Donnerstag: Wichtige Preisverleihungen und Socken

Liebe Freunde,
kein Text, gleich Bild:

Inzwischen weiß ich, dass die Messesocken-Edition DOCH im Messeshop beim Messemerchandise zu finden ist. Und ich vorfreue mich jetzt schon auf die Socken, die mich noch nicht erreicht haben, aber stolz angekündigt wurden. Und alles nur, weil ich zu blöd zum Selbereinkaufen bin.
Jedenfalls: Vielen lieben Dank, Maren Ongsiek.
Ich werde auch jede weitere Sockengabe, die aufgrund dieser Messe bei mir eingeht, namentlich würdigen. Aber es ist keine Schande, gegen Frau Ongsiek zu verlieren.
Heute haben wir endlich Publikum eingelassen und somit alle Eröffnungsbrennstufen abgeschlossen! (Während Sie das lesen, ist die Messe schon wieder halb vorbei.)


Wir bereiten uns auf immer wieder neue Literaturgenres vor:

Und vieles mehr. Freuen Sie sich auf einen Eröffnungsdonnerstag mit dem Messepreis, dem Buchhandlungspreis (jawohl!) und vielen alten und neuen Freunden.
.
.
Dinge, die ich sah
Hier wird viel für die Jugend getan! Das sage ich frei von Pointe und voller Anerkennung.





Weitere Branchenbeobachtungen sind:


Spiele-Innovator Denkriesen hat mit Arschmellow einen Denkriesenhit gelandet.

Gottlob sitzt da keiner drin. Hoffe ich.
Hier sind zwei Walk Acts von Ernie und Bert, und beide tanzen, um den Kinden Stimmung zu machen. Ich habe da nur ein Problem:

In der Synchronarena werden Synchronsprecher-Auftritte angekündigt!

Der Postillon ist eine satirische Institution der Nachrichtenparodie und des Rage Baitings, aber hier sagen sie ausnahmsweise mal die Wahrheit:

Geschenktipp!

Obwohl:

Menschen, die ich traf
Oder besser, Menschen, die ich vorgestern traf: Theresa Schenkel heißt natürlich Theresa Schenkel! Und nicht Theresa Bolkart.

Bodo Horn-Rumolds Rat Pack vermeldet Neuigkeiten: Der 360 Grad Verlag hat nun mit Larissa Zang eine neue Verlegerin, Bodos Trumpf bleibt Wilde-Kerle-Content, und Jola Bilko kommt an den Wochenenden abwechselnd zu Bodo und zu Harald Kiesel.
Aber ganz im Ernst: Dass das schöne 360°-Programm uns erhalten bleibt und sich neu aufstellt, ist eine Exklusivmeldung, die ich sehr gerne überbringe.

Am Libri-Stand treffe ich Stefan Könemann und Bertram Pfister. Aber nur versehentlich, weil sie vor dem Kaffeestand stehen. Ich werde sie einfach fotografieren, bis sie weggehen.

Denn eigentlich will ich zu Barista Björn, der einen der besten Kaffees auf der Messe macht.


Thilo Schmid vom Oetinger-Verlag hat eine halbe Stunde, drei Kinderriegel und einen Saft lang Zeit für mich!

Sie wollen jetzt sicher lesen, dass einer von uns den Affen gemacht hat, weil wir Thilo Schmid und Matthias Mayer sind, aber in Wahrheit haben wir ein sehr schönes, freundschaftliches, profundes und ehrliches Gespräch geführt.
Und dann haben wir beide den Affen gemacht.
Ein fachverlag für Affenmachung ist ja Kunstmann, wo man es zur Kunstform erhoben hat, den Affen zu machen – mit Provokationen, Verspieltem, allemal Überraschendem. Hier präsentiere ich zusammen mit Lisa Hürtgen den fantastischen Bus.

Nein – Moment:

Um mich zu demütigen, lädt mich Toni Neugirg zu sich und seinen Girls in die VIP-Lounge ein.

Ich bewahre Haltung und versuche wenigstens, dem Buffet so weitfassend wie möglich zu schaden und hole mir achtmal nach.

Es gab Bulgur mit Gemüse und Obstsalat. Es gab auch Brezeln und Obadzda, und egal, was Sie sagen, ich werde Obadzda immer so schreiben.
Die Coppenrath-Bildstrecke hat eine eigene Überschrift verdient. Sie lautet:
.
.
Die Coppenrath-Bildstrecke hat eine eigene Überschrift verdient
Dr. Lambert Scheer heißt mich in seiner hasenhöhligen Spiegelburg namens Coppenrath willkommen. Und endlich lerne ich, dass tatsächlich eine familiäre Verwandtschaft zum Tortenfabrikanten besteht. Zusammen mit Harry Rowohlt und Sky Dumont habe ich jetzt immer drei Gesprächsthemen parat, wenn mir nichts anderes einfällt.

