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DREI FRAGEN AN Börsenvereins-Vorsteher Dr. Gottfried Honnefelder zur DBH Buch Handels Holding

Dr. Gottfried Honnefelder

buchmarkt.de: Herr Dr. Honnefelder, was bedeutet der neue Zusammenschluss zur DBH aus Sicht des Börsenvereins?
Dr. Gottfried Honnefelder: Vier große Mitglieder sind eine Fusion eingegangen – nicht mehr und nicht weniger. Ein solches Marktgeschehen ist nicht überraschend, aber es ist ein Einschnitt in der Geschichte des Buchhandels. Diese Fusion wirkt sich auf die Mitglieder des Börsenvereins aus: wenn die Zusicherung von Weltbild / Hugendubel, dass das neue Unternehmen dezentral arbeitet, nachhaltig zu verstehen ist, sorgen wir uns um die Vielfalt der Buchhandlungen und um die Vielfalt der Verlagsprogramme nicht. Wenn die Fusion aber ihre Nachfragemacht und ihre Finanzkraft nutzt, um gegenüber Sortimentern und Verlegern – zumal den kleineren – ihre Marktmacht auszuspielen, dann stehen wir vor einer Beschleunigung von Zentrifugalkräften im Buchhandel.

Auf den Buchhändlertagen haben Politiker ja bereits gesagt, dass eine Kommerzialisierung der Buchbranche zum Überdenken des verminderten Mehrwertsteuersatzes führen könnte. Sehen Sie da schwierige Gespräche auf sich zukommen?
Kommerzialisierung ist nichts Negatives, solange sie den Inhalten und deren Verbreitung dient. Das hat der Bundestagspräsident in Berlin gesagt, als er uns aus der Seele sprach. Ich hoffe, dass „schwierige Gespräche“ über unsere Privilegien nicht auf uns zukommen.

Viele in der Branche sehen die Risslinien nicht mehr zwischen den Sparten sondern innerhalb der Sparten. Durch die Marktmacht der Großen entstehen vermehrt gesonderte Interessen der kleinen. Besteht die Gefahr, dass keinere Buchhandlungen mit eigener Vertretung und eigenen Bestsellerlisten ausscheren werden? Der AUB ist ja ein markantes Signal in diese Richtung.
Der Börsenverein hat nicht erst seit einigen Jahren die Aufgabe, das gemeinsame Ziel und den gemeinsamen Willen von über 6.000 Mitgliedern zu formulieren und öffentlich durchzusetzen. Dies geschieht im Ausgleich zwischen vielen „gesonderten Interessen“: zwischen großen und kleinen Mitgliedsfirmen, wirkmächtigen Büchern und deren Derivaten, Verlegern und Buchhändlern und natürlich zwischen allen unterschiedlichen Zielen innerhalb und zwischen den Sparten und der Öffentlichkeit gegenüber. Da waren und sind neue Initiativen und neue Gruppierungen willkommen. Der Börsenverein hat bisher solche Initiativen immer integrieren können.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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