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Apollinaire zu obszön für die Türkei

Wenn Richter sich um Literatur kümmern, geht es immer in die Hose. Nicht nur bei deutschen Richtern: Jetzt geben sich türkische Rechtssprecher alle Mühe, sich vor der Weltöffentlichkeit zu blamieren: Verleger Irfan Sanci muß vor Gericht.

Weil er mit einer Apollinaire-Veröffentlichung gegen den Obszönitäts-Paragraphen verstoßen hat, meldet der SPIEGEL. Die Heldentaten eines jungen Don Juan heißt das Corpus delicti, veröffentlicht wurde das Werk erstmals 1911.

Irfan Sancis Verlag Sel Yayincilik, der seit 1990 Werke türkischer und ausländischer Autoren veröffentlicht (darunter Nick Hornby, Ian McEwan oder Raymond Queneau), startete 2009 mit einer „Erotischen Serie“, in der neben Autoren der Weltliteratur auch Werke von jungen türkischen Autorinnen erscheinen sollten. Doch drei der ersten vier Veröffentlichungen der Reihe wurden von einer staatlichen Kommission als „nichtliterarisch“ eingestuft, schreibt der Spiegel – und damit würde ihre Veröffentlichung unter den Obszönitäts-Paragraphen des türkischen Strafrechts fallen.

Wie altbacken die türkischen Richter daherkommen, zeigt u.a. auch, daß der internationale Verlegerverband IPA zur Frankfurter Buchmesse bekanntgab, dass er Irfan Sanci einen speziellen Freiheitspreis verleihe, um „seinen Mut zu belohnen, mit dem er sich Herausforderungen stelle, die seine Freiheit bedrohten, Bücher zu veröffentlichen.“ Pikant: Die nächste Anhörung vor Gericht hat Sanci am 2. November über sich ergehen zu lassen – und am selben Tag wird ihm der IPA-Preis überreicht. Hofft man nur, daß die Richter rechtzeitig fertig werden…

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