
Der Verlag Stroemfeld wird in diesem Monat 40 Jahre alt. „Von 1848 sind Bayreuth und Wagner geblieben. Von 1968 KD Wolff und der Verlag Stroemfeld/Roter Stern“, scherzte vor 15 Jahren Friedrich Dieckmann. Wie gesagt, es sollte ein Scherz sein und doch ist es wesentlich mehr. Denn Dieckmann beschreibt damit nicht nur ein Relikt, sondern gleichzeitig auch das verlegerische Wirken des ehemaligen Bürgerschrecks und Wortführers der Studentenrevolte und den Stellenwert, den der Stroemfeld Verlag heute in der deutschen Verlagsszene einnimmt.
Begonnen hatte alles nach 1969, als sich die studentische Protestszene – und mit ihr der SDS – in Auflösung befanden. Während eine Gruppe beschloss, den Marsch durch die Institutionen anzutreten, andere sich in den unterschiedlichsten K-Gruppen organisierten oder in den Untergrund abtauchten, sah sich Wolff nicht mehr in der Lage, der einen oder anderen Gruppierung zu folgen. Ebenso wenig wollte er das einmal begonnene Jurastudium fortzusetzen, nachdem man ihn im Laufe der Zeit mit über 30 Strafverfahren überzogen hatte. Neuanfang.
Der Sprung in das Verlagswesen begann als Mitbegründer des März Verlags. Doch dieses Engagement ging schnell zu Ende. Mit einer Abfindung, von 15.000 DM in der Tasche, gründete Wolff 1970 mit seinem Partner Michel Leiner den Verlag Roter Stern. Ein Plakat für einen Hölderlin-Volkshochschulkurs brachte Wolff 1974 mit D.E. Sattler zusammen, der beweisen könne, dass alle bisherigen Hölderlin-Ausgaben zensiert und verstümmelt seien. So beschloss man gemeinsam, „etwas zu machen, was es in dieser Qualität bisher noch nicht gab“. Mit viel Elan und dem notwendigen Glück bei der Geldbeschaffung gelang es bis heute, alle 20 geplanten Bände der großen historisch-kritischen Frankfurter Hölderlin-Ausgabe zu veröffentlichen.
Dass aus den ursprünglich vorgesehenen fünf Jahren dann doch 32 Jahre wurden, bis die Edition komplett war, macht deutlich, dass sich der Verleger nicht von seinem Plan abbringen ließ. Mit der zwischenzeitlich weltweit anerkannten Edition konnte Wolff zeigen, dass ein kritischer Kleinverlag die universitäre Germanistik „verbessern“ konnte.
Das Geheimnis des Erfolges lag in der Erkenntnis, dass nichts besser als das Original sein kann. Wolff verzichtete auf jede editorische Verfremdung in Sachen Grammatik und Orthografie und stellte stattdessen jedem Faksimile eine getreue Umschrift mit allen Streichungen und Ergänzungen gegenüber. So kann man heute praktisch dem Dichter bei seiner Arbeit zusehen und nachvollziehen, wie die einzelnen Texte tatsächlich entstanden.
Mit der gleichen Akribie begann man mit weiteren Editionen: Kleist seit 1988, Kafka seit 1995. Für die nächste Zeit geht es außerdem um Robert Walser. Die Brandenburgische Kleist-Ausgabe wird in diesem Jahr abgeschlossen, die historisch-kritische Gottfried Keller Ausgabe soll mit 32 Bänden 2011 fertig vorliegen.
Neben den Editionen ist das Stroemfeld-Programm voller weiterer Überraschungen. So werden u.a. Werke von Theweleit, dem Religions-wissenschaftler Klaus Heinrich, Pierre Imhasly , natürlich Peter Kurzeck und seit neuestem Roswitha Quadflieg verlegt.
Dass es zwischendurch 1993 zum Konkurs des Verlags „Roter Stern“ kam, gehört zwar zu der außergewöhnlichen Geschichte des Verlegers KD Wolff, ist aber heute fast nur noch eine Randnotiz. Da Aufgeben nicht Wolffs Sache ist, führte er das Verlagsprogramm mit dem 1979 in Basel gegründeten „Stroemfeld Verlag“ weiter.
Neben der wissenschaftlichen Anerkennung erhielt der Verlag neben vielen Buchkunst-Prämierungen 2002 den Binding-Kultrpreis, 2007 den Kurt-Wolff-Preis, 2008 die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt und 2009 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
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