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Christian Warweg

Christian Warweg ist in der vergangenen Woche im Alter von nur 66 Jahren gestorben. Unfassbar. – Noch vor drei Monaten trafen wir ihn und seine Frau gutgelaunt und gesund auf einem Trip nach Tschechien.

1967 lernte ich ihn kennen. Er kam als Vertriebs-Assistent in den Franz Schneider Verlag nach München. Davor war er in kleineren Verlagen für den Vertrieb zuständig. Im Schneider-Verlag startete er seine große Karriere. Schon nach kurzer Zeit übernahm er als Vertriebsleiter des damals großen Verlages die Verantwortung für den Verkauf.

Trotz seiner Jugend verließ er ausgetretene Vertriebswege und ließ seiner Kreativität freien Lauf. Seinem Verleger gefiel das, und er hatte ziemlich freie Hand. Neue Vertriebswege, neue Produkte die er anregte und neue Werbestrategien ebneten seinen Weg nach oben. Erinnert sei nur an die sogenannten „Schneider-Hits“ zum Preis von 10.- DM, die jeweils mehrere Bände erfolgreicher Schneider-Serien (beginnend mit „Hanni und Nanni“) in einem Band zusammenfassten.

Alle diese über Jahre erfolgreichen Bände wurden in sechsstelligen Auflagen verkauft. Christian Warweg wurde Geschäftsführer Marketing und Vertrieb und steigerte den Umsatz des Verlages derart, dass das Haus damals Marktführer im Jugendbuch-Bereich wurde. In diese Zeit fiel auch der große Erfolg von Enid Blytons „Hanni und Nanni“. Durch die Öffnung neuer Vertriebswege machte er die Bücher auch jenen zugänglich, die diese Titel im Buchhandel vergeblich suchten. Er schaffte es, dass wir heute bei 35-50-jährigen Frauen von der „Hanni und Nanni-Generation“ sprechen können. Er hat viele Kinder zum Lesen gebracht. Allein dafür sind wir ihm Dank schuldig.

1980 machte Christian Warweg sich als Verlagsberater selbständig. Es wurde ein großer Erfolg. Auch andere wollten von seinem Wissen profitieren. Er war ein Motivator, wie man ihn selten findet. Natürlich eckte er auch oft an, weil er immer sagte was er dachte. Ich erinnere mich an die Außendiensttagung eines großen Verlages, als er den freien Verlagsvertretern ankündigte, dass es ihre Spezies in zehn Jahren nicht mehr gäbe. Die Reaktion war nicht sehr freundlich, aber er sah Entwicklungen oft weit voraus.

Mit etwa 50 Jahren begann er zu privatisieren. Er setzte sich keineswegs zur Ruhe, sondern tat das, was er immer wollte – er widmete sich handwerklichen und künstlerischen Tätigkeiten. CW war ein begnadeter Handwerker und widmete sich nun dem Kauf und der Instandsetzung von Häusern, die er während der Zeit der Renovierung mit seiner geduldigen Frau Hanni auch bewohnte. Das geschah vornehmlich in Italien, wo er auch sehr alte Häuser mit originalen Baumaterial wieder restaurierte und sie danach verkaufte. In diese Zeit fallen auch seine künstlerischen Tätigkeiten. Er fertigte Metallskulpturen, bevor er Kunstobjekte schuf, bei denen er alte metallische Objekte (Messingzahnräder oder alte Eggenscheiben) mit Terracotta-Trägern verband und so optisch hervorragende Kunstwerke erzeugte. Trotz Nachfrage verkaufte er nie. Freunde, die mit einem solchen Geschenk bedacht wurden, haben nun eine schöne Erinnerung an ihn.

Wir alle trauern mit seiner Familie und vor allem mit seiner Frau Hanni um einen außergewöhnlichen, manchmal komplizierten, aber immer guten Freund, der nun einem häuslichen Unfall zum Opfer fiel.

Die Trauerfeier wird im engsten Familienkreise stattfinden.
Heino Hanke

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