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Prof. Dr. Theo Schäfer (70)

So sieht Glück aus:
Theo Schäfer in seiner Jolle auf dem Neusiedler See

Prof. Dr. Theo Schäfer, der Erfinder von „Leipzig Liest“, wird heute 70 Jahre alt. Ihm gratuliert sein langjähriger Mitstreiter Dr. Eberhard Reimann:

Lieber Theo,

wie stelle ich dich den zwei, drei Menschen vor, die dich noch nicht kennen: Indem ich Deine Erfolge aufzähle? Das sollte eigentlich später kommen; indem ich erwähne, daß Du-außer bei Schwammerl- die Worte, das schmeckt nicht, nie gebrauchst, höchstens: die Portion war zu groß; dass es Zeiten gab, da fast jeder zweite Satz damit begann: als ich Chefredakteur der österreichischen HÖRZU war… Aber darüber weiß ich nichts, ebenso wenig über Deine Zeit bei Henkel Austria. 
Über Deine Wandlung vom schwäbischen Pfarrerssohn zur festen Größe Wiens? Da müsste ich noch lange recherchieren, denn das meiste hat sich für mich auch in den vielen gemeinsamen Arbeitsjahren nicht erschlossen. Also lasse ich auch das.
Dann vielleicht damit: Irgendwann Mitte der neunziger Jahre solltest Du in Passau unser neuestes Kind, die Literaturtage, vorstellen, die Öffentlichkeit von diesem Mammutprojekt informieren und gleichzeitig Medienpartner gewinnen. Am nächsten Morgen erhielt ich in Rheda einen überschwänglichen Artikel der Passauer Neuesten Nachrichten, der in folgenden Sätzen gipfelte: „Wir wissen zwar immer noch nicht, was die Literaturtage sein sollen und welche Autoren in unsere Stadt kommen werden. Aber es war gestern das brillanteste Pressegespräch in den letzten Jahren… Wir haben zugesagt und wir beteiligen uns!“ Die Details konnte ich dann ein paar Tage später regeln. Aber das war keine Meldung mehr wert! Du verstehst eben zu begeistern!
Die fast zehn Jahre Leitung Kultur-und Öffentlichkeitsarbeit des Bertelsmann Clubs gehören zweifelslos zu den intensivsten aber auch erfolgreichsten Deines Arbeitslebens. Sie begannen mit den überwältigenden Feiern zu Goethes Geburtstag im Park der Dornburger Schlösser hoch über der Saale. Und sie endeten auch an einem Goethe-Geburtstag: 2000, mit Deinem Weggang nach München, der sehr schmerzhaft für dich enden sollte…
Dazwischen lagen viele unvergessliche Ereignisse: Ich denke dabei
an die Hiddensee- Gespräche, über die mittlerweile Dissertationen geschrieben werden
an Hans Küng, der sich von Luthers Kanzel in Wittenberg leidenschaftlich für ein Weltethos einsetzte,
an Professor Hackethal, der mit uns in einem großen Münchner Hotel vergeblich auf die erwarteten Zuhörer wartete,
an die Anfeindungen Gütersloher Katholiken wegen der Veranstaltung mit Eugen Drewermann in der Martin-Luther-Kirche,
an die große Aktion mit dem Leseboot an der Ostseeküste,
an Leipzig liest, mit den vielfältigen literarischen Entdeckungen und prägenden Erlebnissen, von denen vermutlich Deine Vorstellung Salman Rushdies für mich unauslöschlich bleiben wird,
an die vielen Kilometer, die wir in Sachen Literaturvermittlung zwischen Trier und Cottbus, Weilheim und Lübeck unterwegs waren.
Unvergessen auch die Prager Redenreihe mit Vaclav Havel, Richard von Weizsäcker, Kurt Biedenkopf… Und das sind nur einige Beispiele. 
Und: Das muss auch einmal gesagt werden, diese Arbeit war in jeder Beziehung Lustgewinn!
Die Erfolge Deiner Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit, die Bereitschaft des Feuilletons den Bertelsmann Club als präsentablen Partner wahrzunehmen, die Wandlung vom Saulus zum Paulus, das alles hat etwas mit Dir zu tun, ja auch mit Deinem Führungsvermögen oder wenn man es anders auffaßt, mit Deinem Nicht-Führen. Wir waren zu solch großen Leistungen in der Lage, weil Du wider jede Kutschererfahrung Deine Pferde immer an der langen Leine hast laufen lassen. Du warst selten Chef, aber wenn, dann heftig…
Wer Theo Schäfer verstehen und begreifen will, muß ihn an einem lauen Abend auf einem Schiff in istrischen Gewässern erlebt haben, Mozart hörend, gedankenversunken, und ein Glas Rotwein genießend. Der Mann, für den es offensichtlich kein Thema gibt, das er nicht mit Wiener Eloquenz „bereichern“ kann, ist still. Das sind die Momente, wo er mit sich und der Welt im reinen ist, wo es schon nicht mehr das Vorgefühl sondern das höchste Glück ist.
Lieber Theo, carpe diem! Vielleicht gibt es ja mal wieder eine Gelegenheit auf einen Heurigen beim Feuerwehr – Wagner, wo es die besten Backhendln gibt (und ohne Haut) und wo Du seit 1968 hingehst!
Lass Dich umarmen!
Dein Eberhard

Kontakt: Theo.Schaefer@Kabsi.at

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