Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Britta Egetemeier?

Seit dem 6. Dezember 2020 (Nikolaustag) fragen wir wieder in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Britta Egetemeier, Verlegerin Penguin und Blanvalet Verlage in der Penguin Random House Verlagsgruppe) unseren „anderen“ Fragebogen: 

Britta Egetemeier: „Für mich der schönste Erfolg war, dass Lesen und Bücher sich in diesem Jahr wieder als die besten Begleiter erwiesen haben, die wir haben können. Und dass auch viele gelesen oder vorgelesen haben, die sonst wenig Zeit oder Muße dafür finden. Literatur ist eine Verbindung, die alles kann: Nähe schaffen oder Abstand halten und alles dazwischen“

Welcher Tag war Ihr schönster im letzten  Jahr?

Wahrscheinlich doch jener Juli-Tag, als wir uns auf der Autostrada del Sole den Wind um die Nase wehen ließen, unterwegs Richtung Toskana, deren Schönheit Corona nichts anhaben konnte…

Und dann war jeder Tag beglückend, an dem ich mich in ganze Werke der Blanvalet, Limes und Penhaligon Autor*innen einlesen konnte. Allein die Spannungsliteratur – die neuen Bücher von Charlotte Link, Marc Elsberg (erscheint im Februar), Robert Galbraith oder Paula Hawkins (kommt im September), sind so dermaßen gut, sie haben mich auch nachts wach gehalten. Sehr passend, dass der Weg zum Schreibtisch so kurz war wie nie…

Worüber haben Sie sich 2020 am meisten geärgert?

Über verspätete digitale Einsichten, die nun mit der Pandemie begründet werden. Wir könnten weiter sein, würden wir aufhören, digital und analog gegeneinander auszuspielen.

Was war 2020 Ihr schönster Erfolg?

Für mich der schönste Erfolg war, dass Lesen und Bücher sich in diesem Jahr wieder als die besten Begleiter erwiesen haben, die wir haben können. Und dass auch viele gelesen oder vorgelesen haben, die sonst wenig Zeit oder Muße dafür finden. Literatur ist eine Verbindung, die alles kann: Nähe schaffen oder Abstand halten und alles dazwischen.   

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Jede! einzelne! abgesagte! Lesung!!!!!

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag im letzten Jahr?

Jede Buchhandlung, die es geschafft hat, die Leserinnen und Leser weiterhin mit persönlichen Empfehlungen zu versorgen. Geistesblüten in Berlin zum Beispiel mit ihrem besonderen Online-Auftritt, CoLibris in München, nächstgelegenes Sehnsuchtsziel und immer erreichbar.

Von welchem Thema wollen Sie im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Trump!

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Trost. Oder besser gesagt die Möglichkeit von Trost. Thea Dorns neues Buch erscheint im Februar, und ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass man als Leser*in schon durch die Lektüre getröstet wird, und das in untröstlichen Zeiten.

Welchen Fehler aus dem letzten Jahr möchten Sie im neuen Jahr vermeiden?

Zu wenig zu reisen.

Und welchen Fehler werden  Sie trotzdem wiederholen?

Manchmal die Bücher einem Abend in Gesellschaft vorzuziehen …

Welches Buch hat Ihnen im letzten Jahr besonders viel Freude gemacht?

Ein verheißenes Land von Barack Obama. Weil es Politik und jüngste Geschichte so herausragend und lebendig aufzeichnet, und weil das Buch selbst Symbol der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist. Daneben legen möchte ich den Amerika-Roman von Annette Mingels: Dieses entsetzliche Glück spielt in der fiktiven Kleinstadt Hollyhock, irgendwo in Virginia, und handelt ebenfalls, doch in völlig anderer Tonart, von unseren Leben, von der Glückssuche und den Träumen, die uns antreiben.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Wegen dieser Frage schicke ich den Fragebogen schon seit Tagen nicht ab. Unmöglich zu sagen! Als Lektorin ist mir allgemein dasjenige Buch das wichtigste, das ich noch nicht kenne und das für mich die Welt neu zusammensetzt.

Von wem würden Sie gern auch mal  die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Anke Hoffmann von Random House Audio.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Was haben Sie im neuen  Jahr vor?

Hier können Sie die auch beantworten:

Sonntagabend: Kino. Montagabend: Theater. Dienstagabend: Lesung. Mittwochabend: Konzert oder Oper. Donnerstagabend: Lesung. Freitagabend:  Bar. Samstagabend: Club.

Und von vorn. All year long!

Gestern antwortete Sybil Gräfin Schönfeldt. Ab Nikolaustag d.J. starte wir wieder unsere nächste Fragerunde.

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