
Prof. Dr. Christian Russ wird heute 50 Jahre alt. Ihm gratuliert Börsenvereins-Justitiar Dr. Christian Sprang.
Lieber Christian,
seit 16 Jahren kreuzen sich unsere Wege inner- und außerhalb der Branche und es ist nicht nur der gemeinsame, Höhen und Tiefen bietende „Kampf ums (Preisbindungs-)Recht“, der uns verbindet. Mein Eintritt in die Welt von Verlagen, Buch- und Musikalienhandlungen, Großhandel, Antiquariaten und Auslieferungen ist unauflöslich mit den zwei Wochen verbunden, in denen ich als Dein Nachfolger in der Position des Justiziars und Assistenten der Geschäftsleitung des Musikverlags Schott von Dir in die Geheimnisse der Branche im Allgemeinen und Besonderen eingeführt wurde.
Inzwischen ist mir klar, dass dieses Zusammentreffen kein Zufall war, warst Du doch zum Schott-Verlag aus Deiner ersten Position als Anwalt in der Rechtsabteilung des Börsenvereins gekommen, zu dem ich nach den sechs Jahren im Musikverlagsgeschäft wechselte, während Du längst Partner der Anwaltskanzlei Fuhrmann Wallenfels geworden warst, die als Preisbindungstreuhänder der deutschen Verlag schon viele Jahrzehnte eng mit dem Börsenverein zusammenarbeitet.
Uns sind aber mehr Dinge gemeinsam als nur Stationen unseres beruflichen Werdegangs und des aus diesem sprechenden Bedürfnisses, zumindest mittelbar dem Gegenglück, dem Geist, zu dienen. Als Jurist schlägt einem in dieser Branche ja zuweilen ein dumpfer Unmut entgegen. Man verhindert, wo es zu produzieren gilt, und wird dafür vermeintlich auch noch gut bezahlt. Zugleich ist man aber in einer Welt, die voller bunter Eier steckt, derjenige, in dessen Korb regelmäßig nur die faulen, matschig und stinkend gewordenen landen, mit denen sich niemand gerne befassen mag.
Um unter diesen Umständen freudvoll und unverdrossen wirken zu können, bedarf es der Fähigkeit, die Geschehnisse um einen herum mit Abstand betrachten zu können und im ernsten Großen das kleine Heitere und Komische nicht zu übersehen. Mit dieser Gabe bist Du, lieber Christian, in reichem Maße gesegnet, und das macht es immer wieder zum Vergnügen, mit Dir zusammen zu treffen und zusammen zu arbeiten.
In Deinen sich nun rundenden 50 Lebensjahren hast Du es in der äußerlichen Welt weit gebracht. Vor wenigen Monaten wurdest Du zum Notar ernannt, darfst Dich seit Jahren aufgrund Deiner höchst beliebten Lehrveranstaltungen an diversen Hochschulen verdientermaßen Professor nennen, bist Leitfigur Eurer erfolgreichen mittelständischen Anwaltskanzlei und seit langem geachtetes Mitglied bei Rotary und in anderen gesellschaftlichen Zirkeln. Deine eigentlichen Leistungen vollbringst Du aber in anderen Bereichen. Als später Vater dreier noch nicht schulpflichtiger Kinder bist Du nicht nur Ernährer, sondern ambitionierter Assistent Deiner Gattin Elli, ohne die in Deinem Leben gar nichts ginge.
Seit Jahren ist Dir das Eintreten für die Behinderten ein großes Anliegen, das Dir einen zeitraubenden Nebenjob im Vorstand der Lebenshilfe eingetragen hat. Auch dem Förderverein für das Wiesbadener Literaturhaus stehst Du vor und bemühst Dich mit viel Kreativität darum, dass es mit der Villa Clementine weiter und weiter aufwärts geht. Und wenn, wie im vergangenen Jahr, Immobilienspekulation die gewachsenen Strukturen in Eurem Wohnviertel zu zerstören droht, organisierst Du flugs eine Bürgerinitiative, der es gelungen ist, zugunsten vergrößerter Gartengrundstücke die Heuschrecken zu vertreiben.
Bei all dieser Umtriebigkeit hat Dein Leben aber auch Konstanten. Dazu gehört die feste Verbundenheit mit der heimatlichen Wiesbadener Scholle. Du hast mir als Novizen des Rhein-Main-Gebiets gleich am ersten Einarbeitungstag beim Schott-Verlag unmissverständlich bedeutet, dass es auch für Mitarbeiter eines Mainzer Verlags keine ernsthafte Alternative zu einem Wohnsitz in „Wiesbaden wunderbar“ gäbe (was nicht hindert, dass wir uns gemeinsam mit den jeweiligen Söhnen Dauerkarten bei Mainz 05 teilen).
Als wir vor einigen Jahren zu Euch ins Notariat gingen, um den Kauf einer Doppelhaushälfte in Wiesbaden beurkunden zu lassen, prägte meine – wie ich aus nördlicheren Breiten stammende – Frau den Satz „Dann müssen wir wohl in der Fremde sterben …“ – Dir braucht ein solcher Satz sicher nie über die Lippen zu gehen. Wer Dich im Kreise alter Sandkasten-, Kindergarten- und Schulfreunde beim Wiesbadener Weinfest Jahr für Jahr am selben Abend vor dem selben Stand stehen sieht (zu dem man nicht wegen, sondern trotz des Weines geht…) oder Dich einmal frühmorgens um drei Uhr als kurhausweit berüchtigten Eintänzer beim Wiesbadener Juristenball erlebt hat, der weiß, dass Du nur deshalb nicht Bundesjustizminister oder Papst geworden bist, weil Du dann nicht in Wiesbaden leben könntest.
Lieber Christian, für die Jahre nach Deinem Geburtstag wünsche ich Dir viel Zeit und Kraft für die Familie und alles daneben, gib’ das Gitarrenspiel nicht auf, lass’ Deinen allmählichen Eintritt in die silver generation kräftig feiern, und sei herzlich umarmt von
Deinem
Christian
Herzliche Glückwünsche zum Runden, lieber Christian, auch aus der BuchMarkt-Redaktion,
Dein Ulli Faure
Kontakt: c.russ@fwb-wallenfels.de
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