Die Medienunternehmen Die Welt, Radio 3 RBB, Neue Zürcher Zeitung und ORF-Radio Österreich 1 stellen monatlich die „Sachbücher des Monats“ zusammen. Dieses Mal dabei:
1. Franz Walter: Joachim Fest. Ein Leben im 20. Jahrhundert, dtv Verlagsgesellschaft, 720 Seiten, € 36
2. Svenja Flaßpöhler: Zusammenbleiben. Von der Freiheit fester Bindungen, Verlag Klett-Cotta, 304 Seiten, € 25,00
3. Roger de Weck: Glanz und Elend der Konservativen, Suhrkamp Verlag (edition suhrkamp), 184 Seiten, € 20,00
4. Otto-Hans Thomashoff: Du bist nicht deine Eltern. Wie wir toxische Familien überwinden und in Freiheit leben, Ariston Verlag, 224 Seiten, € 20,00
5. Antony Beevor: Der letzte Akt. Rasputin und das Ende des Russischen Reiches. Übersetzt von Jens Hagestedt, Verlag Philipp Reclam jun., 412 Seiten, € 28,00
6.-8. Martin Doerry / Hauke Janssen: Augstein. Ein deutsches Leben, C. H. Beck Verlag, 533 Seiten, € 34,00
Teresa Präauer: Nie mehr weinen. Tränenkunde für Fortgeschrittene, Residenz Verlag, 96 Seiten, € 20,00
Susanne Weigelin-Schwiedrzik: China und die Neuordnung der Welt, Brandstätter Verlag, 208 Seiten, € 22,00
9. Wolf Biermann: Ihr löscht das Feuer mit Benzin. Tagebücher. Über Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall, Penguin Verlag, 416 Seiten, € 32,00
10. Alexander Smoltczyk: Lissabon 1941. Stadt der Spione, Hafen der Hoffnung, dtv Verlagsgesellschaft, 346 Seiten, € 26,00
Besondere Empfehlung des Monats November von Dr. Lisz Hirn (Philosophin und Publizistin): Simone Weil , Die Ilias, oder das Gedicht von der Gewalt, Verlag Matthes und Seitz Berlin, 102 Seiten, € 9,99:
In Christopher Nolans filmischer Interpretation der „Odyssee“ kämpft sich ein alternder Held zurück in die Heimat, die er Jahre davor für den Krieg aller Kriege verlassen hat. Troja ist endlich gefallen, zurückgeblieben sind nicht nur Trümmer, sondern auch die Legenden jener Menschen, die das Epos „Ilias“ thematisiert. Die Philosophin Simone Weil griff in den 1930er Jahren eben dieses Epos auf, um dessen Relevanz für die furchterregenden Entwicklungen ihres Jahrhunderts zu zeigen. „Der wahre Held, das wahre Thema, die Mitte der Ilias ist die Gewalt. Die Gewalt, wie sie von den Menschen geübt wird, die Gewalt, die die Menschen unterwirft, die Gewalt, vor der das Fleisch der Menschen zusammenschrumpft.“ Nicht Achill oder Hektor wären die Hauptfiguren der Ilias, sondern die Gewalt selbst. Sie ist die eine alles durchdringende wie unerbittliche Macht, die Menschen in Dinge verwandelt. Das Außergewöhnliche der Ilias ist, dass in diesem Lied keine der beiden Kriegsparteien bevorzugt dargestellt wird. Sowohl Griechen als auch Trojaner, Sieger als auch Besiegte, werden schließlich zum Opfer der Gewalt: Achilles fällt für seinen Ruhm, Agamemnon heimkehrend durch die Hand seiner Frau Klytaimnestra. Weil resümiert, „dass man die Gewalt niemals bewundern soll, die Feinde nicht hassen und die Unglücklichen nicht verachten.“ Man könnte schneller als man denkt, zu ihnen gehören. (Lisz Hirn)
Die Jury: Tobias Becker, Der Spiegel; Natascha Freundel, radio 3 vom rbb; Dr. Eike Gebhardt, Berlin; Knud von Harbou, Feldafing; Prof. Jochen Hörisch, Unversität Mannheim; Günter Kaindlstorfer, Wien; Dr. Otto Kallscheuer, Sassari, Italien; Petra Kammann, FeuilletonFrankfurt; Jörg-Dieter Kogel, Bremen; Dr. Wilhelm Krull, Hamburg; Marianna Lieder, Berlin; Lukas Meyer-Blankenburg, Redaktion Das Wissen, SWR; Gerlinde Pölsler, Der Falter, Wien; Marc Reichwein, DIE WELT; Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung; Prof. Dr. Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar; Wolfgang Ritschl, ORF Wien; Florian Rötzer, krass-und-konkret, München; Norbert Seitz, Berlin; Mag. Anne-Catherine Simon, Die Presse, Wien; Prof. Dr. Philipp Theisohn, Universität Zürich; Dr. Andreas Wang, Berlin; Prof. Dr. Harro Zimmermann, Bremen; Stefan Zweifel, Zürich.






