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Christoph Honig: Mehr Mut im Buchhandel: Lieber gut als perfekt

Christoph Honig (Foto: privat)
Christoph Honig (Foto: privat)

Christoph Honig ist Buchhandelsberater. Dieses Mal erläutert er, warum Perfektion nicht immer einen Mehrwert bringt.

Viele Buchhändlerinnen und Buchhändler zögern bei neuen Ideen.

Doch was bedeutet Perfektion eigentlich wirklich?

Ist Perfektion wirklich so erstrebenswert? Dana Harari vom Georgia Institute of Technology ging diese Frage bereits 2018 auf den Grund – und ihre Antwort überrascht.
Besonders auffällig ist, dass PerfektionistInnen deutlich häufiger unter Angstzuständen, Depressionen und massivem Stress leiden. Auch das Risiko für ein Burnout ist extrem erhöht – eine logische Konsequenz aus dem permanenten, selbstgemachten Druck. Das Überraschende dabei: Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass ihre Leistungen besser sind als die von KollegInnen, die nicht nach dem Absoluten streben. Die meisten Führungskräfte und Mitarbeitenden wollen ohnehin das Beste und arbeiten bereits hochgradig fleißig und engagiert. Bei allem Ehrgeiz dürfen wir also eines nicht vergessen: Gut ist oft gut genug.

Das neue Konzept, welches nie das Licht der Welt erblickt

Viele BuchhändlerInnen überlegen oft tagelang, bevor sie bsp. etwas in den sozialen Medien posten. Überlegen welche Leseempfehlung des Monats sie aussprechen sollen. Haben bereits neue Ideen zu einem neuen Veranstaltungskonzept

Aber: ALLES muss perfekt sein.

Wenn der Anspruch das Ausprobieren verhindert

Die Idee eines ungewöhnliches Schaufensterkonzepts oder Umstrukturierung des Wareneinkaufs liegt schon seit Wochen in der Schublade. Das neue Veranstaltungskonzept ist schon lange durchdacht.

Und trotzdem passiert: nichts

Stattdessen wird weiter gefeilt, optimiert, hinterfragt und Bedenken weiter perfektioniert – bis aus der spontanen Idee ein monatelanges Projekt wird, welches dann am Ende doch in der Schublade landet.

Was aber bedeutet Perfektion?

Wer legt sie fest, wann ist etwas „fertig genug“, um es zeigen oder es auszuprobieren. Oft ist es niemand außer man selbst, der eigene innere Kritiker – und der sich kaum zufriedenstellen. Die unbequeme Wahrheit: Wer wartet, bis alles perfekt ist, wartet oft vergebens und verpasst dabei den Moment, in dem die Ideen frisch und relevant gewesen wären.

Fehler als Treibstoff für Entwicklung

Woher kommt also unser kollektiver Hang zum Perfektionismus? Das Credo, bloß keine Fehler zu machen, wird uns meist schon in der Kindheit eingetrichtert und setzt sich später nahtlos in der Arbeitswelt fort.

Dabei übersehen wir das Wesentliche: Wer Fehler radikal vermeidet, verlernt das Lernen.

Erst durch Fehler, Fehltritte und das anschließende Korrigieren können wir uns persönlich und fachlich überhaupt weiterentwickeln. Im beruflichen wie im privaten Leben absolut fehlerfrei bleiben zu wollen, ist nichts weiter als eine gefährliche Illusion. Nur wer Fehler zulässt, schafft Raum für echtes Wachstum. Fehler machen zu dürfen, hält uns in Bewegung und setzt Energie frei.

Wer Fehler vermeidet und versucht immer perfekt zu sein, wächst nie wirklich.

Gut ist oft gut genug – und oft sogar besser..

Christoph Honig


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