gilt: „Rechts und Links sind ungleiche Geschwister, die einander bedürfen.“ Auch wenn man diese Ansicht nicht teilt, wird man diesen Essay mit Gewinn lesen – sofern es darum geht, jenseits von Schlagworten und reflexartigem Aktionismus politisch brisante Begriffe mit historischem Wissen und analytischer Präzision zu schärfen. (Konrad Paul Liessmann)
Die Jury: Tobias Becker, Der Spiegel; Natascha Freundel, radio 3 vom rbb; Dr. Eike Gebhardt, Berlin; Knud von Harbou, Feldafing; Prof. Jochen Hörisch, Unversität Mannheim; Günter Kaindlstorfer, Wien; Dr. Otto Kallscheuer, Sassari, Italien; Petra Kammann, FeuilletonFrankfurt; Jörg-Dieter Kogel, Bremen; Dr. Wilhelm Krull, Hamburg; Marianna Lieder, Berlin; Lukas Meyer-Blankenburg, Redaktion Das Wissen, SWR; Gerlinde Pölsler, Der Falter, Wien; Marc Reichwein, DIE WELT; Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung; Prof. Dr. Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar; Wolfgang Ritschl, ORF Wien; Florian Rötzer, krass-und-konkret, München; Norbert Seitz, Berlin; Mag. Anne-Catherine Simon, Die Presse, Wien; Prof. Dr. Philipp Theisohn, Universität Zürich; Dr. Andreas Wang, Berlin; Prof. Dr. Harro Zimmermann, Bremen; Stefan Zweifel, Zürich.