
Absichtlich fand die heutige Pressekonferenz zur Vorstellung des 37. Stadtschreibers von Bergen-Enkheim, Thomas Rosenlöcher, im Frankfurter Stadtteil in der dortigen Nikolauskapelle statt und nicht, wie die Jahre zuvor, im Literaturhaus Frankfurt.
Frankfurts Kulturdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, Prof. Dr. Felix Semmelroth, wies darauf hin, dass sich die Liste der Stadtschreiber wie ein who is who der deutschsprachigen Literatur liest. Er unterstrich, dass das älteste Stadtschreiberamt Deutschlands ein Preis und eine Auszeichnung ist, kein Stipendium.
„Der Weg führt von Bergen-Enkheim über Darmstadt nach Stockholm“, spielte er auf Stadtschreiber-Lebensläufe an, so hatten der erste Stadtschreiber Wolfgang Koeppen und die Stadtschreiber Karl Krolow, Peter Rühmkorf, Wolfgang Hilbig, Wilhelm Genazino, Josef Winkler und Reinhard Jirgl den Büchner-Preis erhalten und Herta Müller im letzten Jahr gar den Literatur-Nobelpreis.
Die Stadtschreiberschaft, die Franz-Joseph Schneider 1974 initiierte, dient der Lobpreisung der Literatur und soll ihre öffentliche Wahrnehmung fördern.
Der Ortsvorsteher Helmut Uhlsdörfer freute sich über die Pressekonferenz vor Ort, „so lange uns Frankfurt zu Füßen liegt, sind wir gern ein Frankfurter Stadtteil“, bemerkte er.
Thomas Rosenlöcher ist im Stadtschreiberjahr gespannt auf ein Kontrastprogramm, der Wechsel von der Elbe an den Main kommt ihm gut zupass, denn er musste seine Wohnung am Stadtrand von Dresden verlassen; das Grundstück stellte sich als West-Besitz heraus. Das Jahr will er nutzen, um seine Lyrik und Prosa voranzutreiben und ebenfalls seine Tätigkeit als Herausgeber fortzusetzen. „Ich werde mir ein Fahrrad kaufen, um die Gegend zu erkunden“, sinnierte er laut. Das Fahrrad, so entschied die Kulturgesellschaft sofort, bekommt er als Zugabe obendrauf.
Fast nebenbei erzählte der künftige Stadtschreiber, dass einer seiner Vorfahren dieses Amt bereits in der Sächsischen Schweiz innegehabt haben musste. Das waren jedoch andere Zeiten, der damalige Stadtschreiber hatte jede Menge Verpflichtungen, der von Bergen-Enkheim muss nichts, darf jedoch alles. Ein erheblicher Unterschied.
JF