Die Mörder kommen wieder auf die Insel: Der Juister Buchhändler Thomas Koch hat in Zusammenarbeit mit der Inselkrimi-Autorin Sandra Lüpkes aus rund 40 Bewerbungen vier Schreibtischtäter ausgewählt, die in den nächsten Monaten das Stipendium „Tatort Töwerland“ in Anspruch nehmen können.
Bereits zum dritten Mal werden Krimischriftsteller aus ganz Deutschland auf die Insel eingeladen: Zwei Wochen schreiben zwischen Dünen und Deich, keine Autos und keine Hektik, dafür eine gesponserte Unterkunft in einer Pension oder Ferienwohnung, dazu Rundum-Verpflegung in einem Gastronomiebetrieb und eine bezahlte Lesung. Die einzige Gegenleistung, die vonseiten der Autoren gewünscht ist, soll eine Erwähnung der Gastgeber in dem auf Juist entstandenen Buch sein.
Im Februar geht es mit Gisa Klönne aus Köln („Der Wald ist Schweigen“, nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis 2006, „Unter dem Eis“, beide Ullstein) los. Die Autorin ist seit 2006 Sprecherin der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren „Das Sydnikat“.
Anfang März kommt Tatjana Kruse, die mit ihrer vierteiligen „Wuchtbrummen“-Reihe eine dicke, politisch völlig unkorrekte Antiheldin als Protagonistin bekannt gemacht hat. Im Rahmen des Flensburger Krimi-Stipendiums hat sie ihr aktuelles Buch „Küss mich, Schatz!“ (Goldmann) geschrieben und demnächst erscheint ihr erster Inselkrimi „Wie klaut man eine Insel“ (Leda), der auf dem benachbarten Eiland Borkum spielt. Für die zahlreichen Kurzgeschichten und Anthologieprojekte hat sich die Autorin, deren Markenzeichen raspelkurze Haare und schwarze Klamotten sind, einige Preise verdient, unter anderem den „Marlowe“ der Raymond-Chandler-Gesellschaft.
Kurz nach Ostern kommt die Münsteranerin Gisa Pauly zum Morden in den Norden. Die vielseitige Autorin wurde mit einem Enthüllungsbuch über ihre Erfahrungen als Lehrerin bundesweit bekannt, danach versorgte sie ihre krimihungrige Heimatstadt mit zahlreichen Romanen. Für Ihre Arbeit als Drehbuchautorin bekam sie für den Kurzfilm „Déjàvu“ die Goldene Kamera des SWR, zudem schreibt Gisa Pauly für verschiedene Fach-Magazine, für den Hörfunk und Kinderbücher.
Den Abschluss der dritten „Tatort Töwerland“-Staffel macht im September die Krimientdeckung Marcel Feige. Der als „jung, urban und ziemlich hipp“ beschriebene Stil des Berliners kam bislang eher im Fantasy- und Horrorgenre zur Geltung, er wurde gleich zweimal für den Rheinischen Literaturpreis nominiert. Im Herbst kommt sein erster Thriller mit Krimielementen unter dem Titel „Wut“ auf den Markt (Goldmann). Es wird sicher spannend, wie der Großstadtspezialist, der sich in erster Linie mit Subkulturen und städtischem Lifestyle beschäftigt, die Idylle des Inselherbstes verarbeiten wird.