
Rudolf Müller wird heute 60 Jahre alt.
Der Buchhändler gestaltet seit 1989 das literarische Leben in Düsseldorf mit: Damals eröffnete er nach einem Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte sowie zehn Jahren Tätigkeit bei Walther König in Köln seine eigene Buchhandlung in der Düsseldorfer Neustraße.
2006 wagte er dann gemeinsam mit seiner Frau Selinde Böhm den Umzug in das Haus, in dem Heinrich Heine geboren wurde – noch zentraler in der Altstadt, in der Bolkerstraße zwischen zahlreichen Altbierkneipen. „Urbaner geht’s nicht“, kommentierten die frisch Umgezogenen damals.
Der Autor Cees Nooteboom hat die wohl schönste Liebeserklärung an die Düsseldorfer Institution geschrieben, in einem Text mit dem Titel „Wo Bücher knurren, grollen, träumen“. Gefragt, warum er „die beiden Müllers in Düsseldorf“ auswählte, als er vom niederländischen Buchhändler-Verband nach seiner liebsten Buchhandlung befragt wurde, antwortete er:
„Vielleicht, so meine ich, weil ihre Buchhandlung so offenkundig ihr Leben ist und weil alle ihre Kunden es auch so empfinden. Für diese These gibt es einen rührenden Beweis. Früher hatten sie ihr Geschäft in der Neustraße, in einem dieser Räume, die so klein sind, daß einem buchstäblich schwindlig wird vor Büchern, wenn man die Hand ausstreckt, lag schon ein Buch darin. Ein Wohnzimmer, in dem jeder echte Leser sich zu Hause fühlt, nicht einer dieser großen, anonymen Räume, in dem die Bücher scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sondern eine Umgebung, in der die Kunden alle ein wenig zur selben Familie gehören und die Besitzer wissen, wovon sie sprechen.“
Die Familie half damals beim Verpflanzen der Bücher: Für den Umzug bildeten Kunden eine Kette, in der von der Neu- bis zur Bolkerstraße Bücherkisten von Hand zu Hand gereicht wurden. Man richtete sich das neue, größere Wohnzimmer ein.
Seither hat man mehr Platz für Bücher und Veranstaltungen. Das Sortiment, die Entdeckung von Autoren, die Gepräche sind Gründe, immer wieder zu Müller & Böhm zu gehen. Die wichtigsten Novitäten sind dort ebenso zu finden wie eine gepflegte Backlist. Den Hype der Novitäten entkrampft man ganz gelassen durch den langen Atem literarischer Kostbarkeiten aus vergangenen Jahren. Und Rudolf Müller berät Stammkunden mit derselben Freundlichkeit, wie er Ausflüglern Auskunft gibt, die ein Quiz quer durch die Altstadt zu lösen haben.
Neben den großen Stars der Literaturszene lernt man bei den zumeist bis zum letzten Platz ausverkauften Lesungen ebenso Autoren kennen, die nicht im Rampenlicht stehen, es aber ganz sicher verdient hätten. Auf Rudolf Müllers Urteil ist Verlass. Und man nimmt es vielleicht auch deshalb so gern an, weil er es stets mit einer großen Bescheidenheit, Nachdenklichkeit und Verschmitzheit äußert – nachdem er zugehört hat.
Es geht ihm ums Buch – und das ist so wohltuend. Lieber Rudolf Müller, alles erdenklich Gute zum Geburtstag wünscht Ihnen
Susanna Wengeler
Kontakt: muellerundboehm@heinehaus.de
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