Die große Sepp-Maier-Biographie (siehe letzte Messe) wies einen so skurrilen Fehler auf, dass der Verlag sich selbst eine rote Karte zur Korrektur ausdruckte.

Nächstes Stofftier-Projekt: Das Einhornhündchen Unidog. Coppenrath erspart sich diesmal das zwangsläufige Artikelkinderbuch à la Grolltroll und geht direkt buchlos in die Stofftierproduktion

Aber freuen wir uns nicht zu früh. Am Ende läuft diese Hundenummer super, und dann kommt doch noch ein Bonus Track aus Papier. Das macht mich so wütend, dass ich spontan nach einem der Captain-Sharky-Säbel greife, um diesem schurkischen Holländer ein für alle Mal das Handwerk zu legen.

Aber weil er den süßen Hund, den ich so verabscheue, zur Geisel nimmt, kommt er mir davon. Beim nächsten Mal, Lambert Scheer! Da wirst Du baumeln! Arrrrr!
Und das war die Geschichte, wie ich zu einem Einhornhund kam.
.
.
Pouse bei Penguin Random House
Eine Verlagskonzern, der schon so sehr mit unserer Branche verwachsen ist, dass sich schon lange niemand mehr wundert, warum ein Verlag Pinguinzufallshaus heißen muss: Da bin ich messewillkommen.
Der Messestand ist riesig, selbst der verkleinerte, selbst der Leipziger. Aber man trifft Gott und die Welt:



Leider unscharf geworden, Ihre Vierhundertselsekunde an meiner Seite. Aber schon bei geringer Verkleinerung verringert sich die Unschärfe deutllich:

Und das Lesemagazin „Kundendung“, kurz KUDU, darf ich vorstellen

Für eine Mittagspause darf ich einen winzigsten Pausenraum betreten, den Katja Schmidt mir zuweist. Auf einer Messe, wo jeder Quadratmeter so teuer ist wie auf der ISS, wissen die Verlagsmitarbeiter*innen diese zwo Quadratmeter Privatsphäre zu schätzen.

Ein Donaumenü aus dem Glas wird mich stärken. Ich nehme eine Österreichkurve:

Reizvoll ist auch die Bullaugenöffnung in der Tür. Immer, wenn ein Messegast neugierig durchgucken will, mache ich 28 Days later.

.
.
Der Preis der Leipziger Buchmesse
Den Leipziger Messepreis will ich dieses Jahr nicht verpassen, weil einer der Nominierten ein alter Weggefährte ist! Die Verleihung findet wie immer in der Glashalle vor Publikum statt.
BuchMarkt-Redakteur Ulrich Faure hat für Matthes & Seitz dies hier aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen:

Und so habe ich einmal ein persönliches Interesse an dieser doch ansonsten auch immer sehr drögen, späten Veranstaltung. Ohne Ulli Faure wäre ich heute nicht hier.
Nicht so das übrige, zahlreiche Publikum:


Der Direktor der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner, gibt die Nominierten in der Kategorie Übersetzung bekannt.

Und wie bei den Oscars kommen Einspieler und Einblendungen zu den Nominierten. Und da kommt auch schon Ulli! Go, Ulli, go!

Und der Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung geht an: Manfred Gmeiner für
Gustavo Faverón Patriau: „Unten leben“.
Und nicht an Uli Faure.
Das bedeutet für mich zweierlei:
- Ich gratuliere dem Gewinner herzlich.
- Ich kann gehen.

In einem Gewächs oberhalb der riesigen Projektionswand kann ich mit Teleobjektiv zwischen den Pflanzen hindurch fotografieren!

Mit dem Mindset eines Attentäters kriegt man gar nicht so schlechte Fotos hin.

Deutscher Buchhandlungspreis
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird zwar nach wie vor vergeben, und so vergeben, wie Herr Weimer es für richtig hält, aber die Verleihung ha er ja abgesagt, und zwar aus Gründen, die er ebenfalls für richtig hält.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat an Stelle dieser Veranstaltung nun einen kleinen T.u.T.-Empfang veranstaltet, also Trost & Trotz; und das erwies sich als sehr, sehr gute Idee. Eingeladen waren alle Preisträger und wer sich sonst noch solidarisch erklären wollte.
Und der Andrang war groß: Das freudige Verlangen nach Gemeinschaft war ebenso spürbar wie die Überzeugung, gemeinsam das Richtige zu sagen und zu tun.

