Ganz so glatt, wie sich Suhrkamp den Umzug nach Berlin ins Nicolaihaus vorgestellt hat, wird er nicht verlaufen. Denn das Haus hat einen Mieter mit lebenslangem Wohnrecht, hat die FAZ herausgefunden.
Es gehe um den Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Der 1983 auf den Posten des Generaldirektors der berühmten (damals Ost-)Berliner Museen berufene und 1998 in Ehren pensionierte Günter Schade ist heute 76 Jahre alt. Er wohne immer noch mit seiner Frau im Nicolaihaus, hieß es aus dem Stadtmuseum. Mehr wisse man nicht, ließ man sich gegenüber der FAZ vernehmen.
In der Senatskanzlei, wo der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zugleich Kultursenator ist, erfuhr das Blatt mehr: „Ja, die Schades wohnten dort mit einem unbefristeten Mietvertrag, und das sei in der Verlagszentrale in Frankfurt durchaus bekannt. Günter Schade wird als konziliant und liebenswürdig beschrieben. Wie viele, die ihr Berufsleben in der DDR begannen, hat auch er ursprünglich ein Handwerk gelernt, bevor er Kunsthistoriker wurde: Er ist ausgebildeter Möbeltischler, und das durchaus mit anhaltender Leidenschaft.“
Stimmt so aber nicht, was das Büro Wowereit da erzählt: Nicht Günter Schade nämlich wohnt, wie allgemein angenommen, im Nicolaihaus, sondern sein Namensvetter Werner Schade. Auch er ist Kunsthistoriker. Er war Direktor des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin.
Dann hat die FAZ in der Lindenstraße angerufen: „In der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Suhrkamp-Verlags in Frankfurt endet jedoch vorläufig die Frage danach, ob der Verlag in seiner Berliner Repräsentanz mit einem Mieter beginnen wird: Ihre Leiterin Tanja Postpischil ]erläutert geduldig, das Nicolaihaus sei nur eine von mehreren Immobilien, die die Stadt Berlin dem Verlag angeboten hat. Von einem Mieter wisse man in der Pressestelle nichts. Doch da nicht einmal die Entscheidung für das Nicolaihaus als künftigem Verlagssitz gefallen sei, könne man gegenwärtig auch nichts zum möglicherweise gedeihlichen Zusammenleben mit Mietern sagen.“
Ungemach bahnt sich für Suhrkamp auch in Frankfurt an. Da ist man über den Umzu so sauer, dass man aus dem schwarz-grünen regierten Rathaus von „zerschnittenen Tischtüchern“ zwischen Stadt und verlag hört: Die Stadt will dem Verlag augenscheinlich bei der Verwertung seiner Immobilien Steine in den Weg legen.