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Geburtstagsfeier für Peter Altenberg

Peter Altenberg (mit freundlicher Genehmigung
des Wallstein Verlags)

Franz Kafka sah in ihm „ein Genie der Nichtigkeiten, einen seltsamen Idealisten, der die Schönheiten der Welt wie Zigarettenstummel in den Aschenbechern der Kaffeehäuser findet“.

Gestern, auf den Tag genau zum 150. Geburtstag von Peter Altenberg, fand im Literaturhaus in Frankfurt eine besondere Feier statt: Die Wüstenrot Stiftung, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und der Wallstein Verlag präsentierten Das Buch der Bücher von Peter Altenberg.

2008 gründeten Stiftung und Akademie eine neue Editionsreihe mit literarischen Werken des 18. bis 20. Jahrhunderts, die nicht dem Vergessen anheim fallen sollen. Ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin übernimmt jeweils die „Patenschaft“ für ein Werk, zunächst für fünf Jahre hat die Stiftung Mittel bereitgestellt.

Das erste Werk liegt nun vor, Wilhelm Genazino übernahm die Patenschaft über die dreibändige Peter-Altenberg-Ausgabe.

Friedrich Pfäfflin, stellvertretender Vorsitzender der Wüstenrot Stiftung, begrüßte die vielen Gäste und äußerte sich über das im Verein herrschende Selbstverständnis und die Verbindung zwischen Denkmal- und Literaturpflege: „Wir wollen nicht abreißen, sondern bewahren. Es gibt bei uns keine digitalisierten Bücher, keine BoD, wir setzen, drucken, binden – das kann man dann getrost Schwarz auf Weiß nach Hause tragen.“ Neben der Altenberg-Premiere werden weitere Bände vorbereitet.

„An Altenberg denkt man nicht zuerst, wenn es um die Wiener Moderne geht“, formuliert Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Doch der eigenwillige Dichter Chronist von Alltagsszenen ist von vielen geliebt worden, zu seinen Freunden zählten Egon Friedell, Arnold Schönberg, Adolf Loos und natürlich Karl Kraus. Zitate belegen das. Nur Siegmund Freud äußerte sich wenig schmeichelhaft, vielleicht gerade weil es zwischen ihnen viele Gemeinsamkeiten gab.

Biographisches ergänzt Rainer Gerlach, Herausgeber der vorliegenden Altenberg-Ausgabe. 1896 erschienen erste Prosa-Skizzen, in 25 Jahren schreibt Altenberg 2000 Texte. „Es war Liebe auf den ersten Laut“, ist Thomas Manns Kommentar zu den Stücken des Kaffeehaus-Literaten.
Bereits 1922 gab es bei S. Fischer erste Überlegungen zu einer Werkausgabe. Es dauert jedoch zehn Jahre, bis die erste, gekürzte Ausgabe im Schroll Verlag Wien erscheint.

Zu Beginn der Arbeiten an den jetzt erschienenen Bänden glaubte man die Originale – die von Karl Kraus 1928 annotierten Altenberg-Bücher – verloren. Doch sie konnten wieder aufgefunden werden, damit wurde die umfangreichste Werkausgabe, die es je gab, möglich. Ein Essay von Wilhelm Genazino – am gestrigen Abend zu hören – komplettiert Das Buch der Bücher von Peter Altenberg.

Dann kommt Peter Altenberg „selbst zu Wort“; Christian Brückner liest neun augenzwinkernde, nachdenklich stimmende, witzige und traurige Geschichten.

Es war ein angemessener Geburtstag – zum Abschluss wies Thedel von Wallmoden, Gründer des Wallstein Verlags auf die im Foyer bereitliegenden schön ausgestatteten drei Bände im Schuber, die nur in gemeinsamer Arbeit vieler Beteiligter entstehen konnten, hin.

JF

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