Wer noch ein Kino findet, das den Film zeigt, sollte sich sputen, damit ihm Unterwegs nach Cold Mountain (http://www.movie.de) nicht entgeht. Der Film des Regisseurs Anthony Mighella (Der englische Patient, Der talentierte Mr. Ripley) produziert von Sydney Pollack besticht nicht nur durch seine Detailtreue und die glänzenden Schaupieler(innen) Nicole Kidman, Renee Zellweger, Jude Law und Donald Sutherland. Unterwegs nach Cold Mountain ist zuerst einmal die Geschichte von Menschen, die, jeder auf seine Art, unterwegs sind zu sich selbst, zu ihrer eigenen Identität. Das dies, noch dazu eingebettet in den amerikanischen Bürgerkrieg, für alle kein einfacher und oft schmerzhafter Weg ist, wissen wir alle. Trotzdem gelingt es dem Film mit sehr viel Einfühlunsgvermögen, diese ewige Geschichte der Menschheit neu und packend zu erzählen. Der einfache Arbeiter und Soldat Inman desertiert während des amerikanischen Bürgerkriegs und macht sich auf den Weg nach Hause, nach North Carolina, nach Cold Mountain. Dort ist Inman für einen kurzen Augenblick der Liebe seines Lebens begegnet, der zwar gebildeten aber in allen praktischen Dingen völlig hilflosen Pfarrerstochters Ada. Diese kämpft inzwischen, nachdem ihr Vater gestorben ist und der Krieg ihr Vermögen ruiniert hat, auf ihrer Farm ums nackte Überleben. Wie zwei sich anziehende Pole laufen die Schicksale der beiden aufeinander zu. Und wie ein unsichtbarer Faden halten lediglich 2 Fotografien und ein Buch die Verbindung zwischen beiden aufrecht. Der Krieg wird von allen Beteiligten seinen bitteren Tribut fordern und offenbart am Ende des Films, auf welchen Wahnsinn sich jeder Krieg von neuem stützt. Wer auf den Kinofilm verzichten muss und nicht bis zur DVD warten mag, dem sei das Buch, auf dem auch der Film basiert, Unterwegs nach Cold Mountain (620 S., 10,- E., Heyne Verlag, http://www.heyne.de) empfohlen. Das einzige und hochgelobte Buch, das der amerikanische Autor Charles Fraizer bisher geschrieben hat, erzählt die Geschichte allerdings ganz anders. Das macht aber überhaupt nichts, ganz im Gegenteil. Denn die Eindringlichkeit mit der sowohl das Buch wie auch der Film erzählen, fesseln und berühren uns gleichermassen.
STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de
Preis der Leipziger Buchmesse 2026: 485 Einreichungen aus 177 Verlagen
Wenn auf den Tischen der Jury wieder die Stapel wachsen und Notizzettel aus Büchern ragen, beginnt sie – die spannendste Lektürephase des Jahres, schreibt die Leipziger Buchmesse: Für den Preis