Kaum ein Verlag scheint derzeit ein so hohes Potential für Kontroversen um seine Bücher zu haben wie das Gütersloher Verlagshaus.
Warum unsere Kinder Tyrannen werden war einer der Jahresbestseller 2008 und hat dem Buchhandel enorme Umsätze beschert. Auch der Nachfolger, Tyrannen müssen nicht sein, hat vier Wochen nach Erscheinen bereits wieder eine sechsstellige Verkaufszahl erreicht und bestätigt die Tatsache, dass Autor Michael Winterhoff mit seinen Thesen den Nerv der Zeit getroffen und einen wichtigen Beitrag zur Debatte über die Zukunft von Kindern und Jugendlichen geliefert hat.
Wer am Wochenende die Süddeutsche Zeitung auf den Panorama-Seiten aufschlug http://www.sueddeutsche.de/653389/428/2766671/Zur-Hoelle-mit-der-Disziplin.html, konnte sich davon überzeugen, dass die Thesen des Bonner Kinderpsychiaters nicht bei allen gut ankommen. Im Interview mit der SZ erklärt der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann in deftigem Tonfall, was ihn am Tyrannen-Buch stört. Bergmann selbst wollte ein Anti-Winterhoff-Buch veröffentlichen, dessen geplanter Titel „Wie unsere Kinder keine Tyrannen werden“ jedoch nach einem erfolgreichen Einspruch von Winterhoff und seinem Verlag mittlerweile abgeändert werden musste. Offensichtlich, so Gütersloher-Verleger Klaus Altepost, habe man sich beim Beltz-Verlag der Argumentation seines Verlags schnell anschließen können. Altepost: „Auch diverse inhaltliche Passagen des Textes wirken wie eine einzige Suada von Beleidigungen und persönlichen Angriffen gegen Michael Winterhoff.“ Im SZ-Interview finde sich all das wieder.
Bei Michael Winterhoff und seinem Verleger Klaus Altepost herrscht Einigkeit darüber, dass hier eine Grenze überschritten wurde, die weit weg führt von sachlicher Auseinandersetzung über das Thema Kinder und Jugendliche.
Man darf gespannt sein, was aus dieser Diskussion in den kommenden Wochen werden wird, dem Buchhandel ist gleichwohl zu empfehlen, aufmerksam zu bleiben, denn dem Interesse der Leser dürfte dieser Streit durchaus zuträglich sein. Dass Winterhoff einen Nerv getroffen hat, haben die Leser bereits bewiesen. 350.000 verkaufte Exemplare von „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ und vier Wochen nach Erscheinen bereits wieder über 100.000 Stück des Nachfolgebuches sprechen eine eindeutige Sprache.