Bei Gabler erscheint jetzt das Buch {Ökonomie der Buchindustrie. Herausforderungen in der Buchbranche erfolgreich managen [mehr…]. Einer der Herausgeber dieses Bandes, das wohl Standardwerk für unsere Branche wird, ist Dr. Frank Sambeth (Foto). Als Leiter der Unternehmensentwicklung von Random House hat er einen der spannendsten Jobs der Verlagsszene und besten Einblick in Status quo und Zukunft der Branche und ist, ohne dass dies Bedeutung und Verdienst der anderen Herausgeber schmälern soll, damit der an prominenter Stelle operativ agierende “Praktiker” unter den Herausgebern dieses Bandes: Grund, ihn zu fragen:}
Was war der Auslöser für dieses Buchprojekt und wie kamen Sie zur Rolle des Herausgebers?

Frank Sambeth: Michel Clement und ich beschäftigen uns seit längerer Zeit mit der Erfolgsfaktorenforschung von Büchern. In bewährter Aufgabenteilung bringen Prof. Clement und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter Forschungsansätze und Analysemethoden ein, während ich Erfahrungen aus der Praxis und Daten beisteuere. Diese Kombination führt meist zu fruchtbaren Diskussionen und interessanten Ergebnissen.
Die Idee zum aktuellen Buch kam von Michel Clement nach dem Erfolg des Titels „Die Ökonomie der Musikindustrie“, das ebenfalls in Zusammenarbeit mit Praktikern entstanden ist. Da lag es nahe, das Konzept auf die Buchbranche zu übertragen, wozu ich meine bestehenden Kontakte nutzen und auch neue knüpfen konnte.
Welche Bedeutung hat das Herausgeberwerk “Ökonomie der Buchindustrie” in der heutigen Krise, welchen Nutzen können Praktiker daraus ziehen?
Einen direkten Bezug zwischen dem Buch und der Krise herzustellen, ist nicht einfach, da eine Krise i. S. von Rezession keinen Eingang in die Artikel gefunden hat. Ich gehe aber davon aus, dass die gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die großen Veränderungen, die im Buch beschrieben werden, eher noch beschleunigen werden.
Als Praktiker erhält man zum einen einen guten Überblick über alle Aspekte des Büchermachens, über die gesamte Wertschöpfungskette. Zum anderen werden die aktuellen Umwälzungen in der Branche beleuchtet, mit ihren schon heute sichtbaren und zukünftigen Folgen. Wenn dieser „Weckruf“ gehört und verstanden wird, wäre das sicherlich für viele ein großer Nutzen.
Prof. Dr. Michel Clement hat auch ebenfalls zusammen mit Managern und Experten den Band “Ökonomie der Musikindustrie” herausgegeben. Wo gibt es Parallelen, wodurch unterscheidet sich das neue Buch über die Buchindustrie?
Das Konzept und auch der Aufbau der beiden Bücher sind grundsätzlich einmal ähnlich. Auch inhaltlich gibt es Parallelen, so z. B. die ausführliche Beschäftigung mit elektronischen Vertriebskanälen, neuen Geschäftsmodellen und innovativen digitalen Produktformen.
Es gibt aber auch Unterschiede: Für Buchinhalte hat das „Trägermedium“ Buch eine deutlich höhere Bedeutung als für die Musik. Außerdem sind seit dem Erscheinen des Musik-Bandes vier Jahre vergangen, so dass die Erfahrungen der Musikindustrie seitdem in den Beiträgen berücksichtigt werden konnten.