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Play it Again: Buchpremiere mit Alan Rusbridger in Berlin

Großer Auftritt gestern Abend in Berlin: Der Brite Alan Rusbridger stellte im Gespräch mit „Spiegel“-Redakteurin Elke Schmitter sein Buch Play it again vor, das jetzt im Secession Verlag für Literatur erschienen ist. Der Piano Salon Christophori im Wedding bot dafür eine schöne Kulisse. Der Pianist Ulugbek Palvanov eröffnete den Abend mit Chopins Ballade Nr. 1 in g-Moll. Sie spielt in dem Buch eine Hauptrolle.

Alan Rusbridger und Elke Schmitter

Die Kombination aus Literatur und Musik zog ein großes Publikum an. Verleger Joachim Zepelin konnte zur Buchpremiere rund 150 Gäste begrüßen. Er verriet auch, dass es Elke Schmitter war, die den Verlag auf das Original Play it Again aufmerksam gemacht hat, das 2013 in London erschienen ist.

Alan Rusbridger, der bis Mai dieses Jahres 20 Jahre lang Chefredakteur des „Guardian“ war und 2014 mit dem Alternativen Nobelpreis für seine Verdienste um eine kritische Medienöffentlichkeit ausgezeichnet wurde, beschreibt in Play it Again sein „Jahr zwischen Noten und Nachrichten“. Der Amateurpianist, dem als gestresster Medienmanager kaum Freizeit blieb, hatte sich dennoch vorgenommen, Chopins Ballade, die als eines der schwierigsten Klavierstücke gilt, zu lernen.

Gleichzeitig war er in seinem Berufsleben mit den weltweit Aufsehen erregenden Veröffentlichungen über WikiLeaks, Edward Snowden und die kriminellen Abhörmethoden des Murdoch Imperiums beschäftigt. Bei all dem Druck der damals auf ihm gelastet habe, sei das Lernen des Chopin-Stückes eine Art Flucht gewesen, erzählte Rusbridger. „Es ist wichtig, einen Ausgleich zur Arbeit zu haben“, sagte er. Wer sage, er hat keine Zeit, benutze das häufig nur als Ausrede. „Ich wollte beweisen, dass man sich Zeit nehmen kann und habe dieses lächerlich schwierige Stück in Angriff genommen.“

Ambitioniert erzählte er, wie er sich das Stück erarbeitet hat, wie er sich Rat bei berühmten Pianisten wie Daniel Barenboim und Alfred Brendel holte und verschwieg nicht, dass es auch Momente gab, in denen er fast aufgegeben hätte. Sogar mit einem Neurologen habe er gesprochen, der ihm versicherte, dass das Gehirn auch mit Ende 50 noch lernfähig ist. „Das war ein ermutigendes Signal“, sagte Rusbridger. Alles, was ich gemacht habe, war, jeden Tag 20 Minuten früher aufzustehen.“

Doch Rusbridger erzählte in dem Buch nicht nur von Musik, er macht sich auch Gedanken um Journalismus und Strukturwandel und plädiert für einen offenen Journalismus wie ihn der Guardian pflegt. Vor zehn Jahren hätten Journalisten noch eine andere Autorität gehabt, sagte er. „Mittlerweile hat jeder etwas zu sagen. Und wir sollten die Stimmen der Amateure ernst nehmen. Nur so können wir einen besseren Journalismus schaffen.“ Die Digitalisierung habe den Journalismus verändert und das gelte auch für die Welt der Musik. „Heute wird auf Kanälen wie youtube geteilt. Das hat nichts mit Perfektion zu tun, hat aber Seele.“

Schöne Kulisse: der Piano Salon von Christoph Schreiber

Das Publikum erfuhr auch, dass Rusbridger die Liebe zur Musik seiner Mutter zu verdanken hat. „Sie hat mich zum Üben angetrieben und mir gesagt, dass Musik Freundschaften stiftet. „Als Kind habe ich ihr nicht geglaubt, aber heute weiß ich, sie hatte recht.“

Und der Pianist? Der nahm den Titel des Buches wörtlich und spielte Chopins Ballade ein zweites Mal. Das Publikum war begeistert und so mancher eilte zum Büchertisch um Play it Again zu kaufen und signieren zu lassen.

ml

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