
Christian Strasser wird heute 70 Jahre alt.
Als Verleger war er einmal ganz oben, aber die von ihm aufgebaute Verlagsgruppe Ullstein Heyne List brach 2003 auseinander. Was Strasser damals erlebt hat, würde er nur zu gern aus seinem Gedächtnis löschen, wie er seinem Freund und Weggefährten Lothar Menne sagte. Ihm hat er verraten, was ihn bewegt und was ihn enttäuscht hat: Ein spannendes Stück Buchhandelsgeschichte – im kommenden BuchMarkt-Septemberheft nachzulesen.
Johannes Thiele hatte ihm schon im BuchMarkt 8/2015 gratuliert:
Mit diesem Buch ist alles möglich!“ Ein Satz, den ich von Christian Strasser oft gehört habe, vermutlich sagt er ihn auch heute noch. Dieser Glaube an Möglichkeiten! Würde man mir nur einen Satz zugestehen, um ihn zu charakterisieren, dann wäre es dieser.
Es gab Jahre – um die Jahrtausendwende –, in denen die Buchbranche Christian Strasser als eine Art großer Zampano empfunden hat („Seinen staunenden Mitmenschen versucht er weiszumachen, er könne sogar Unmögliches möglich machen“, so definiert es Wikipedia). Als umtriebiger Taktgeber in der unruhigen Zeit wachsender Konzentration, als Herausforderer der etablierten Konzerne, die ihre Turfs abgesteckt hatten und immer noch expansions- und akquisitionsfreudig waren. Aus dem anfangs kleinen „Verlagshaus Goethestraße“ schmiedete Christian Strasser innerhalb weniger Jahre die „dritte Kraft“ der großen Verlagsgruppen, quasi im Alleingang (sein damaliger Partner Heinrich Hugendubel hielt sich vertrauensvoll im Hintergrund) – ein beeindruckender, mitreißender, bisweilen atemberaubender Höhenflug. 2003 wurde durch den Ausstieg von Axel Springer die „Verlagsgruppe Heyne Econ Ullstein List“ zerschlagen, der Kuchen in einem gigantischen Branchen-Kaffeeklatsch verteilt. Aber da war „CS“, der es immer abgelehnt hatte, sein gefühlt im Monatstakt gewachsenes Unternehmen wie einen Konzern zu führen, schon kein Akteur mehr.
Trotz diverser Abschiede und Pausen, die der „Verleger des Jahres“ (1997) immer als Transformation (in einem spirituellen, energetischen Sinn) begriff, habe ich bei Christian Strasser niemals irgendeine Ermüdung oder auch nur den Anflug eines Desinteresses feststellen können. Allerdings führte das „Erwachende Bewusstsein“ (so der Titel seines autobiographisch gefärbten Buches) zu einer profunden Rückbesinnung auf die verlegerischen Tugenden, über die er im Übermaß verfügt. In einem Alter, in dem andere bereits zermürbt den Vorruhestand ins schon erschöpfte Auge fassen, startete er neu durch. Inzwischen ist seit 2009 – nach dem Zwischenspiel mit Pendo – wieder eine kleine Verlagsgruppe beisammen: Seine neue, wendige Flotte – bestehend aus Scorpio, Trinity, Leo, Alyna und dem Europa Verlag – steuert dieser Ausnahme-Kapitän durch die noch immer unruhigen Gewässer der Branche. Mit einem funktionierenden inneren Kompass, der ihn alle Klippen umschiffen und Kurs halten lässt.
Nicht nur als Verleger sieht Christian Strasser die Welt zumeist pessimistisch, ihre Möglichkeiten aber stets optimistisch. Dieser nur scheinbare Widerspruch treibt ihn zu immer neuen Inspirationen an: Er liebt Bücher kritischer Geister, die den Finger auf pochende Wunden legen und die Welt am Abgrund beschreiben, oder von Querdenkern, die neue Gedanken jenseits des Mainstreams riskieren. Nicht durch die immer wieder langen Aufenthalte in Fernost ist Christian Strasser weise geworden – er war es schon immer. Und würde in Bezug auf sich wohl eher von Gespür als von Weisheit sprechen. „Mein Gefühl sagt mir …“ war eine Redewendung, die ich in den acht ziemlich wilden Jahren, die ich mit ihm zusammengearbeitet habe, wohl täglich gehört habe. Es gibt sicherlich keinen Verleger in Deutschland, der mehr als allem anderen dem Gespür traut. Der Möglichkeiten erkennt und sie dann seinen Mitarbeitern einräumt, so dass sie in beispiellos großen Freiräumen arbeiten und sich verwirklichen können. „Mit diesem Buch ist alles möglich.“ Mit diesem Verleger war alles möglich. Und ist es noch immer.
Wer auch gratulieren möchte: cs@scorpio-verlag.de
Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage}







