
Der 1928 in São Paulo geborene Alexandre Wollner gehört weltweit zu den wichtigsten Grafikdesignern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Rund 120 Arbeiten von ihm sind in der ersten großen Retrospektive in Europa im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen.
Während Wollner in Südamerika ein Begriff ist, bietet die Ausstellung im Rahmen des Kulturprogramms zum Buchmesse-Ehrengast Brasilien den Besuchern die Möglichkeit, die Malerei, Fotografie und Gestaltung Alexandre Wollners auch hier zu entdecken.
Die Hochschule für Gestaltung Ulm, 1951 gegründet und bis 1956 vom Schweizer Architekten Max Bill, ein Bauhaus-Studenten, geleitet, prägte Wollner: Er studierte hier von 1954 bis 1958.
Zurück in Brasilien, gründete Wollner mit weiteren Avantgardisten forminform in São Paulo, die erste moderne Designagentur Brasiliens. 1962 richtete er seine eigene Agentur DICV Designo ein. Außerdem bildete er junge Designer aus, leitete 1962 einen Typographiekurs im Museu de Arte in Rio de Janeiro und gehörte dort zu den Gründern der Hochschule für Design.
In den 1950er und 1960er Jahren erlebte Brasilien einen Aufbruch, wandelte sich vom Agrar- zum Industrieland, öffnete sich kulturell und ökonomisch. Die brasilianische Moderne, deren Einfluss bis heute spürbar ist, näherte sich internationalen Entwicklungen an, blieb jedoch in ihrer Kreativität eigenständig.
Die klare, rationale und ästhetische Formensprache von Alexandre Wollner kann der Besucher in den ausgestellten Plakaten, Fotografien, Logos und auch in Einbandgestaltungen von Büchern erkennen.
2003 erschien Wollners autobiografisches Buch Design visual 50 anos im Verlag Cosac & Naify, São Paulo. Es war dabei auch Anliegen des Autors, die grafische Arbeit am Buch sichtbar zu machen.
Die von Wollner entwickelte Gestaltung der Reihe Paralelos aus dem Perspectiva-Verlag wurde mit Preisen bedacht, der Grafikdesigner lieferte außerdem die Vorgaben zur Gestaltung literarischer Sammlungen und wirkte am Layout von Zeitschriften mit.
Die Ausstellung alex wollner brasil. design visual ist bis zum 2. Februar 2014 zu sehen, ein über 300-seitiger Katalog dazu erschien im Ernst Wasmuth Verlag.
JF