Die preistragenden Buchhandlungen haben die Preisgeldlücken der gestrichenen Kandidaten gemeinsam geschlossen; und Verbandsvorsteher Sebastian Guggolz ist in seinen ersten Amtstagen völlig unvorbereitet in diese Mikrofonrevolte geschlittert. Erst gestern hat er dem Weimer unter durstigem Applaus die allerbesten Leviten gelesen, und heute sieht er sich Auge in Auge mit der ganzen Branche, die er auf dieser Messe bravourös repräsentiert. Unser Frischling!
Hoffentlich streicht die Redaktion den Frischling bei ihrer Redigierung ab 10.00 Uhr.
Jedenfalls: Die Branche gibt zurück, dass Sie mit dem sympathischen Guggolz bereits sehr zufrieden ist.



Ich durfte das Buffet eröffnen bei einer der umstrittensten Preisverleihungen des Jahres! Mit Bimmel und Öhrchen rief ich:

Vorjahrespreisträger (u.a.!) Buchhandlung Brencher aus Kassel haben sich mit Buttons und Shirts vollsolidarisch eingefunden:

Ich hörte aber, dass man das nachträglich durch eine unauffällige Verkleinerung in den Griff bekommen kann:



In der selbstzufriedenen Menschenmenge entdecke ich auch Reinhilde Ruprecht, in der Branche bekannt für ihren charmanten Philosophie- und Denkschraubenverlag Edition Ruprecht.

Und nur nach wenigen Sekunden Überredungsarbeit und Zusicherungen Dritter, dass ich ein seriöser Journalist sei, darf ich sogar die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages belästigen!

Keine Ahnung, wer die beiden sind, aber die sehen schon von weitem aus wie Sekt und Häppchen.

Und endlich gelingt MIR einmal ein Markus Fertig mit Markus Fertig! Also eine heimliche Fernablichtung während unbeobachtet gewähnter Arbeit.


