Max und Moritz-Preises beim 12. Internationalen Comic-Salon in Erlangen verliehen

Anlässlich des 12. Internationalen Comic-Salon fand am Abend des 17. Juni die Verleihung des Max und Moritz-Preises statt. Der traditionsreichste und angesehenste Preis in der deutschsprachigen Comic-Landschaft wurde im Rahmen einer großen Gala im Markgrafentheater der Stadt Erlangen verliehen.

In der Kategorie bester deutschsprachiger Comic-Künstler erhielt den Preis in diesem Jahr Volker Reiche. Bekannt wurde er vor allem durch seine Abenteuer des Igels Mecki in „Hörzu“ und die Beschreibung der Alltagsnöte des Büroangestellten Strizz in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Der Preis für den besten deutschsprachigen Comic ging an Nicolas Mahler für seinen Band „Das Unbehagen“, erschienen in der Edition Moderne. Denis Scheck, Mitglied der Jury und Moderator der Gala würdigte den Autor entsprechend: „Die Figuren von Nicolas Mahler haben keine Augen, keine Ohren und keine Münder – aber sie haben zweifellos Charakter. Egal, ob in seinen comicartigen Cartoons oder in seinen cartoonhaften Comics, stets gelingt es Mahler, mit minimalistischen Zeichnungen und maximalem Humor seine wenigen Striche auf den Punkt zu bringen. Dabei pendelt er stets virtuos zwischen banal, absurd und kafkaesk.“

Einen Spezialpreis hat die Jury Ralf König für seine künstlerische Stellungnahme im Streit um die sogenannten Mohammed-Karikaturen zuerkannt. Seinerseits die Mittel von Cartoon und Karikatur nützend, hat König die Konsequenzen islamistischer Zensur-Forderungen auf die satirische Spitze getrieben und in ihrer Absurdität entlarvt. Wo andere Karikaturisten und Cartoonisten im Konflikt schwiegen oder defensive Haltungen einnahmen, hat König künstlerisch Position bezogen. „Damit hat er Mut bewiesen im ewigen Kampf der Kunst gegen politisch, ideologisch oder religiös begründete Unterdrückungsversuche“, hieß es in der Laudatio.

Jacques Tardi erhielt den Sonderpreis für ein Lebenswerk. Denis Scheck brachte die Jury-Meinung auf den Punkt: „Er ist für eine junge Generation von Zeichnern ein Vorbild, ohne jemals Lehrer gewesen zu sein, ein Künstler, an dessen Arbeiten wir uns noch in Jahrzehnten nicht sattgesehen haben werden.“

In der Kategorie bester internationaler Comic ging die Auszeichnung an „Die Unschuldigen“ von Gipi aus dem avant-verlag. Erstmals in diesem Jahr wurde auch ein Preis für einen Comic aus Japan vergeben. „Barfuß durch Hiroshima“ von Keji Nakazawa (Carlsen Comics) ist schon 1982 erschienen. Dieser papiergewordene Schrei nach Frieden und Gerechtigkeit erfährt jetzt im Zuge des Manga-Booms seine verdiente Würdigung.

Mit dem Titel „Bester Comic für Kinder“ kann sich ab sofort das Album „Jónas Blondal“ von Jens F. Ehrenreich aus dem Epsilon Verlag schmücken. Max Goldt wurde als bester Szenarist und „Doonesbury“ von Gary Trudeau wurde als bester Comicstrip ausgezeichnet.

Die Jury
Bodo Birk, Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen
Hendrik Dorgathen, Comic-Künstler und Professor für Illustration, Kassel
Andrea Fiala de Ayerbe, Frankfurter Buchmesse
Lutz Göllner, Journalist, Berlin
Harald Havas, Journalist, Wien
Herbert Heinzelmann, Journalist und Medienwissenschaftler, Nürnberg
Andreas Platthaus, Journalist, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Denis Scheck, Kritiker, Deutschlandfunk, „Druckfrisch“ ARD
Jan Taussig, Bulls Press, Frankfurt

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