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Die Schriftstellerin Shida Bazyar erhält den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026

Shida Bazyar (Foto: Tabea Treichel)

Der vom Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig gestiftete und mit 30.000 Euro dotierte Wilhelm Raabe-Literaturpreis geht an Shida Bazyar für ihren Roman „Die Lücken“ (erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2026).

Zur Begründung erklärte die Jury:

„Shida Bazyar entfaltet in „Die Lücken“ ein Panorama deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts. Eine fiktive, der Wirklichkeit dabei unverkennbar verwandte Ortschaft im Hunsrück wird in diesem Roman zum exemplarischen Schauplatz individueller Verstrickungen in die Verbrechen des Holocausts und einer schleichenden Normalisierung von Antisemitismus, Entrechtung und Ausgrenzung, die sich bis in die Gegenwart fortschreibt.
Bazyar erzählt anhand des Städtchens mit dem sprechenden Namen Heimesbach im Lokalen, und damit Konkreten, die Praxis des Umdeutens und Relativierens der eigenen wie der politischen Geschichte und von einer Erinnerungskultur, die erst von den Opfern selbst reklamiert werden muss.
Beginnend in den 1920er Jahren lässt Bazyar das Erzählen beständig zwischen den Zeitebenen wechseln und verschneidet historisches und fiktives Material. Aus den verschiedenen Perspektiven und Biografien von Opfern und Tätern entsteht auf diese Weise das Bild eines Ortes, in dem sich historische Kontinuitäten kreuzen.
Mit sprachlicher Präzision, feiner Recherche und einer ebenso raffinierten wie eleganten Romankomposition hat Shida Bazyar einen der brisantesten Romane unserer Zeit geschaffen.“

Die Jury des Wilhelm Raabe-Literaturpreises setzt sich in diesem Jahr zusammen aus Maja Beckers (Die ZEIT), Prof. Dr. h. c. Gerd Biegel (Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V.), Dr. Maha El Hissy (freie Literaturkritikerin), Dr. Hanna Engelmeier (KWI Essen), Dr. Daniel Graf (Republik Magazin), Prof. Dr. Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig), Prof. Dr. Julia Schöll (Institut für Germanistik, TU Braunschweig), Dr. Jan Wiele (F.A.Z.) und als Sprecherin der Jury Dr. Wiebke Porombka (Deutschlandfunk).

Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue überreichen Shida Bazyar den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026 am Samstag, 7. November, um 15.30 Uhr, im Rahmen eines Festaktes im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters.

Mit der Verleihung dieses Preises zeichnen die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus. Mit der Auszeichnung soll exemplarisch das bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung publizierte literarische Schaffen gewürdigt werden. Ein aktuelles Buch der Preisträgerin muss im laufenden Kalenderjahr der jeweils aktuellen Vergabe erschienen sein.

Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Rainald Goetz, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier, Sibylle Lewitscharoff, Christian Kracht, Marion Poschmann, Thomas Hettche und Clemens J. Setz, Heinz Strunk, Petra Morsbach, Judith Schalansky, Norbert Scheuer, Christine Wunnicke, Gert Loschütz, Jan Faktor, Judith Hermann, Saša Stanišić und Jonas Lüscher.

Der Digitalkanal Deutschlandfunk Dokumente und Debatten überträgt die Preisverleihung am Samstag, 7. November, 15:30 Uhr, live im Radio und im Netz, eine Aufzeichnung ist am 28. November ab 20.05 Uhr im Deutschlandfunk zu hören.

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