Oh Nööööööööö!
.
.
Erstes Interview der Messe: Sebastian Guggolz
Sebastian Guggolz ist unsere neue Karin Schmidt-Friderichs, obwohl er natürlich zuvorderst ein Guggolz ist, aber das hat er der Branche in den letzten Tagen schon beweisen können. Der Verleger und Verlagsmitarbeiter ist unser neuer Verbandsvorsteher, und kaum im Amt, fliegt unserer Branche die Affäre Weimer um die Ohren: Willkommen an Deck, Captain, und übrigens, da vorne ist der Wal.
BuchMarkt: Sebastian Guggolz, Sie sind der neue Vorsteher des Börsenvereins.
Guggolz: Wie lange bleibe ich neu?
Wie lange bleibt man eigentlich neu?
Also, ich bin auch gerne noch der Neue. Sagen wir: Ein Jahr bin ich der Neue.
Sie haben ja schon einen Beruf. Wann macht man denn dann die Sachen, die als Börsenvereinvorher anfallen?
Ich habe sogar zwei Berufe. Ich habe meinen eigenen Verlag, und ich bin noch beim S.-Fischer-Verlag. Und in der Zeit, die da noch übrig bleibt, mache ich den Börsenverein. Aktuell überwiegt der Börsenverein etwas wegen der Querelen der letzten Wochen. Das war ja sehr, sehr überraschend.
Sie hätten sich nicht träumen lassen, dass ihr Einstand auf der Leipziger Buchmesse diese Formen annimmt.
Ich war sehr überrascht gestern Abend im Gewandhaus. Waren sie nervös vor diesem Auftritt?
Nee, gar nicht, weil ich mich so im Recht fühle nach wie vor. Und ich war natürlich gespannt, wie das alles wird und war angespannt, aber nervös war ich ehrlich gesagt nicht, weil ich nicht das Gefühl habe, zu taktieren, sondern das ist es, worum es jetzt geht. Ich habe ja auch versucht, in meiner Rede am Anfang auch noch den Anlass zu würdigen und versucht, das Ganze nicht in eine persönliche Bekämpfung oder sowas münden zu lassen. Aber es war klar, dass das gesagt werden muss. Es wäre nicht möglich gewesen, es nicht zu sagen. Und wenn man schon die Gelegenheit hat… Wolfram Weimer entzieht sich ja gerade jeder Gelegenheit der Konfrontation. Deswegen wollte ich das unbedingt nutzen.
Hatten Sie dort hinter den Kulissen Gelegenheit gestern noch mit Weimer zu reden, oder ist er dann ganz schnell weg?
Davor gab ein bisschen die Gelegenheit. Und das ist sehr interessant, weil die Fronten natürlich aktuell ein bisschen verhärtet sind, es uns aber klar ist, dass wir auch in Zukunft wieder Partner werden müssen. Das wird spannend zu sehen, wie sich diese aktuellen starken Differenzen wieder in ein kooperatives Fahrwasser bewegen werden.
Was sagt dann S. Fischer dazu, wenn bei Ihnen deswegen Arbeit liegen bleibt?
Es bleibt einfach keine Arbeit liegen. Ich mache das einfach. Ich erledige einfach meine Arbeit. Ich schlafe zur Zeit wenig. Das kann ich noch dazu sagen.
Das ist ja bei einer Messe eh immer so.
Das bringt es mit sich, diese Dreiteilung. Ich habe zum Glück die Angewohnheit, nachts konzentriert arbeiten zu können. Und das mache ich gerade praktisch jede Nacht.
Aber fragt man dann vorher den Verlag, bevor man ein solches Amt antritt?
Ja, natürlich. Ich hatte bei Holzbrinck nachgefragt, und die haben das aber sehr gutgeheißen. Die finden das auch richtig so, dass ich die Verantwortung übernehme. Das ist alles abgesegnet.
Was haben S. Fischer und Holzbrinck davon, dass Sie dieses Amt übernehmen?
Ich weiß gar nicht, ob sie direkt was davon haben, aber sie haben was davon, dass jemand, von dem sie etwas halten, Sprecher des Börsenvereins ist. Ich weiß nicht, ob es einen direkten Nutzen gibt. Ich glaube, das ist auch eine Geste, in die Branche zu sagen: Wir stellen diesen Vorsther sozusagen für dieses Ehrenamt zur Verfügung.
Hat man eine Vorstellung davon, was einen erwartet? Was liegt auf dem Schreibtisch am ersten Tag?
Nein. Karin Schmidt-Fridrichs, meine Vorgängerin, hat mich ja so ein bisschen eingearbeitet. Sie hat sich da immer auch ein bisschen lustig gemacht über mich: Sie fing an, und Corona kam. Und wir haben immer Scherze gemacht, sowas kann ja jetzt nicht auch kommen. Jetzt kommt halt was ganz anderes.
Und: Ta-daaaa! Weimer ist Ihr Corona geworden.
Aus irgendeiner Ecke kommt der Schuss immer. Das Tolle ist ja auch, dass es mir die Möglichkeit gibt, öffentlich sichtbar zu werden.
Vielen Dank für dieses schöne Interview.
Gerne.

Zum Geleit
Und das war mein Donnerstag. Vollgepackt bis an den Rand; so voll gar, dass ich Bernhard Fetschs Branchenabendessen ausschlagen muss, denn wenn ich jetzt noch mit der Branche abendesse, fliegt mir wieder die Nacht um die Ohren. Ich habe zwar zipfelige Öhrchen, aber ich bin keine Eule.
Denken Sie nicht, dass ich keine CosPlayer fotografiert habe! Ich hatte eingangs bereits die komische S-Bahn-Prinzessin erwähnt, und ich weise ausgangs darauf hin, dass ich mir die CosPlayer-Motive immer für Sonntags aufhebe.
Nur dieses Schmankerl noch, sozusagen als Kostprobe:

Hoffentlich weiß die Redaktion das bei Ihrer 10.00-Uhr-Runde als kulturell relevantes South-Park-Zitat einzuordnen. Es zeigt, wie man auch ohne Links oder Rechts extrem sein kann.
(Wir haben eine Absprache: Ich stelle nachts ungebremst online, was ich für lustig befinde, und die Redaktion wartet bis 10.00 Uhr, bevor sie dann auf Fehler und Frechheiten gegenliest.)
Und wissen Sie, wen ich bis jetzt überhaupt noch nicht gesichtet habe?

Ich wünsche allen einen glimpflichen Messefreitag. Ich sage glimpflich, weil ich Menschenmassen erwarte.
(Schluck)
Ihr und Euer
Matthias Mayer
.
.
Höhepunkte deutschen Literaturfernsehens, Teil 1 von 5:
