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John le Carré schafft den Sprung an die Spitze

An der ersten Stelle steht das neueste Stück von Altmeister John le Carré: In Verräter wie wir dreht sich alles um das wichtigste Gut, das Finanzwesen und Diplomatie gerne besäßen: Vertrauen. Ein russischer Mafiabankier will sein Wissen über geheime Finanztransaktionen und Verwicklungen an den britischen Geheimdienst verkaufen – und hofft auf Fair Play.

Neu sind außerdem:
Platz 4 – Åke Edwardson: Der letzte Winter beginnt mit albtraumähnlichen Bildern und endet im Zweifel. Subtiler Einsatz detektivischen Erzählens.
Platz 6 – Solange Fasquelle: Trio infernal ist der Tatsachenroman, der dem berühmten gleichnamigen Film mit Michel Piccoli und Romy Schneider zu Grunde liegt.
Platz 8 – Joe R. Lansdale: Kahlschlag spielt während der Dreißigerjahre ist Ost-Texas. Nachdem sie in Notwehr ihren Mann getötet hat, räumt Sunset als neuer Constable im Holzfäller- und Öl-Kaff Camp Rapture auf – eine poetische, wüste, fantastische Geschichte.
Platz 9 – Håkan Nesser: Die Perspektive des Gärtners ist ein Roman über eine Ehe ohne Vertrauensfundament und den Verlust eines Kindes – wie immer: bedenkenswert und elegant. (Jurysprecher Tobias Gohlis)

Hier die komplette KrimiBestenliste Dezember:

1. (-) John le Carré: Verräter wie wir. Ullstein
Antigua/London/Paris/Schweiz: Warum sollten Perry und Freundin Gail dem von Feinden umstellten russischen Bankier Dima nicht unter die Arme greifen? Le Carré als Altmeister der Verführung: tragische Verstrickungskomödie um zornige Geheimdienstler, Romantiker jeden Alters und Finanzkrisen-Amoral. Superb!

2. (1) Don Winslow: Tage der Toten. Suhrkamp
USA/Mexiko/Mittelamerika: Dreißig Jahre Drogenkrieg, Antikommunismus, Mord, Folter, Armut und imperiale Gewalt. Don Winslows Epos um US-Drogenfahnder Art Keller und seine keineswegs private Fehde mit den Barreras aus Guadalajara ist das „Krieg und Frieden“ unserer Tage. Epochal, grandios, erschütternd.

3. (3) David Peace: Tokio, besetzte Stadt. Liebeskind
Tokio 1948: Als Amtsarzt, vorgeblich im Auftrag der US-Besatzungsbehörden, impft er die Angestellten einer Bank: von 16 Vergifteten überleben vier. Nach Polizeifolter geständig verurteilt: Aquarellmaler Hirasawa. Peace auf neuem Weg: Zwölf Zeugen, zwölf Wahrheiten über Kriegs- und Nachkriegsverbrechen, Biologische Waffen, Besatzung. Meisterhaft.

4. (-) Åke Edwardson: Der letzte Winter. Ullstein
Göteborg/Nueva Andalucia: Ein toter Mann treibt an Kommissar Winters Strand, Männer wachen neben Leichen auf. Albträume, Mysterien. Winter und seine Leute: irritiert, versponnen, verstört, fixiert. Verweise führen in die Vergangenheit, Erklärungen erklären nichts. Sehr stark. Edwardson auf der Höhe seiner Kunst.

5. (2) Zoran Drvenkar: DU. Ullstein
Berlin/Norwegen: Du. So wird jeder im Roman angeredet: der Serienkiller, der Gangster, die fünf sechzehnjährigen Mädchen, die im Haus eines ihrer Väter auf ein Drogenreservoir stoßen, und der tote Vater selbst. So angesprochen, haben sie Teil am blutig-schrillen Kosmos des Erzählers. Très noir.

6. (-) Solange Fasquelle: Trio infernal. Lilienfeld
Marseille: Der Erste Weltkrieg ist vorbei. Anwalt Sarret und die deutschen Schwestern Schmidt beherrschen die Methode, Leichen in Geld zu verwandeln: Mord & Versicherungsbetrug. Fasquelles Tatsachenroman wurde 1974 mit Michel Piccoli und Romy Schneider verfilmt. Historisches Semifreddo, mit spitzem Finger serviert.

7. (9). Oliver Bottini: Das verborgene Netz. Scherz
Freiburg/Berlin: Nach dem Entzug darf Louise Bonì wieder arbeiten. Ein Routinefall im Halbdunkel eines Berliner Hotelflurs: Mann zusammengeschlagen, der Frau bedrohte. Im fünften Fall Bonìs geht es um Licht und saubere Energie, die Allgegenwart der Spione und gierige Frauen. Leise Paranoia-Induktion.

8. (-) Joe R. Lansdale: Kahlschlag. Golkonda
Ost-Texas: Mitten in der Großen Depression. Sunset erschießt ihren Mann. Sie will sich nicht mehr verprügeln lassen. Umsturz im Hinterwäldlerkaff Camp Rapture: Eine Frau als Constable, Nigger werden vom Gesetz geschützt, Männer gleichgestellt. Windungsreich, blutig, optimistisch, wüst. Ein Meisterwerk.

9. (-) Håkan Nesser: Die Perspektive des Gärtners. btb
New York: Schriftsteller Erik und Winnie, Malerin, stecken im existenziellen Loch. Vor 17 Monaten wurde ihre vierjährige Tochter entführt. Danach: Nichts. Plötzlich glaubt Winnie, Sarah lebe noch. Und verschwindet auch. Erik zweifelt an allem: Frau, sich, Sinn. Nessers Roman der Neuen Welt: Es ist – ohne Zweifel – die alte.

10. (5) Heinrich Steinfest: Batmans Schönheit. Piper
Wien: Krimi und literarische Engelserscheinung, Apotheose eines Krebses namens Batman und – vorläufig – letzter Fall des einarmigen chinesischen Detektivs Cheng aus Wien. Cheng rettet Red und Red rettet ein Kind, heißt eigentlich Ernest Hemingway und ist ein sanfter Mann. Kryptosurrealistisches Mentaltraining.

Die Jury:
Tobias Gohlis, Hamburg, Kolumnist DIE ZEIT, Moderator und Jury-Sprecher der KrimiWelt; Volker Albers, Hamburg, Hamburger Abendblatt; Andreas Ammer, Berg, „Druckfrisch“, Dlf, BR; Sven Boedecker, Zürich, Sonntagszeitung; Fritz Göttler, München, Süddeutsche Zeitung; Michaela Grom, Stuttgart, SWR; Lore Kleinert, Bremen, Radio Bremen; Thomas Klingenmaier, Stuttgart, Stuttgarter Zeitung; Kolja Mensing, Berlin, Tagesspiegel; Ulrich Noller, Köln, Deutsche Welle, WDR; Jan Christian Schmidt, Berlin, Kaliber 38; Margarete v. Schwarzkopf, Köln, NDR; Ingeborg Sperl, Wien, Der Standard; Sylvia Staude, Frankfurt/M., Frankfurter Rundschau; Jochen Vogt, Kleinich, Elder Critic, NRZ, WAZ; Hendrik Werner, Bremen, Weser-Kurier; Thomas Wörtche, Berlin, Kolumnist Freitag, Plärrer

Die KrimiBestenliste Dezember wird heute auch in den Literatursendungen des NordwestRadios und unter www.arte.tv/krimiwelt vorgestellt.

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