Jetzt online: Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Juli 2022

Uwe Kalkowski

Von einer Sommerpause kann in der Welt der Literaturblogs keine Rede sein und so habe ich auch im Juli 2022 etliche Texte gefunden, die ich hier vorstellen möchte. Nach wie vor ist der russische Angriffskrieg auf die Ukraine immer wieder Thema, so wie etwa auf der Seite TraLaLit, dem meines Wissens einzigen Online-Magazin, in dem sich alles um Literaturübersetzungen dreht. Hier heißt es: »Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch für die dortigen Übersetzerinnen und Übersetzer alles verändert.« Nelia Vakhovska gibt Einblicke in eine Literaturszene im Ausnahmezstand.

Bei der Gelegenheit möchte ich insbesondere allen Offene-Briefe-Schreibern, die tatsächlich glauben, dass Putin an Verhandlungen interessiert sei, ein Buch empfehlen. In »Roter Hunger« schreibt Anne Applebaum über die von Stalin 1932/1933 verursachte Hungersnot in der Ukraine, die Millionen von Menschenleben kostete. Neben den darin geschilderten Ereignissen vermittelt dieses Werk das nötige historische Hintergrundwissen, mit dem der Krieg des Jahres 2022 betrachtet werden muss. Um zu verstehen, dass der russische Despot Wladimir Putin nie Ruhe geben wird und dass Verhandlungen niemals einen dauerhaften Frieden schaffen werden.

Lesenswert: Im Blog Schreibgewitter bespricht Alexander Preusse den Roman »Wie später ihre Kinder« von Nicolas Mathieu; eine Coming-of-Age-Geschichte vor dem Hintergrund des Themenkreises Deindustrialisierung, Niedergang, Prekarisierung und Radikalisierung der Dienstleistungsgesellschaft.

In ihrem Blog Crow and Kraken gibt Mareike Hansen unter dem Titel »Halbzeitschnack 2022« einen Überblick über ihre Tops und Flops im ersten Lesehalbjahr.

Es gibt Bücher, zu denen scheinbar schon alles gesagt ist. Und dann findet man eine Rezension, in der so begeisternd darüber erzählt wird, dass man sich das entsprechende Werk gleich (noch) einmal vornehmen möchte. So geschehen beim Text über das Hörbuch von Hemingways »Der alte Mann und das Meer« im Blog Bücherbriefe. Danke dafür.

Stefan Härtel stellt auf Bookster HRO den Roman »Die Party« von Ulrike Haidacher vor, das für ihn in gesellschaftskritischer Hinsicht das wichtigste Buch dieses Jahres ist. Die Autorin nimmt darin wunderbar sarkastisch die Verlogenheit der ach so woken Möchtegern-Elite aufs Korn. Und das klingt nach einem Buch, das gelesen werden sollte.

Wie wird über und von psychischen Erkrankungen in Romanen und Graphic Novels erzählt? Damit befasst sich Marina Büttner unter dem Titel »Die dunkle Nacht der Seele« bereits zum zweiten Mal in ihrem Blog literaturleuchtet.

Die Buchbesprechungen von Claudia Pütz in ihrem Blog Das graue Sofa schätze ich sehr. Im Juli zum Beispiel diejenige des Romans »Tao« von Yannic Han Biao Federer.

Petra Reich vom Blog LiteraturReich war zu Gast beim Literaricum Lech und berichtet in mehreren Beiträgen darüber. Und gibt damit einen wunderbaren Einblick in diese spannende Literaturveranstaltung, die ganz im Zeichen von Melvilles störrischer Figur Bartleby stand.

Im Blog Bücherkaffee wird über »Boom Town Blues« von Ellen Dunne berichtet – was mich daran erinnert, dass ich schon längst die Krimis dieser Autorin gelesen haben wollte. Es wird Zeit.

Das Thema »Kulturelle Aneignung« poppt immer wieder in den Medien auf und sorgt regelmäßig für Aufregung. Auch ich gehöre eher zu denjenigen, die angesichts seltsamer Auswüchse genervt die Augen verdrehen, ist doch die gesamte Kulturgeschichte eine Geschichte der kulturellen Aneignung. Doch so einfach ist es dann eben doch nicht: Die Besprechung der Nautilus-Flugschrift »Kulturelle Aneignung« von Lars Distelhorst im Blog Poesierausch hat mich neugierig darauf gemacht, mich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen.

In seinem Blog Leselust stellt Andreas Kück den Gedichtband »Gesang zwischen den Stühlen« von Erich Kästner vor. Und anlässlich von Kästners 48. Todestag würdigt auch Celina Farken im Blog literaturundfeuilleton den Dichter.

Mit Mascha Kaléko beschäftigt sich Lena Riess in ihrem Blog. Genauer: Mit der Biographie dieser Dichterin von Jutta Rosenkranz.

Angesichts der neuesten Jane-Austen-Verfilmung schreibt Miss Booleana über Austens »Anne Elliot«.

Einen spannenden Text gibt es im Blog Literature matters. Darin geht Bloggerin Sophie Weigand der Frage nach, was im Kopf beim Lesen abläuft. Und beschreibt dabei ihre eigene Wahrnehmung des Gelesenen.

Und damit ist der Juli-Netzrückblick am Ende angelangt. Denjenigen in den südlichen Bundesländern wünsche ich schöne Sommerferien, uns anderen einen guten Start nach dem Sommerurlaub.

Wir lesen uns.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick«auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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