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Die zehn besten Krimis im April / Bottini wieder in den Top Ten

Die Aprilausgabe der KrimiWelt-Bestenliste ist nur auf den ersten beiden Plätzen unverändert. Richard Stark führt sie mit Keiner rennt für immer unverdrossen an, ebenso unverdrossen folgt Im Winter des Löwen von Jan Costin Wagner. Sehr gegensätzlich in Stil, Thematik, Schauplätzen.

Mit Freude wird erstmals der Mülheimer Autor Jörg Juretzka empfohlen. Sein Roman Alles total groovy hier ist der achte Krimi mit dem Privatdetektiv Kristof Kryszinski, der in erster Linie Biker und dann erst Ermittler ist. Die härteste Herausforderung in diesem Fall ist der absolute Mangel an Bier, der auf dem von Althippies betriebenen Campingplatz an der andalusischen Atlantikküste herrscht. Bei der Hitze! Doch bald werden Kristof und sein unzuverlässiger Mitreisender Scuzzi mit ernsten Gefahren konfrontiert: Eine junge Frau stirbt, der Kumpel, den sie suchen, ist verschollen. Mit bitterem Witz verdunkelt Juretzka mit jedem Ermittlungsschritt den andalusischen Sonnenschein, bis Kristof und die Leser mit Entsetzen entdecken, das die einsame Küste ein Tor zur Hölle Europas ist.

Als Stammgast der Bestenliste entpuppt sich Oliver Bottini: Jäger in der Nacht ist sein vierter Krimi und sein viertes Erscheinen unter den Top Ten. Diesmal geht es nicht um Terrorismus und Krieg, sondern es sind die alltäglicheren Formen der Gewalt, mit denen sich die Freiburger Polizisten um Kommissarin Louise Bonì und ihre Kollegen auf der anderen Rheinseite herumschlagen: Sexuelle Gier ist in Mordlust umgeschlagen.

Neu wiederum, aber ebenso gut bekannt wie Jörg Juretzka ist Uta-Maria Heim. In Wespennest unternimmt sie das Wagnis, ihren vor 18 Jahren erschienen Debütroman Das Rattenprinzip fortzusetzen. Das gelingt ihr über die Maßen gut: Alte Konstellationen werden neu erschlossen, und wer sich das Vergnügen macht, das 1991 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Rattenprinzip noch einmal zu lesen, wird entdecken, um wie viel souveräner und ökonomischer diese damals schon herausragende Autorin geworden ist. Das, wovon die meisten „Regiokrimis“ nicht einmal träumen, wird hier kunstvoll und spannend Literatur: ein Erzählen aus den Konflikten und mit den Mentalitäten jener engen provinziellen Gebiete, aus denen Deutschland besteht. (Jurysprecher Tobias Gohlis)

Hier die komplette KrimiWelt für April:

1. (1) Richard Stark: Keiner rennt für immer. Zsolnay
Massachusetts: Parker tötet einen Spitzel, das ist der Anfang. Beim Versuch, das Geld einer Bank zu rauben, verheddern sich Parker und Kumpel in den Ambitionen der beteiligten Amateure. So wird man nicht reich. Zum Schluss sind hunderttausend Dollar auf seinen Kopf gesetzt. Doch Parker kann man nicht schlagen.

2. (2) Jan Costin Wagner: Im Winter der Löwen. Eichborn
Turku/Helsinki: Über den Tod scherzt man nicht. Wer das tut, ist schnell tot. Ein Gerichtsmediziner, ein Puppenbauer, ein Fernsehmoderator – niedergestochen. Wenn der Himmel einstürzt, treiben die Überlebenden aus der Welt. Kimmo Joentaa kennt sich dort aus und ermittelt zum dritten Mal im Trauerreich.

3. (-) Jörg Juretzka: Alles total groovy hier. Rotbuch
Irgendwo in Andalusien: Die Ruhrpott-Biker Kristof und Scuzzi suchen 180.000 Euro und ihren Kumpel Schisser. Am Südrand Europas landen sie bei Hippies, in Haschschwaden, Esoteriksäusel und Pillendunst. Und enden beinahe im Meer unter schwimmenden Leichen. Komisch, bös: Noir unter brachialer Sonne.

4. (7) Roger Smith: Kap der Finsternis. Tropen
Kapstadt: Überfall, Entführung, Erpressung, Mord. Immer rasender dreht sich das Karussell der Gewalt. Die Welt fliegt ihnen um die Ohren: dem Ex-Knacki und Nachtwächter, dem flüchtigen Ami und seiner Familie, dem frömmelnden Killerbullen. Harte Schnitte. Scharfer Blick auf Südafrikas Metropole des Verbrechens.

5. (5) John Farrow: Eishauch. Knaur
Montreal: Der Informant hängt am Fleischerhaken. Die Studentin gelangt ins Machtzentrum der Hells Angels. Emile Cinq-Mars ermittelt fast auf sich gestellt. Wer ist korrupt? Wer übernimmt die Macht? Wer manipuliert ihn? Bombenterror, Folter, Supermachtspielchen. Montreal als Tatort neu entdeckt. Überwältigend gut.

6. (-) Oliver Bottini: Jäger in der Nacht. Scherz
Freiburg/Oberrimsingen: Eine Scheune, eine zerschlagene Frau, ein neugieriger, wütender Junge. Ein prügelnder Vater, ein anderer, dessen Tochter verschwand. Männer, denen das Schlagen Spaß bringt. Deutschland 2005. Ein Karussell der Gewalt. Louise Boní zweifelt an den Kollegen: Einer ist Menschenjäger.

7. (3) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen. Jens Seeling
Wedersen, Niedersachsen: „Sollten sie jemals die Leiche finden, wird es zu spät für Fingerabdrücke sein. Wahrscheinlich wird sie ungestört ruhen, während wir anderen erwachsen werden.“ So endet der letzte Sommer einer Jungenbande. Phänomenales Debüt, starker Text.

8. (4) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt. C. Bertelsmann
Kiruna, Lappland: „Ich erinnere mich, wie wir gestorben sind“. Wilma, 17, wurde beim Tauchen ertränkt. Und sitzt bei Staatsanwältin Martinsson am Bett. Ihren toten Freund soll sie finden, das Geheimnis des Flugzeugs am Seegrund klären. Geister, Kriegsschuld, Männerschwäche, starke Frauen. Larssons Norden – einmalig.

9. (9) Zoran Drvenkar: Sorry. Ullstein
Berlin: Frauke, Wolf, Kris und Tamara, Ende 20, Generation der Unentschiedenen, landen den Coup: eine Agentur für Entschuldigungen. Doch dann sollen sie die Opfer im Namen des Mörders um Verzeihung bitten. Entsetzenstrocken bis zum Ende: Schuld ist untilgbar. Ein Buch, das nicht loslässt.

10. (-) Uta-Maria Heim: Wespennest. Gmeiner
Stuttgart/Schorndorf/Mariabronn/Havanna/Baden-Baden: Ossi Oswald, Ex-Kriminaler, Ex-Spitzel liegt erschossen am RAF-Grab. Das Ländle: Alte Kommunisten, pietistische Kampfbünde, wiedergeborene Katzen, kurz geratene Chefredakteure. 2008 treiben alte Fälle auf. Sprachzauber und Handlungswirr: Heim kann’s.

Die April-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste wird auch im NordwestRadio (heute live, ca. 8:35 Uhr, und am Sonntag in der Literaturzeit zwischen 15:00 und 16:00 Uhr) sowie in der Literarischen Welt vorgestellt.

Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.

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