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Gerhard Beckmanns Meinung – Ein Loblied auf die Vertreter – eine Mahnung an die Verlage

Burkhard Spinnen ist ein vorzüglicher deutscher Erzähler, einer der besten, interessantesten Juroren bei den Ingeborg Bachmann-Lesungen in Klagenfurt, und ein kluger Essayist. Was er im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, auf Seite 4 dort, über die Vertreterkonferenz schreibt, sollten sie eigentlich alle lesen: Autoren, Lektoren, Verleger, Vertriebsleute und, natürlich, die Vertreter.

Burkhard Spinnen hat an drei Vertreterkonferenzen teilgenommen, um ein neues Werk vorzustellen, eine Erfahrung. Er beschreibt sie, aus dem Erlebnis des Schriftstellers, als „eine Mischung aus Spießrutenlauf und Purgatorium mit dem Ziel der Leugnung des Autors als ästhetisches Subjekt“. Doch er schließt mit einem Loblied auf die Vertreter, „welche den Satz, sein Roman sei absolut unverkäuflich, eine Stunde lang durchdeklinieren: Denn sie trainieren ja nur ‚den Ernstfall‘ ihres Verkaufsgesprächs im Buchhandel und wappnen sich gegenseitig gegen die hässlichsten Attacken, die jemand gegen die geliebte Novität ihres Verlages reiten könnte.“

Als die „eigentliche Kampftruppe der Literatur“ hat Burkhard Spinnen die Vertreter am Ende – in der ersten Reaktion hätte er sie am liebsten umgebracht – kennen und schätzen gelernt. Und das sollten wir uns alle, trotz der Kritik, die im einzelnen immer wieder aufkommt, hinter die Ohren schreiben. Denn so ist es.

Burkhard Spinnen ist Autor eines guten Verlags (Schöffling & Co.) mit offensichtlich sehr guten Vertretern. (Ich kenne sie nicht persönlich.) Entscheidend scheint mir, dass er einige konkrete Hinweise gibt, wie Vertreterkonferenzen sein sollten

Erstens: Man muss sich auf der Vertreterkonferenz für jedes Buch Zeit nehmen. (Ein Buch, das der Verleger und seine Vertriebsmannschaft auf der VK gewissermaßen nur als Formalität präsentieren – auf deutsch: fallen lassen – dürfte im Grunde nicht im Programm sein.

Zweitens: Es ist eine vorzügliche Sache, im ausführlichen Gespräch mit dem Autor zu diskutieren, wieso und aus welchen Gründen sein neues Werk interessant ist. Vertriebsleute sind heut allzu oft der Auffassung, es gehe vor allem darum, den Vertretern klar zu machen, warum die Buchhandlungen einen Titel einkaufen müssten. (Mit Argumenten, die, wiederum allzu oft, auch für tausend andere Titel gelten könnten, also: austauschbar sind). Mit dem Autor lassen sich dagegen Argumente und Ideen erörtern, die die Aufmerksamkeit und das Interesse der Leser betreffen.

(Es ist gewiss manchmal gut, Schriftsteller als „Unterhalter“ einzuladen, um eine Konferenz aufzulockern; oder damit sie sich mit ihrer beieindruckenden persönlichen Präsenz hinter ihr Buch stellen bzw. es durch ihren Sachverstand persönlich beglaubigen. Aber die von Spinnen erwähnte Praxis bei Schöffling scheint mir allgemein vernünftiger.)

Drittens: Damit dient man auch den Buchhändlerinnen und Buchhändler, die ja von sich aus ans lesende Publikum verkaufen müssen und für entsprechende Argumente dankbar sind (zumal ihnen die Infos der Vorschauen dazu längst nicht immer genügend bieten).

Doch auch ohne Anwesenheit eines Autors dürfte diese Vorgehensweise empfehlenswert sein. Vertreterkonferenzen sind nicht dazu da, um etwa Lektoren in Publikumsverlagen ein Forum zu bieten, ein Buch nur aus ihrer Sicht darzustellen. Und Lektoren, die mehr oder weniger langweilig nur den Inhalt eines Romans wiedergeben können, gehören überhaupt nicht mehr auf eine Vertreterkonferenz. Genausowenig übrigens leistet – was hier und da tatsächlich noch vorkommen soll – ein Vertriebsleiter die notwendige Arbeit, wenn er sich wie ein Spatz auf den Zaun setzt und einen „Dialog“ zu Feindseligkeiten zwischen Vertretern und Programmleuten entarten lässt. Deshalb, noch einmal, lest Burkhard Spinnens Kurzessay „Die Vertreterkonferenz“ im Feuilleton der SZ vom Freitag, dem 1. August.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

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