„Literatur ist ein wichtiger Bezug für die Bevölkerung“ Bremen: Hoffnung auf eine Heimat für ein Literaturhaus

Manche werden sich noch an die Beiträge unseres früheren Barcelona-Korrespondenten und des Literaturagenten Guenter G. Rodewald erinnern. Seit dem Sommer 2016 lebt er als Pensionär in Bremen und schickt uns heute einen hoffnungsvollen Bericht aus seiner Heimatstadt.

Hoffnung für Bremen?

Es gibt wohl kaum eine Großstadt in Deutschland, die kulturell, vor allem literarisch etwas auf sich hält und die nicht über ein Literaturhaus verfügt. So blickt man im norddeutschen Raum vergebens in Bremen nach einer solchen Einrichtung, trotz vielfältiger, auch überregional und international anerkannter, rege agierender literarischer Initiativen: Da sind das (virtuelle) Literaturhaus Bremen, das Bremer Literaturkontor, die Festivals globale oder Poetry on the Road, auch die Stadtbibliothek Bremen, diese Namen nur stellvertretend genannt für viele weitere Institutionen, offizielle, wie private Unterstützer. Aber alle sind sie so gut wie heimatlos, wenn es darum geht, geeignete Räume für Lesungen, Veranstaltungen, Workshops oder Ausstellungen zu finden. Oder hohe Saalmieten sind fällig, die manches Mal die Honorarvorstellungen von Autoren übersteigen und deshalb Veranstaltungen nicht möglich machen. Oder gar ein Literaturcafé?

Um all das können wir hier in Bremen Häuser in Hamburg, Oldenburg, Hannover, Lüneburg, Osnabrück, Braunschweig, Göttingen, Kiel oder Rostock nur beneiden, um damit Städte in den nördlichen Breitengraden zu nennen.

Nicht zu vergessen, verleiht die Hansestadt allwinterlich den hoch angesehenen Bremer Literaturpreis, der seit 1953 verliehen wird und der 2021 an Marion Poschmann für den Gedichtband Nimbus (Suhrkamp) gehen wird, der Förderpreis an Jana Volkmann für ihren Roman Auwald (Verbrecher Verlag).

Und wie sähe es wohl aus, und hätte Bremen überhaupt eine Chance bei seiner geplanten Bewerbung bei der UNESCO als City of Literature für das Jahr 2023, ohne eine solchen Unterschlupf vorweisen zu können? Der so dringend für die Bremer Leser, Autoren, Verlage und alle benötigt wird, die der Leidenschaft für Bücher längst anheimgefallen sind und für andere, die man dazu noch verführen möchte, gerade auch junge Leser!

Kontorhaus in Bremen

Aber seit der vergangenen Woche ist berechtigte Hoffnung aufgekommen: Der Bremer Senat hat beschlossen, fünf Millionen Euro für ein „Stadtmusikantenhaus“ zu reservieren, das im historischen „Kontorhaus“ entstehen soll. Bürgermeister Andreas Bovenschulte, gleichzeitig Kultursenator des Landes Bremen, erklärt in der Pressemitteilung des Senats vom 26. November: „Das Märchen der Gebrüder Grimm trägt den guten Ruf unserer Stadt in die Welt hinaus und das neben dem Rathaus stehende Stadtmusikanten-Denkmal von Gerhard Marcks ist eine herausragende Gäste-Attraktion. Das Potenzial der Geschichte und der Figuren lässt sich noch viel tiefer ausschöpfen.“

Weiter heißt es: In Vorbereitung seien zum einen ein multifunktionales Veranstaltungs- und Literaturcafé. Zum anderen solle die große thematische Bandbreite des berühmten Märchens ansprechend und inhaltlich fundiert in einer Ausstellung aufbereitet und modern erzählt werden. Eine enge Einbindung und Vernetzung mit den Kulturakteuren der Stadt sei selbstverständlich. Der Bürgermeister betonte allerdings auch, man stehe noch man am Anfang des Projekts, und es gelte jetzt, eine vertiefte Planung zu erarbeiten.

Das Haus wird in dieser Lage und inmitten des historischen Ambientes des Bremer Marktplatzes, des Rolands und des St.-Petri-Dom nicht nur Literaturliebhaber anlocken, sondern ebenso die Pläne bereichern, die Innenstadt mit kulturellem Leben zu füllen, die – wie in so vielen anderen Cities des Landes – unter dem langsamen Sterben der traditionellen Läden leidet.

Reizvoll ist auch die Nähe der ältesten Bremer Buchhandlung Storm, die gerade beim Deutschen Buchhandlungspreis mit dem Gütesiegel „Besonders herausragende Buchhandlung“ und mit 15.000 Euro ausgezeichnet wurde und die ihren Sitz vis-à-vis des Eingangs des Stadtmusikantenhauses hätte.

„Literatur ist ein wichtiger Bezug für die Bevölkerung“, unterstrich Bovenschulte in einem Interview zu den Plänen im Bremer Regionalfernsehen.

Herr Bürgermeister, Herr Kultursenator: Man wird Sie in Bremen beim Wort nehmen!

Guenter G. Rodewald

Quelle: Pressemitteilung des Bremer Senators für Kultur, der Bremer Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa und der Bremer Senatskanzlei

https://www.senatspressestelle.bremen.de/detail.php?gsid=bremen146.c.348107.de&asl=bremen02.c.732.de

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